From: Kirsten Born <kirsten.born@museum.hu-berlin.de>
Date: Wed, 08 Jun 2005 16:58:55 +0200
Subject: EV130 by Line
Source: direct

TITLE:  EV 130
AUTHOR: Line
E-MAIL: line@duke.in-berlin.de
ARCHIVE: Gossamer.  If you want it, just ask me.
RATING:  PG
CATEGORIES:  X
KEYWORDS:  XF
SPOILERS:  None
SUMMARY:  When Mulder and Scully realize who ist behind  strange cases of
 death, Mulder nearly loses his life.
Disclaimer:  X-Files characters belong to FOX Corporation and 1013.
Author's Notes:  written in German !  Author: Line   Story: Line and
 Christian K.


						
EV 130
by Line


Kapitel   I



Blankenheim
7. August 1978,  3:15 a.m.


Die Nacht war sternenklar. Friedliche Stille lag =FCber dem kleinen Ort. Im
 Tal herrschte tiefe Finsternis, es war Neumond. Die junge Frau schlief tief
  und fest, obwohl sie sich am Abend zuvor gef=FCrchtet hatte ins Bett zu
 gehen. Die meisten Einwohner waren verreist, schlie=DFlich war Ferienzeit,=
 und sie selbst war allein im Haus. Ihr Mann war in der Nachtschicht und ihr
 Sohn bei den Gro=DFeltern. Sie hatte sich schon einige male gefragt, was
 ihr Mann eigentlich tat. Er sprach nie dar=FCber, im Gegenteil. Er
 wechselte stets das Thema, wenn sie fragte, was dort in der Mine, tief
 unter der Erde, abgebaut wurde. Am vergangenen Abend hatte sie, wie immer,=
 ihren Mann zum Wagen begleitet und sich verabschiedet. Er bemerkte ihre
 Nervosit=E4t und versuchte  sie zu beruhigen. Nur noch ein paar Tage und
 dann sollte auch er Urlaub haben.
"Wir werden eine sch=F6ne Reise machen" sagte er "Nur wir drei. Es ist ja
 heute auch meine letzte Nachtschicht." 
Als sie ins Haus zur=FCckgekehrt war, stieg die Unruhe wieder in ihr auf und
 so versuchte sie sich abzulenken. Etliche Dinge waren vorzubereiten und
 sp=E4ter am Abend fielen ihr die Augen vor dem Fernseher zu. Sie ging ins
 Bett  und schlief sofort ein.
Jetzt, in dieser fr=FChen Morgenstunde, wurde sie j=E4h aus dem Schlaf
 gerissen. Erst war sie nicht f=E4hig sich zu orientieren, aber einen
 Augenblick sp=E4ter h=F6rte sie erneut einen furchtbaren Knall und das Haus
 erbebte. 
'Die Mine' schoss es ihr sofort durch den Kopf. Sie st=FCrzte zum Fenster
 und sah hinter dem n=E4chsten Berg einen hellen Lichtschein, wie von einem
 riesigen  Feuer. Ihr stockte der Atem und das Herz schien vor Schreck
 stehen zu bleiben. Sie warf sich einen Morgenmantel =FCbers Nachthemd und
 st=FCrzte barfuss aus dem Haus. Von Panik erf=FCllt rannte sie durch die
 Nacht, den bei=DFenden  Geruch schien sie nicht wahrzunehmen. Alles was sie
 denken konnte war: 
'Mein Mann, Oh Gott, was ist passiert.' Nach zwei Kilometern bergauf war sie
 v=F6llig au=DFer Atem und musste langsamer gehen. Nach der letzten Kurve
 blieb sie voller Entsetzen stehen. Ihr bot sich ein grauenhafter Anblick.=
 =DCberall Feuer, in Panik umherirrende Menschen, dazwischen futuristisch
 anmutende Gestalten. Ihre Augen tr=E4nten und so erkannte sie erst beim
 N=E4herkommen, dass es sich um M=E4nner in Schutzanz=FCgen handelte. Ihr
 wurde schwindelig und sie konnte kaum noch atmen. Die Stimme versagte, als
 sie nach ihrem Mann fragen wollte und sie sank auf die Knie. Nur noch durch
 einen tr=FCben Schleier  sah  sie einen Schutzanzug auf sich zukommen.
"Mein Gott .... Klaus, komm' hier 'r=FCber, schnell!"
Ein zweiter Anzug kam herbeigeeilt.
"Los, hilf mir." 
Sie trugen die inzwischen fast bewusstlose Frau in den Raum einer Baracke,=
 die offensichtlich eilig zu einer Art Lazarett umfunktioniert worden war.=
 Eine  Sauerstoffmaske brachte ihr kurz Linderung, aber der Arzt, der sie
 gezielt untersucht hatte, trat nur zur Seite, sah die M=E4nner die sie
 gebracht hatten an und sch=FCttelte den Kopf.
"Holen sie ihren Mann, schnell."
Als einziger Arzt in der Gegend kannte er jeden hier, um so mehr schmerzte
 es ihn auch nun mit ansehen zu m=FCssen, was hier gerade geschah. 
Ein Mann in Schutzanzug st=FCrzte herein.
"NEIN ... nein, bitte .... oh Gott.."
Er kniete neben seiner Frau nieder.
"Warum bist du denn nicht zu Hause geblieben?"
Tr=E4nen rannten =FCber sein Gesicht und er war versucht, sich die Kapuze
 vom Kopf zu rei=DFen. Die Anderen konnten es gerade noch verhindern und
 hielten ihn fest. Tr=E4nen und die W=E4rme lie=DFen sein Visier beschlagen,=
 er sah seine Frau nur noch schemenhaft. Er beugte sich noch dichter =FCber
 sie und sah in ihre  vor Entsetzen aufgerissenen Augen. Fast k=F6rperlich
 konnte er ihren Todeskampf f=FChlen und als sich ihr Brustkorb aufh=F6rte
 zu heben und senken erstarrte  er  ....... das hatte er nicht gewollt.



Bautzen 
23. Februar 1999,  5:30 p.m.


Er war ziemlich groggy. Der Tag war anstrengend gewesen und er wollte nichts
 weiter als etwas K=FChles trinken und dann entspannen. Kurz vor dem zehnten
 Stock blieb der Fahrstuhl stehen.
'Na toll' dachte er 'genau das, was ich jetzt brauchen kann.'
Da auch das Licht ausgegangen war, konnte er nicht mal lesen. Als er es sich
 bereits gem=FCtlich machen wollte, ging jedoch das Licht wieder an und der
 Fahrstuhl setzte sich langsam in Bewegung. Er atmete erleichtert auf als er
  aus dem K=E4fig trat und eilte zu seiner Wohnung. Noch gar nicht ganz
 eingetreten, kam schon die Begr=FC=DFung aus der K=FCche.
"Na, Daniel, wie war dein Tag?"
"Anstrengend. Ich glaube, ich muss erst mal etwas abschalten." antwortete
 er.  
Inzwischen war er in die K=FCche gegangen und gab seiner Mutter einen Kuss
 auf  die Stirn.
"Gerade eben war ein Stromausfall." sagte sie.
"Habe ich bemerkt" er l=E4chelte sie an  "ich hing im Fahrstuhl. Man gut,=
 dass  nach einigen Minuten alles wieder OK war. Ich geh' erst mal in mein
 Zimmer."
"Tu das. M=F6chtest du irgend etwas?"
"Ja, ein k=FChler Eistee w=E4re nett."
In seinem Zimmer war es ziemlich warm. Er =F6ffnete das Fenster und sah
 einen Moment gedankenverloren hinaus.
"Dein Eistee."      
Er erschrak.   
"Oh danke, ich glaube, ich setze mich ein paar Minuten an den  Computer."
Die Mutter wusste was diese paar Minuten bedeuteten. Sie l=E4chelte nur und
 schloss hinter sich die T=FCr.
Das erste, was Daniel machen wollte, war seine Mails abrufen. Er loggte
 sich ein und sah kurz darauf, dass 5 Mails da waren. Die meisten hatte er
 erwartet, nur bei einer wurde er stutzig. Als er sie =F6ffnete, enthielt
 sie nichts, absolut nichts. Pl=F6tzlich verschwamm alles vor seinen Augen.=
 Er sa=DF da wie versteinert, r=FChrte sich nicht und starrte nur auf dem
 Monitor. Wie in  Zeitlupe stand er langsam auf und ging zum Fenster. Im
 Hintergrund war  lediglich das Summen des L=FCfters zu h=F6ren. Ganz
 langsam nahm er einen Stuhl,  stellte diesen vor das Fenster und stieg
 hinauf. Einen Augenblick sp=E4ter trat er aufs Fensterbrett und ohne
 hinunterzusehen machte er einfach einen  Schritt vorw=E4rts ......
Kein Laut war zu h=F6ren, die Gardinen bewegten sich im Luftzug. Auf dem
 Tisch stand noch immer der Eistee, unber=FChrt.




W=FCrzburg
24. Februar 1999,  2:45 p.m.


'Endlich geschafft',   er atmete erleichtert auf und legte seine B=FCcher
 beiseite. Nun konnte er sich den interessanten Dingen zuwenden. Als erstes
 machte er den Computer an und w=E4hlte sich in die Gruppe ein. Noch bevor
 die Verbindung stand kam eine Meldung, dass eine neue Mail eingetroffen
 war. Mit zunehmender Besorgnis las er, was da stand:

Hi Christian,
etwas Furchtbares ist passiert. Daniel ist tot!  Mein Gott, ich kann es
 nicht glauben! Vor zwei Tagen hat er uns noch so interessante Informationen
   mitgeteilt. Es hei=DFt, er habe Selbstmord begangen, aber keiner wei=DF
 warum! Ich kann das einfach nicht glauben. Er war so engagiert f=FCr unsere
 Sache. Jemand, der  Selbstmord begehen will, k=FCmmert sich doch nicht noch
 bis zuletzt so intensiv um eine Sache. Ich fasse es noch immer nicht.
Wir sehen/ lesen uns in der Gruppe.  Komm' bitte gleich.
Bis dann
Kirsten

Er z=F6gerte einen Moment. War das wirklich wahr, was er gerade gelesen
 hatte?  Daniel, Selbstmord? Das konnte doch nicht sein. Langsam las er noch
 einmal jedes Wort. Er sah auf den Bildschirm, aber eigentlich durch ihn
 hindurch. Eine Weile sa=DF er so da und hatte das Gef=FChl, einen dicken
 Klo=DF im Hals zu haben. Die Worte, die auf dem Monitor erschienen, drangen
 erst nicht zu seinem Bewusstsein durch, zu geschockt war er.  
Er las :    AAGP, bitte geben Sie Username und Passwort ein.  
Langsam tippte er Christian K  und sein Passwort und sah kurz darauf die
 F=FClle der best=FCrzten Meinungen. Es war, als ob jeder so f=FChlte wie
 er. Keiner wollte so recht wahr haben, was passiert war. Aber es war
 passiert! Alle waren entsetzt und kaum einer glaubte an den Selbstmord,=
 aber was wusste man  schon wirklich von den anderen ...



M=FCnchen
24. Februar 1999,  3:00 p.m.


Roman schmunzelte. Er chattete mit Barbara und als er ihre Antwort las,=
 wurde aus dem Schmunzeln ein breites Grinsen. Es machte ihm Spa=DF mit ihr
 zu diskutieren, erst recht, wenn ein ganz bestimmtes Thema zur Sprache kam.=
 Immer wieder konnte er sie mit kleinen Sticheleien aus der Reserve locken.=
 Angefangen hatte dieser Wortwechsel, als sie =FCber ein Erlebnis in ihrem
 Kollegenkreis berichtete. Dabei ging es um wilde Ger=FCchte, in denen zwei
 ihrer Kollegen ein Verh=E4ltnis angedichtet wurde. Sie fand das lustig und
 eigentlich gar nicht so schlecht, freute sich sogar f=FCr die beiden, aber
 er versuchte ihr klarzumachen, dass Beziehungen zwischen Arbeitskollegen
 fast nie funktionieren und so ergab diese Gegens=E4tzlichkeit in ihren
 Meinungen immer  einen netten Dialog. Nat=FCrlich hielt sich alles stets in
 einem scherzhaften Rahmen, da jeder im Grunde die Meinung des anderen
 akzeptierte, obwohl er sie nicht teilte.
W=E4hrend Roman auf die n=E4chste Antwort wartete dachte er: 'Es w=E4re
 eigentlich wieder mal an der Zeit in die Gruppe zu gehen, um Neuigkeiten zu
 erfahren.' 
Gerade als er das machen wollte, kam die Antwort von Barbara, doch bevor er
 sie noch lesen konnte, wurde er abgelenkt. Er roch etwas Merkw=FCrdiges und
 als er sich umdrehte, sah er Rauch unter der T=FCr hindurch quellen. Erst
 wunderte er sich nur, schlie=DFlich war das Haus mit modernster
 computergesteuerter Sicherheitstechnik ausgestattet und die Rauchmelder
 h=E4tten anspringen m=FCssen.  Verwundert stand er langsam auf und ging zur
 T=FCr. Jegliche Vorsichtsma=DFregeln  vergessend =F6ffnete er sie und wurde
 von einer riesigen Stichflamme getroffen. Seine Kleidung fing Feuer und in
 Panik st=FCrzte er, wie eine Fackel brennend, auf das Fenster zu.=
 Verzweifelt zerrte und r=FCttelte er daran, aber es lie=DF sich nicht
 =F6ffnen, die Sicherheitsanlage des Hauses hatte alles verriegelt ....
Vergeblich versuchte Barbara ihn zu erreichen. So etwas war bisher noch nie
 vorgekommen. Warum nur antwortete er nicht? War die Verbindung gest=F6rt?=
 Jeglicher Versuch ihn anzupingen oder anderweitig zur Antwort zu bewegen
 war wirkungslos, bis pl=F6tzlich die Verbindung endg=FCltig abriss.




Kapitel   II



Berlin
25. Februar 1999,  7:20 p.m.


Auf dem Monitor des Computers waren nur vier Buchstaben zu sehen: AAGP.  Sie
 z=F6gerte sie anzuklicken, eine dunkle Vorahnung hatte sie beschlichen.=
 Schlie=DFlich gab sie sich einen Ruck und es erschien die altbekannte
 Aufforderung, Username und Passwort einzutragen. Langsam schrieb sie Line
 und ihr Passwort, z=F6gerte aber erneut, bevor sie Enter dr=FCckte. Lange
 hatte sie =FCber Daniels Tod nachgedacht und irgendwas kam ihr vertraut
 vor, nur was?
Auch die Nachricht der letzten Nacht, in der Barbara vom pl=F6tzlichen
 Kontaktabriss zu Roman berichtete, beunruhigte sie. Jeder in der Gruppe
 hatte gewisse Verbindungen, durch die bestimmte Informationen zur Gruppe
 gelangten, die hier diskutiert wurden und durch geschickte Weiterleitung,=
 gelegentlich bereits Wirkung erzielt hatten. Sich von ihren Gedanken
 losrei=DFend, bet=E4tigte sie die Taste und wartete auf die Mitteilungen.=
 Der Schock, der sie durchfuhr, als sie ihre schlimmsten Bef=FCrchtungen
 best=E4tigt sah, wirkte noch lange nach. Im ersten Moment war sie nicht
 f=E4hig, einen klaren Gedanken zu fassen. Dabei hatte sie eigentlich eine
 schlechte Nachricht erwartet. Erneut ein Mitglied der Gruppe tot und dieses
 mal angeblich durch einen tragischen Ungl=FCcksfall. Ein Kurzschluss hatte
 den Brand ausgel=F6st. Warum hatte dieser Kurzschluss dann aber nicht die
 gesamte Sicherheitsanlage lahmgelegt? Warum waren die Verriegelungen in
 Takt? Kurz entschlossen teilte sie ihre Fragen und  Zweifel der Gruppe mit
 und nach und nach entstand eine intensive Diskussion. Nicht nur Kirsten
 hatte diese Zweifel, auch einige der anderen Mitglieder waren auf
 Ungereimtheiten gesto=DFen. Wieso beging Daniel Selbstmord, so einfach von
 einem Moment auf den anderen. Kein Abschiedsbrief war gefunden worden,=
 sogar der Computer war noch an. Jan war es, der diesen Zusammenhang zuerst
 aussprach. Beide Computer waren an - und am Netz! Pl=F6tzlich wusste
 Kirsten, was ihr vorher vertraut vorgekommen war. Das Netz, die Gruppe,=
 ihre Arbeit, hier musste es eine Verbindung geben. An Unfall oder
 Selbstmord glaubte jetzt kaum noch jemand.


Wien
25. Februar 1999,  8:30 p.m.


Es war schon dunkel, aber noch immer hatte sie das Licht nicht
 eingeschaltet. Fieberhaft arbeiteten ihre Gedanken. Nach allem, was sie
 gelesen hatte, beschlich sie ein beklemmender Verdacht. 
Die T=FCr ging auf.
"Wie weit bist du, k=F6nnen wir endlich gehen?" Er blickte sie fragend an.
"Warum ist es so dunkel hier?" - keine Antwort.
"He Andrea, alles in Ordnung? Bist du OK?"
Nachdem er das Licht eingeschaltet hatte und einige Schritte auf sie
 zugegangen war, bemerkte er, wie blass sie war. Sie sa=DF nur da und
 blickte wie versteinert auf den Monitor. Vorsichtig  ber=FChrte er sie an
 der Schulter, woraufhin sie, wie vom Schlag getroffen, zusammenzuckte.
"Entschuldige, ich wollte dich nicht erschrecken. Wenn du dich nicht f=FChls
t, kommst du halt ein anderes mal mit."
Sie war nicht f=E4hig auch nur ein einziges Wort zu sagen, ihre Kehle war
 wie zugeschn=FCrt. Langsam sah sie ihn an und stand dann auf. Sie nahm ihre
 Sachen und schweigend verlie=DF sie die Wohnung. Er folgte ihr ziemlich
 verdutzt.
Im Wagen versuchte er sie etwas aufzumuntern.
"He Andrea, komm schon. Wir haben das schon so lange geplant und uns alle
 gefreut. Endlich mal nicht nur zusammen arbeiten, sondern auch mal
 ausgelassen sein. Du selbst hast vorgeschlagen Bowlen zu gehen."
Als sie immer noch nicht reagierte, begann er sich Sorgen zu machen und so
 fuhr er rechts ran.
"Andrea, ich bringe dich zu einem Arzt, wenn du m=F6chtest."
Sie sah ihn verst=E4ndnislos an. Es war, als wenn sie soeben aus einer Art
 Traum erwacht war. Noch immer hatte sie einen Klo=DF im Hals, aber es
 reichte wenigstens schon wieder f=FCr ein paar Worte.
"Nein, ist schon gut. Ich bin gleich wieder OK." 
Als er keine Anstalten machte weiterzufahren, l=E4chelte sie ihn an.
"Wirklich, mir fehlt nichts weiter. Frische Luft ist eben doch die beste
 Medizin."
Zwar war er noch etwas skeptisch, startete aber den Motor und fuhr weiter.
"Von einem Computerfreak wie dir h=F6rt man das nur selten." sagte er und
 lachte.
Die Fahrt dauerte ziemlich lange. Schlie=DFlich mussten sie ans andere Ende
 der Stadt. Au=DFerdem wollte er ihr Gelegenheit geben, wieder etwas zu sich
 zu kommen. Er fuhr an den, gerade am Abend, sch=F6nsten Pl=E4tzen vorbei,=
 aber Andrea bemerkte von all dem nicht viel. Es rauschte einfach an ihr
 vor=FCber. 
Beim Bowlen mit den Kollegen gab sie sich die gr=F6=DFte M=FChe, sich nichts
 anmerken zu lassen. Ihr sportlicher Erfolg war m=E4=DFig, sie wurde nur
 vorletzte, obwohl sie eigentlich sonst ganz gut war. Auch von ihrem sonst
 =FCblichen Ehrgeiz war heute nicht viel zu sp=FCren. 
"Ist halt nicht mein Tag." sagte sie lachend. 
Als sie ihr Kollege nach Hause fuhr, schien sie wieder ganz die alte zu
 sein. Zwar immer noch etwas schweigsamer als sonst, aber wieder zu Scherzen
 aufgelegt. 
Es war schon sp=E4t, als sie ihre Wohnung betrat. Ihr Computer lief noch
 immer und pl=F6tzlich war auch ihre dumpfe Beklemmung wieder da. Ihr Blick
 fiel auf einige bedruckte Bl=E4tter Papier, die neben der Tastatur lagen.=
 Langsam setzte sie sich. Wie apathisch griff sie nach den Bl=E4ttern und
 warf sie auf den Boden. Sie starrte auf den Monitor, auf dem der
 Bildschirmschoner lief.
"Ich muss ..... ich muss ...... " murmelte sie vor sich hin.
Kapitel   III



Berlin
26. Februar 1999, 4:00 a.m.


Wie aus weiter Ferne drang das Klingeln des Telefons an ihr Ohr. Einen
 Moment lang dachte sie daran, es einfach zu ignorieren, entschied sich aber
 dann doch anders. Noch halb im Schlaf nahm sie den H=F6rer ab.
"Hallo" murmelte sie.
"Line, bist du das?" kam es vom anderen Ende.
Jetzt war sie schlagartig hell wach.
"Ja, ich bin's. Wer ist denn da?"
F=FCr einen Augenblick war nichts weiter zu h=F6ren als atmen. Es schien so,=
 als ob jemand krampfhaft versuchte sich zu beruhigen.
"Ich bin's, Andrea" erneut eine Pause. Man merkte, dass Andrea mit sich
 rang.
"Es ist meine Schuld. Ich meine, was da gerade passiert ist meine Schuld."
Kirsten setzte sich auf und schaltete das Licht ein.
"Andrea ..."
"Ich bin vielleicht die n=E4chste."   fiel sie Kirsten ins Wort.
Die war verwirrt. Was sollte das?
"Jetzt beruhige dich doch erstmal und erz=E4hl der Reihe nach."
"Ich wei=DF nicht, ob das am Telefon eine so gute Idee ist." antwortete
 Andrea. 
"Vielleicht sollte ich einfach eine Weile untertauchen."
Kirsten hatte etwas M=FChe, einen klaren Gedanken zu fassen. Sie rieb sich
 die Augen und dachte fieberhaft nach.
"OK Andrea. Wenn es so schlimm ist, warum kommst du nicht einfach zu mir.=
 Hier bist du erstmal sicher, keiner wird etwas erfahren."
Stille am anderen Ende.
"Buch den n=E4chsten Flieger, ich nehme mir frei und hol' dich ab, dann
 reden wir =FCber alles." 
Eine Weile musste sie auf eine Antwort warten. Sie glaubte zu bemerken, wie
 Andrea mit sich k=E4mpfte.
"Gut, ich rufe dich noch mal von Flughafen an und sage dir, wann ich
 eintreffe."
"Alles klar."  antwortete Kirsten und legte den H=F6rer auf. An Schlaf war
 nicht mehr zu denken. Sie erhob sich und ging in die K=FCche. Ein starker
 Kaffee und eine Dusche war das Wichtigste, was sie jetzt brauchte. Wilde
 Spekulationen kreisten durch ihren Kopf: 
'In was waren sie da nur hineingeraten?'



9:15 a.m.


Es wollte einfach nicht richtig hell werden. Graue Schneewolken hingen =FCbe
r der Stadt und es hatte den Anschein, als ob selbst der Himmel den Schleier
 nicht l=FCften wollte, der =FCber allem lag.
Auf dem Weg zum Flughafen fragte sich Kirsten, was wohl vorgefallen sein
 mochte. Nach all dem Geschehenen war es schon m=F6glich, dass auch Andrea
 in Gefahr war, aber waren sie es dann nicht alle? 
Der Flieger landete fast p=FCnktlich und gegen 10:00 Uhr standen sich beide
 gegen=FCber. Andrea sah  =FCbern=E4chtig aus und fror ganz offensichtlich.=
 Ihre Abreise war ja ziemlich =FCberst=FCrzt gewesen und sie hatte nur eine
 relativ d=FCnne Jacke an. Schneeregen hatte eingesetzt und diese tr=FCbe
 Witterung war nicht unbedingt geeignet, die Stimmung zu heben.
Auf dem Weg in Kirstens Wohnung redete Andrea nicht viel, erst als sie
 angekommen waren und sich die T=FCr hinter ihnen schloss begann sie, sich
 nun sicher f=FChlend, zu reden.
"Ich habe wahrscheinlich einen folgenschweren Fehler gemacht."
W=E4hrend Kirsten erst einmal einen hei=DFen Tee kochte setzte sich Andrea
 ins Wohnzimmer, =F6ffnete ihre Tasche und holte ein paar Bl=E4tter heraus.=
 Es waren die selben, die sie einen Abend zuvor neben ihrer Tastatur zu
 liegen hatte. 
Kirsten setzte sich zu ihr und betrachtete sie eingehend, konnte allerdings
 zun=E4chst nichts damit anfangen. Erst als sie den Namen ihrer Gruppe las
 und etliche Namen ihrer Mitglieder begann sie zu ahnen was sie da vor sich
 hatte.
Sie schaltete das Licht ein, es war noch immer irgendwie nicht richtig hell
 geworden. 
"Ich habe mich in eine Organisation eingehackt, die geheime
 Regierungsprojekte unterst=FCtzt und deren Geheimhaltung sichert."   begann
 Andrea unvermittelt zu erz=E4hlen.
"Dort fand ich Informationen =FCber ihren Apparat und unter anderem eine
 Liste von Gruppen und Personen, die diese Organisation f=FCr, f=FCr ihre
 Arbeit, gef=E4hrlich h=E4lt." 
Einen Augenblick lang schien sie nicht recht zu wissen, wie sie fortfahren
 sollte.
"Was wenn ... " sie atmete tief durch  "was, wenn die davon Wind bekommen,=
 mich grob lokalisiert und nun begonnen haben, wahllos alle Mitglieder
 unserer  Gruppe zu liquidieren, in der Hoffnung den Hacker zu erwischen?"
 
Sie blickte Kirsten verzweifelt an. Die wusste nicht, was sie antworten
 sollte. Sie musste erst mal verarbeiten, was sie gerade geh=F6rt hatte. Ihr
 wurde schlagartig klar, dass sie diese Informationen nat=FCrlich wirklich
 nicht =FCber das Netz  weiterleiten konnte.
"Was waren denn da noch f=FCr Informationen?" fragte sie nur, Andrea blickte
 auf. "Verbindungsm=E4nner zu verschiedenen Regierungen, Daten =FCber
 aktuelle, brisante Projekte und genaue Daten =FCber geplante Aktionen. Ich
 habe nur diese Liste kopiert, wei=DF aber, wie man an die restlichen
 Informationen kommt."
Beide sa=DFen einen Augenblick schweigend da. Es schien sogar fast, als ob
 das winterliche Wetter selbst die Ger=E4usche von au=DFen d=E4mmte. Dann
 erhob sich Kirsten und sagte: 
"Ich denke, du brauchst erst mal etwas Schlaf. Unten ist ein Wohnkeller, den
 habe ich geheizt und dir ein Bett gemacht. Komm mit und ruh dich etwas aus.=
 In der Zwischenzeit versuche ich mir etwas einfallen zu lassen."
Sie gingen hinab und Andrea war dankbar, sich endlich etwas sicherer zu
 f=FChlen. Sie hatte inzwischen tiefe Schatten unter den Augen und in der
 Tat nur noch einen Gedanken, ausruhen, endlich etwas zur Ruhe kommen. 
Wieder in ihrer Wohnung fasste Kirsten einen Entschluss, sie rief Jan an. Er
 wohnte nicht weit weg und konnte am schnellsten bei ihr sein. W=E4hrend sie
 auf ihn wartete, f=FChrte sie ein zweites Gespr=E4ch, mit Christian in
 W=FCrzburg, seine speziellen Verbindungen wurden jetzt gebraucht. Nat=FCrli
ch versprach auch er, auf Grund der letzten Ereignisse, sofort zu kommen.
Nach einigen Stunden, es war bereits dunkel, sa=DFen sie dann zu dritt in
 Kirstens Wohnzimmer und diskutierten alle bis dahin ge=E4u=DFerten
 Vermutungen. Schnell wurde ihnen klar, dass es am G=FCnstigsten sein w=FCrd
e, als Hauptanlaufpunkt f=FCr Informationen Jans Wohnung zu w=E4hlen, zumal
 Christian dort untergebracht werden konnte. Auch war die Netzverbindung
 dort besser und man war nicht in der N=E4he der am gef=E4hrdetsten Person,=
 Andrea. Einig waren sich alle, dass die einzig wirksame Hilfe jetzt nur von
 Christians Verbindung zu erwarten war. Noch in dieser Nacht wollte er mit
 ihr Kontakt aufnehmen.



Kapitel   IV



Washington, D.C.
26. Februar 1999,  7:31 p.m.


In den Raum fiel kein Tageslicht, er wurde lediglich von ein paar Lampen
 erhellt. Fast schien es, als ob das Halbdunkel das Chaos verdecken sollte,=
 dass hier herrschte, =FCberall stand oder lag etwas herum. Viele technische
 Ger=E4te, halb auseinandergenommene Computer, Werkzeug und etliche andere
 Dinge. Man h=F6rte jemanden leise fluchen, er sa=DF seit Stunden am
 Computer. Dieses Mal schien er keinen Erfolg zu haben und noch einmal
 =FCberpr=FCfte er sein Programm. Sichtlich frustriert stand er schlie=DFlic
h auf, um schweren Herzens um Hilfe zu bitten. Als er die T=FCr zum
 Nebenraum =F6ffnete, sah er seine beiden Freunde diskutierend =FCber
 Sattelitenbildern sitzen und sprach den j=FCngeren der beiden an.
"Ich wei=DF, du hilfst mir nur, wenn ich die magischen Worte sage."
Die beiden Anderen sahen sich fragend an.
"Dein Kung-Fu ist das Beste ... " sagte er, zwischen den Z=E4hnen
 hervorgepresst. Ein breites Grinsen ging jetzt =FCber das Gesicht des
 Freundes.
"Du kommst wohl nicht rein?"  Langly sah Frohike mit gespielter Unschuld an.
"Nein und ich wei=DF nicht was faul ist." kam es immer noch z=E4hneknirschen
d zur=FCck.
Alle drei gingen in den Nebenraum, als pl=F6tzlich das akustische Signal
 ert=F6nte, dass eine neue Mail eingetroffen war.
"Von wem ist sie denn?" fragte Byers.
"Aus Deutschland ..." alle sahen sich erstaunt an.
"Von einer Gruppe, die sich AAGP nennt."  verwundert und leicht irritiert
 begann Frohike zu lesen.
"Offensichtlich sind sie von jemandem von NICAP an uns verwiesen worden."
"NICAP? Sind das nicht die, die sich mit Regierungsverschw=F6rungen im
 Zusammenhang mit UFOs und Aliens befassen?"  Byers trat n=E4her,  Langly
 sah ihn an.
"Genau das sind sie und nachdem was ich hier lese, befasst sich diese Gruppe
 aus Deutschland mit =C4hnlichem, nur nicht in Bezug auf UFOs."
"In jedem Fall h=F6rt sich das, was sie schildern nicht gut an." erg=E4nzte
 Frohike. "Zwei Todesf=E4lle unter ihren Mitgliedern, beide wurden von der
 dortigen Polizei nicht weiter verfolgt, weil sie als Ungl=FCcksfall  bzw.=
 Selbstmord zu den Akten gelegt wurden."
"Hmm, und was erwarten sie nun von uns?" Byers sah Frohike mit fragendem
 Blick an, der noch immer damit besch=E4ftigt war, die Mail erneut zu lesen.
"Sie schildern die beiden Todesf=E4lle und anhand der Vermutungen die sie
 =E4u=DFern, scheinen sie an einen Zusammenhang zu glauben. Offenbar  waren
 beide gerade am Computer  UND  im Netz, als sie umkamen."
"Wenn das so ist," sagte Langly, "hat man sie wirklich an die richtige
 Adresse verwiesen." und grinste wieder.
"Gibt es sonst noch Hinweise?" wollte Byers wissen.
"Erst mal nicht"  kam es nachdenklich von Frohike,  "allerdings habe ich den
 Eindruck, dass sie uns noch nicht alles gesagt haben."
"Das w=FCrde ich auch nicht tun bevor ich nicht w=FCsste, ob ich auch
 wirklich Hilfe bekomme." Byers trat nun hinter Frohike, um den Monitor
 sehen zu k=F6nnen.
"Ich denke, wir sollten ihnen antworten. Vielleicht steckt ja doch mehr
 hinter allem."
Damit machten sie sich an die Antwort.

Berlin
27. Februar 1999,  2:50 a.m.


Jan und Christian waren eingeschlafen. Der eine im Sessel und der andere mit
 dem Kopf auf der Tischplatte. Als der Gong ert=F6nte, schrak Jan hoch.
"Hey Christian, wach auf, sie haben geantwortet."
Ziemlich verschlafen, aber trotzdem aufmerksam kam er her=FCber und nahm auf
 dem Stuhl neben Jan Platz. Beide lasen mit wachsendem Interesse, was in der
 Mail stand.
"Gro=DFartig" meinte Christian, nachdem sie alles gelesen hatten und
 l=E4chelte.
"Ja"  antwortete Jan  "vielleicht k=F6nnen sie wirklich etwas Licht in das
 Dunkel um den Tod unserer Freunde bringen."
Erstaunt waren allerdings beide =FCber die Bitte am Ende der Mail, auch die
 zur=FCckgehaltenen Informationen preiszugeben. Offensichtlich verf=FCgten
 die Lone Gunmen =FCber mehr Erfahrung, als sie zun=E4chst angenommen
 hatten. Allerdings waren sich beide nicht sicher, ob sie von dem Hack in
 die geheime Organisation per Mail berichten sollten. Trotz der M=FCdigkeit
 fanden sie aber einen Weg, von allem zu berichten, ohne wirklich konkret zu
 werden. Es d=E4mmerte bereits, als sie die Mail abschickten und dann
 ersch=F6pft ins Bett fielen.



Washington, D.C.
26. Februar 1999,  10:45 p.m.


"Mail aus Deutschland" rief Frohike aus dem Nebenraum den beiden Anderen zu.=
 Sofort gingen sie zu ihm.
"Und?  Wissen wir jetzt mehr?" fragte Langly.
"Nach dem, was sie berichten, sind sie wohl per Zufall an Informationen
 gekommen, die sie besser nicht h=E4tten bekommen sollen. Das war, nach
 ihrer Meinung, wahrscheinlich der Ausl=F6ser von allem."
Byers =FCberlegte. 
"Wenn das wahr ist, muss sich jemand aus Versehen irgendwo eingehackt haben
 und das wurde bemerkt. Warum sollten sie sonst soviel Wert auf die
 Feststellung legen, dass beide Tote im Netz waren, als sie starben."
"Richtig" setzte Langly fort "vielleicht war es ja sogar einer der beiden
 und wenn nicht, k=F6nnte sich die Serie der Todesf=E4lle eventuell
 fortsetzen. Wir sollten sie warnen."
"Das wird nicht n=F6tig sein." Frohike lehnte sich zur=FCck. "Da sie nach
 Hilfe suchen, werden sie das sicher selbst wissen. Sehen wir uns doch noch
 mal genau an, wie die beiden Opfer  umgekommen sind."
Nun begannen die Drei, jedes kleine Detail zu analysieren. Nach einer
 l=E4ngeren Diskussion meinte Byers:
"Wisst ihr woran mich das alles erinnert?"   Langly nickte.
"Ich glaube, ich wei=DF was du meinst. Einige =E4hnliche F=E4lle hat Mulder
 mal erw=E4hnt. Du glaubst doch wohl aber nicht, dass da ein X-File dahinter
 steckt, oder?"
"Sieh dir doch mal die Parallelen an."
"Byers, diese Gruppe hier lebt auf der anderen Seite der Erdkugel. Du willst
 doch nicht behaupten, dass Mulders F=E4lle jetzt sogar beginnen, das andere
 Ende der Welt zu beeinflussen und dann noch so!"
"Warum eigentlich nicht?" Frohike legte den Bleistift, mit dem er die ganze
 Zeit herumgespielt hatte, beiseite.
"Mit dem Internet sind die Entfernungen recht klein geworden und vergiss
 nicht, beide Tote waren gerade im Netz!"
Byers erhob sich.
"Ich denke, es ist an der Zeit Mulder anzurufen. Er soll sich das ansehen
 und selbst entscheiden, ob das hier mit seiner Arbeit in Verbindung
 gebracht werden kann, oder nicht."




Kapitel   V



Hamm
27. Februar 1999,  8:15  a.m.


Nur noch eine halbe Stunde bis zur Fr=FChst=FCckspause. Die Arbeit, die er
 heute zu erledigen hatte, war langweilig, halt eine Besch=E4ftigung f=FCr
 den Wochenenddienst. Fl=E4schchen, Gl=E4ser, Tuben zu z=E4hlen munterte
 nicht unbedingt auf, aber der Chefarzt wollte eine Bestandsaufnahme und so
 wurde halt er, der Zivi, verdonnert. Zum Gl=FCck konnte er sich aber bald
 im Park f=FCr eine Weile in die Sonne setzen und die Ruhe genie=DFen.=
 Obwohl es empfindlich kalt war, genoss er es jedes Mal, wenn endlich mal
 die Sonne schien. Erneut sah er zur Uhr.
'OK, zum Z=E4hlen der Blutkonserven reicht die Zeit'  dachte er und machte
 sich auf den Weg in den Keller, in dem sich die K=FChlr=E4ume befanden.=
 Hier unten wirkte alles ungem=FCtlich und kalt, fast wie das Wetter
 drau=DFen. Alles war gekachelt und gefliest, blitzblank und sauber und
 seine Schritte hallten von den W=E4nden wieder. Gezielt ging er auf eine
 der gro=DFen Eisent=FCren zu und nahm seine Codekarte aus der Tasche.=
 Nachdem er sie durch den Schlitz des Entriegelungsmechanismus gezogen
 hatte, tat sich nichts. Er versuchte es erneut, wieder nichts. Es blieb ihm
 wohl nichts anderes =FCbrig, als den Entriegelungscode per Hand
 einzutippen. Einen Moment musste er =FCberlegen, er hatte ihn lange nicht
 benutzt. Als er ihm einfiel und er den Code eingegeben hatte, =F6ffnete
 sich fast lautlos die T=FCr.
'Die Idee war wohl doch nicht die beste' dachte er als er sah, wie viele
 Konserven in den Regalen lagen. Die halbe Stunde w=FCrde wohl nicht
 reichen. Systematisch fing er nun an, alles genauestens zu notieren. Als er
 fast auf der H=E4lfte war, vernahm er ein Ger=E4usch. F=FCr einen Moment
 hielt er inne und sah sich um, nichts, alles blieb ruhig und nirgends war
 etwas Ungew=F6hnliches zu sehen. Ein Schauer lief ihm =FCber den R=FCcken
 als er daran dachte, dass sich nur zwei T=FCren weiter die Leichenhalle
 befand. Im selben Augenblick musste er aber =FCber sich selbst schmunzeln
 und dachte: 'Bl=F6dsinn! Und dabei sehe ich mir nicht mal solche
 Horrorschinken im Fernsehen an.'
Nachdem er den Inhalt weiterer zwei Regale auf seiner Liste notiert hatte,=
 h=F6rte er wieder ein Ger=E4usch, ein leises Klacken. Er wandte sich um und
 sah, zu seinem Entsetzen, dass sich die T=FCr geschlossen hatte. Ein
 ungutes Gef=FChl begann ihn zu beschleichen und so legte er die Liste
 beiseite, trat auf die T=FCr zu und versuchte sie zu =F6ffnen. Sie bewegte
 sich nicht.
'Das kann nicht sein!'  schoss es ihm durch den Kopf.  'Diese T=FCren
 verriegeln sich nicht von allein, erst wenn man einen entsprechenden Code
 eingibt oder erneut die Karte benutzt.'
Im Sicherheitskonzept waren tats=E4chlich solche F=E4lle ber=FCcksichtigt
 und entsprechende Vorsichtsma=DFregeln getroffen worden. Er war v=F6llig
 ratlos. Was, um alles in der Welt, konnte er nur tun? Das
 Sicherheitskonzept sah noch mehr vor um das Personal zu sch=FCtzen, aber er
 hatte sich an einige Vorschriften nicht gehalten. Es war ja noch nie etwas
 passiert und bisher fand er Einiges sogar fast l=E4cherlich.
Verzweifelt r=FCttelte und zerrte er an der T=FCr, vergeblich, sie r=FCckte
 und r=FChrte sich nicht. Auf seine Karte, die er am im Innern des Raumes
 befindlichen Schlitz benutzte, reagierte auch nichts. Nun begann er laut um
 Hilfe zu rufen und mit aller Kraft gegen die T=FCr zu schlagen. Irgend
 jemand musste ihn doch h=F6ren. Da fiel ihm auf einmal ein, dass ja gerade
 Fr=FChst=FCckspause war und daher niemand in der N=E4he sein konnte.
'H=E4tte ich wenigstens, wie vorgeschrieben, die dicke Jacke angezogen, die
 an dem Haken neben der T=FCr hing.' dachte er, als die K=E4lte begann ihn
 anzukriechen.
Nach fast einer Stunde war er v=F6llig blau gefroren und konnte sich kaum
 noch bewegen. M=FCdigkeit begann nach einer Weile seine Sinne zu tr=FCben.=
 Er hockte neben der T=FCr und hoffte, irgend ein Ger=E4usch zu vernehmen,=
 aber im Gegenteil. Die Stille, die in dem Raum herrschte, fing an an seinen
 Nerven zu zerren. Die Regale, die sich vor und neben ihm auft=FCrmten
 begannen vor seinen Augen zu verschwimmen und er hatte das Gef=FChl, als ob
 das Licht begann zu verl=F6schen.
'Ich darf nicht einschlafen'  versuchte er sich einzureden, aber er konnte
 sich bereits nicht mehr bewegen. Selbst zu zittern hatte er bereits
 aufgeh=F6rt.
Seine Gedanken wanderten fort, in den Park, wo er jetzt eigentlich in der
 Sonne sitzen wollte, nach Hause zu den Eltern, in sein Zimmer ... Tr=E4nen
 traten in seine Augen.
'Kommt doch runter! Ich bin hier unten! HILFE!'
Wenn hier unten wenigstens ein Computer w=E4re, dann k=F6nnte man so Hilfe
 holen. War aber nicht, bei der K=E4lte w=FCrde bestimmt nichts lange
 funktionieren. 
Bei Computer fiel ihm die Gruppe ein. Der letzte Gedanke, bevor er endg=FClt
ig einschlief, war:
'Was wenn ... oh Gott, ich bin der Dritte .....'



drei Stunden sp=E4ter


"Schwester Natalie, wissen sie wo Daniel steckt?"
"Nein Herr Doktor. Als ich ihn dass letzte mal sah, es war kurz vor der
 Fr=FChst=FCckspause, da wollte er gerade in den Keller gehen um die
 Blutkonserven zu z=E4hlen. Seither habe ich ihn nicht mehr gesehen."
"War er allein?"
"Ich glaube schon."
Der Doktor runzelte die Stirn. Er wusste, dass es Daniel mit den
 Vorschriften nicht so genau nahm und wollte nach ihm sehen. Um nicht auch
 gegen die Vorschriften zu handeln, bat er einen Pfleger, der gerade vorbei
 kam, ihn zu begleiten. 
In der Kelleretage schien auf den ersten Blick alles normal zu sein. Die
 T=FCren waren verschlossen, die Jacke hing neben der T=FCr zum K=FChlraum 3
 und auch sonst war nichts Ungew=F6hnliches zu bemerken.
"Vielleicht ist er ja inzwischen woanders."   meinte der Pfleger.
"M=F6glich, aber ich m=F6chte lieber doch nachsehen."
Er nahm seine Codekarte, =F6ffnete die erste T=FCr und fand dahinter alles
 in Ordnung. Auch im zweiten Raum gab es nichts Besonderes. Als er
 allerdings die T=FCr zum dritten K=FChlraum =F6ffnete, erstarrte er vor
 Schreck ....




Washington, D.C.
26. Februar 1999,  11:21  p.m.


"Also Jungs. Was gibt es, dass ihr mich um diese Zeit von meinem Video
 wegrei=DFt?" fragte er beim Eintreten.
"Etwas, das du dir ansehen solltest Mulder." sagte Byers und erz=E4hlte ihm
 alles, was sie bis dahin wussten. Auch ohne die Vermutung zu =E4u=DFern,=
 dass es Parallelen zu Mulders Arbeit geben k=F6nnte, erkannte dieser einige
 Dinge sofort wieder. Er h=F6rte sehr aufmerksam zu und mit jedem neuen
 Detail nahm sein Interesse an diesem Fall zu.
"Zugegeben, das alles passierte ziemlich weit weg von hier, aber Einiges
 erinnerte uns schon an deine Arbeit Mulder."   beendete Byers seinen
 Bericht.
Mulder lehnte sich zur=FCck und legte nachdenklich die Hand auf den Mund.=
 Nach einer Weile sah er auf.
"K=F6nnt ihr mir alles, was ihr bisher habt, mitgeben? Ich glaube, ich muss
 dar=FCber intensiver nachdenken."
"Selbstverst=E4ndlich" antwortete Langly und setzte sich sofort an den
 Computer, um alles auszudrucken.
Dann erhob sich Mulder und ging zur T=FCr.
"Lass uns wissen, was du herausfindest." rief ihm Frohike nach.
Mulder nickte, war aber mit seinen Gedanken bereits weit entfernt. Er fuhr
 in sein B=FCro. Bei ihm wunderte sich der Posten am Eingang nicht mehr,=
 dass er so sp=E4t noch das Haus betrat, man war es von ihm gew=F6hnt. In
 seinem Kelleroffice landeten Mantel plus Jackett am Kleiderst=E4nder und,=
 sich die =C4rmel hochkrempelnd, ging er gezielt auf einen bestimmten
 Aktenschrank zu. Nach etwa einer halben Stunde t=FCrmten sich mehrere
 Ordner auf seinem Schreibtisch und Mulder begann, diese systematisch
 durchzusehen. Hin und wieder machte er
sich Notizen und bald war er so in die Arbeit vertieft, dass er um sich
 herum nichts mehr bemerkte.




Kapitel   VI



n=E4chster Morgen


Scully =E4rgerte sich. Dummerweise hatte sie einen Abend zuvor etwas
 vergessen und musste nun heute, an einem Samstag, noch mal in die City
 fahren, um es zu holen.
Als Scully das B=FCro betrat stutzte sie. Das Licht brannte und auf Mulders
 Schreibtisch stapelten sich Akten. Sie trat n=E4her heran und sah ihn
 schlafend auf einem Stapel Notizen liegen. Vorsichtig ging sie um den Tisch
 herum und ber=FChrte ihn an der Schulter.
"Mulder, wach auf."
Er hob den Kopf und blinzelte sie etwas orientierungslos an.
"Warst du wieder die ganze Nacht hier?"  fragte sie, obwohl sie die Antwort
 bereits kannte.
Mulder rieb sich nur die Augen, ohne darauf n=E4her einzugehen.
"Wie sp=E4t ist es?"
Sie sah zur Uhr,   
"Viertel vor Acht. Einen Kaffee?"
Er nickte und reckte die schmerzenden Glieder. Offensichtlich war es doch
 nicht sehr gesund, in dieser Haltung zu schlafen. 
Nachdem Scully mit dem Kaffee zur=FCckgekommen war und sich gesetzt hatte,=
 erz=E4hlte ihr Mulder, was er am Abend zuvor von den Lone Gunmen geh=F6rt
 hatte. Ohne auf seine Notizen zu sehen berichtete er von Parallelen, die er
 in den F=E4llen, die auf seinem Schreibtisch lagen, gefunden hatte. Scully
 sah ein, dass sich Einiges recht ungew=F6hnlich anh=F6rte.
"Und das Alles passierte in Good Old Germany?"
Mulder nickte.
"Warum, um alles in der Welt, glaubst du aber, dass das etwas mit dir zu tun
 hat?" hakte sie nach.
"Nicht mit mir Scully. Mit F=E4llen die ich, bzw. wir, bearbeitet haben und
 fast alle von denen sind ungekl=E4rt. Es gibt eine Verbindung, ich wei=DF
 nur noch nicht, wo die hinf=FChrt." Er lehnte sich zur=FCck und nippte an
 seinem Kaffee.
"Du kannst doch nicht, auf Grund einer so vagen Ahnung, ernsthaft glauben,=
 dass da ein X-File dahinter steckt? Ich denke, wenn du die offiziellen
 Akten einsehen w=FCrdest, w=E4re dir schnell klar, dass es f=FCr Alles eine
 logische Erkl=E4rung gibt." Scully sah ihn zweifelnd an. "Diese wilden
 Vermutungen kommen doch von nicht gerade kompetenter Seite. Zugegeben,=
 einiges scheint, auf den ersten Blick schon merkw=FCrdig, aber das
 rechtfertigt doch nicht einen
neuen Fall zu er=F6ffnen."
"Nein, das will ich auch nicht, aber neugierig bin ich doch. Scully, ich
 will wissen, ob da mehr dahinter steckt, oder nicht. Lass uns das einfach
 herausbekommen und wenn sich alles als Ente, oder =FCberzogene Reaktion
 herausstellt, vergessen wir das Ganze, OK?" Er drehte seinen Kaffeetopf
 zwischen den H=E4nden und sah Scully fast flehend an.
"Ich denke, wir sollten dieser Gruppe unsere Hilfe anbieten."
Wie immer ahnte Scully, welcher Gedanke sich hinter seiner Stirn formte.
"Das wirst du mir doch nicht antun Mulder!  Wei=DFt du wie kalt es in
 Deutschland im Moment ist?"
Ein breites Grinsen ging =FCber sein Gesicht.
"Du wirst wohl dicke Pullover mitnehmen m=FCssen."
Er setzte sich an den Computer, um die Gruppe von ihrer Ankunft zu
 informieren.



Berlin
27. Februar 1999,  2:20 p.m.


Als Christian zur=FCck kam, erwartete ihn Jan bereits.
"Es gibt Neuigkeiten, Hilfe von unerwarteter Seite. Gerade habe ich eine
 Mail bekommen, in der uns zwei FBI-Agenten, die sich in solchen F=E4llen
 auskennen, ihre Hilfe anbieten. Sie kommen her und werden heute Nacht hier
 eintreffen."
"Mit solchen F=E4llen auskennen ... " =FCberlegte Christian. "Kommt mir
 bekannt vor. Haben wir nicht schon =F6fter mal davon gelesen und auch in
 der Gruppe dar=FCber diskutiert?"
"Richtig, das k=F6nnen nur die beiden sein, die in den eigenen Reihen nicht
 sonderlich beliebt sind, weil sie oft ziemlich dicht an die Wahrheit
 herankommen."
"... und h=E4ufig reichlich r=FCde kurz vorm Ziel gestoppt werden." erg=E4nz
te Christian. "Gott sei Dank, da haben wir ja dann die richtigen Leute, die
 sich um den Tod unserer Freunde k=FCmmern."
"Wo ist eigentlich Kirsten?" fragte er.
"Wieder bei sich zu Hause. Sie dachte es w=E4re besser, Andrea nicht v=F6lli
g allein zu lassen. Ich habe ihr schon eine Mail geschickt, um sie von der
 Ankunft der FBI-Agenten zu unterrichten. Sie wird sie abholen und in einem
 Hotel in ihrer N=E4he unterbringen."
"Gut, dann k=F6nnen wir ja auch erst mal nichts weiter tun, als zu warten.=
 Lass uns doch etwas ins Netz gehen und sehen, was es Neues gibt."
Was sie dann aber als Neuigkeit lasen, versetzte ihnen den n=E4chsten Hieb.
"Mein Gott ..."  kam es wie aus einem Munde.
"Der Dritte ... " fl=FCsterte Jan nur und beide sahen sich fassungslos und
 starr vor Entsetzen an.



28. Februar 1999,  12:40  a.m.


Die Maschine hatte Versp=E4tung. Schon eine Stunde sa=DF Kirsten in der
 Halle und langsam begann sich die M=FCdigkeit bemerkbar zu machen. Die
 letzten paar Tage waren an allen nicht spurlos vor=FCber gegangen. Die
 letzte furchtbare Nachricht hatte die Lage au=DFerdem noch versch=E4rft.=
 Alle Hoffnungen ruhten nun auf Mulder und Scully, die jeden Moment
 eintreffen mussten.

Es war weit nach Mitternacht, als die Maschine zur Landung ansetzte. Scully
 beugte sich zu Mulder her=FCber, um ihn zu wecken. Die fast durchwachte
 Nacht hatte bald Wirkung gezeigt und da der Flug lang war, lie=DF Scully
 Mulder in Ruhe als er in sich zusammengesackt war. Durch die
 Zeitverschiebung w=FCrde es sowieso etwas dauern, bis ihr normaler Rhythmus
 wieder hergestellt war. 
Etwas benommen sah er sie an.
"Du musst dich anschnallen Mulder, wir landen gleich."
Er nickte nur, setzte sich auf und legte den Gurt an. Es gelang nicht auf
 Anhieb, woran man bemerkte, dass Mulder noch nicht ganz zu sich gekommen
 war. Er musste wohl ziemlich tief geschlafen haben. Als sie nach der
 Landung das Flugzeug verlie=DFen, sorgte die K=E4lte daf=FCr, dass die
 M=FCdigkeit endg=FCltig weggeblasen wurde.  In der Halle blickten sie sich
 suchend um und sahen eine Frau auf sich zukommen.
"Guten Abend" sagte sie, "sind sie Agent Scully und Agent Mulder?"
"Ja, Guten Abend"  antwortete Scully.
"Ich bin hier, um sie abzuholen und in ihr Hotel zu bringen. Mein Name ist
 Kirsten."
Nachdem sie sich begr=FC=DFt hatten, gingen sie zum Auto. Trotzdem es dunkel
 war, konnte man die Unbilden dieser Witterung sehen und sp=FCren. =DCberall
 lag schmutziger und teilweise matschiger Schnee und die feuchte K=E4lte
 kroch unter die Jacken. Mulder schlug den Kragen hoch und sah, dass auch
 Scully fror.
W=E4hrend der Fahrt, es war zum Gl=FCck sch=F6n warm im Auto, beobachtete
 Mulder Kirsten. Das Fahren eines Wagens ohne Automatik faszinierte ihn und
 er nahm sich vor, das gelegentlich auch mal zu probieren. Dann sah er sie
 an und bemerkte die Ersch=F6pfung in ihren Z=FCgen.
"Sie geh=F6ren auch zu der Gruppe, nicht?" fragte er, um ein Gespr=E4ch zu
 beginnen. Nach der Begr=FC=DFung hatte Kirsten nicht viel gesprochen.
"Ja, ich geh=F6re dazu. Allerdings wollte ich Sie nicht gleich mit dem
 Problem =FCberfallen. Ich dachte nach dem langen Flug wollen Sie erstmal
 etwas zur Ruhe kommen." Sie sah kurz zu Mulder r=FCber und konzentrierte
 sich dann wieder auf die Fahrt.
"Der Flug war nicht sonderlich unruhig und f=FCr uns ist ja au=DFerdem
 eigentlich noch nicht Nacht."   Scully, die auf dem R=FCcksitz sa=DF,=
 l=E4chelte.  Mulder nickte und sah an Kirstens Gesichtsausdruck, dass sie
 offensichtlich etwas auf dem Herzen hatte, sich aber wohl nicht sicher war,=
 wie sie es sagen sollte. Er sah sie auf ihrer Unterlippe kauen und
 beschloss, ihr entgegenzukommen.
"Wie nehmen denn die restlichen Mitglieder der Gruppe die Geschehnisse auf?"
"Bisher gemischt"  Kirsten nahm die Augen nicht von der Stra=DFe.  "Es ist
 so furchtbar und war nicht einfach, sich damit auseinander zu setzen.=
 Einige glaubten nicht so recht, dass alles gezielt gegen uns gerichtet ist.=
 Nach dem letzten Ereignis allerdings, sind alle davon =FCberzeugt."  Sie
 machte eine kurze Pause, schluckte und fuhr dann fort: 
"Heute, bzw. Gestern, ist wieder einer von uns ums Leben gekommen."
"Waaas?" riefen Scully und Mulder. Kirsten erz=E4hlte, was bisher bekannt
 war und Mulder begann fieberhaft nachzudenken.
"Das passt nicht ins Bild." murmelte er nach einer Weile,  "irgendwie passt
 das nicht ins Schema."
"Was, wenn dieser Todesfall wirklich Zufall war und mit den anderen gar
 nichts zu tun hat?" meinte Scully und beugte sich leicht vor.
"Das glaube ich nicht. Ich bin =FCberzeugt, dass es auch da eine Verbindung
 gibt, wir m=FCssen sie nur finden." Er drehte sich zu Scully um.
"Ich denke, wir sollten uns den letzten Tatort genauer ansehen."
"Mulder, wir haben hier keine Amtsbefugnis, vergiss das nicht."
"Wir werden uns schon was einfallen lassen Scully." Er wandte sich wieder an
 Kirsten.
"Wo ist denn das passiert?"
"In Hamm, nicht unbedingt um die Ecke."
Scully st=F6hnte,  "Aber nicht sofort,  OK Mulder?"
"Nicht?"  fragte er schelmisch, wurde aber sofort wieder ernst. "Wir sollten
 uns heute Vormittag ein Auto mieten und dorthin fahren."
"Ich habe eine Karte."  Kirsten gab ihnen ihren Autoatlas.
Sie hatten inzwischen das Hotel erreicht und trennten sich nun voneinander.=
 Ein paar Stunden Ruhe brauchten sie jetzt alle und schlie=DFlich war es ja
 schon fr=FCher Morgen.




Kapitel   VII



Berlin
28. Februar 1999,  9:50  a.m.


"Guten Morgen"  Mulder sah  zu Scully auf. Er wirkte frisch und ausgeruht,=
 ganz im Gegensatz zu ihr.
"Hast du gut geschlafen?" fragte er kauend, nachdem sie sich zu ihm gesetzt
 hatte.
"Eigentlich schon, nur etwas zu kurz." kam m=FCde die Antwort. Sie beneidete
 ihn einen Augenblick lang, ein paar Stunden Schlaf und er war wieder fit.=
 Dann fiel ihr ein, dass er ja im Flugzeug bereits geschlafen hatte und sie
 w=FCnschte sich nur noch, dass sich ihr K=F6rper m=F6glichst schnell dem
 neuen Zeitrhythmus anpassen w=FCrde. Gro=DFen Appetit hatte sie, im
 Gegensatz zu Mulder, nicht und so lie=DF sie es auch bei M=FCsli und etwas
 Obst bewenden.
"Das Auto f=FCr uns kommt etwa in einer halben Stunde und ich denke, wir
 sollten dann auch gleich losfahren Scully. An der Rezeption sagte man mir,=
 dass wir einige Stunden brauchen werden."
Sie nickte nur und schenkte sich Kaffee nach, vielleicht w=FCrde ja der
 etwas helfen.
Es war bereits fr=FCher Abend, als sie in Hamm eintrafen. Die Fahrt war
 ziemlich eint=F6nig gewesen, allerdings lange nicht so eint=F6nig wie eine
 mehrst=FCndige Fahrt zu Hause, in den Staaten. Die st=E4ndigen Baustellen
 alle paar Kilometer erforderten schon Mulders Aufmerksamkeit. Scully war
 nach knapp einer Stunde eingeschlafen, seit der letzten Rast f=FChlte sie
 sich aber wieder fit und so gingen sie alle Fakten noch einmal St=FCck f=FC
r St=FCck durch. 
Das Hospital, in dem das letzte Opfer gearbeitet hatte, war nicht schwer zu
 finden und zum Gl=FCck war auch das Personal, das zur Tatzeit Dienst gehabt
 hatte, noch da. Mulder stellte sie beide als FBI Agenten vor, die im Rahmen
 eines Studienprojektes in Deutschland weilten und bat in diesem
 Zusammenhang darum, sich den Fall n=E4her ansehen zu d=FCrfen. Niemand fand
 daran etwas Merkw=FCrdiges und so gab man ihnen bereitwillig Auskunft und
 zeigte ihnen alles, was sie sehen wollten. W=E4hrend Scully die Schwestern
 befragte, lie=DF sich Mulder von dem Doktor und dem Pfleger, die den Toten
 gefunden hatten, zu dem bewussten K=FChlraum f=FChren.
"Wissen sie" begann der Doktor auf dem Weg dorthin zu erz=E4hlen,  "Daniel
 hat es =F6fter mal mit den Vorschriften nicht so ganz genau genommen und
 bisher war das auch nie so gravierend, dass nicht eine Ermahnung gereicht
 h=E4tte. Dieses Mal ist er aber offensichtlich etwas zu weit gegangen und
 hat, bedauerlicherweise, b=F6se daf=FCr bezahlen m=FCssen." 
Er schluckte und Mulder sah ihm an, dass er M=FChe hatte, nicht die
 Beherrschung zu verlieren. Der Tod des jungen Mannes war ihm sehr nahe
 gegangen.
"Dann glauben sie also, dass er seinen Tod selbst verschuldet hat?"   fragte
 Mulder vorsichtig.
"Nun ja, es spricht ja wohl vieles daf=FCr."  Der Doktor sah ihn fragend an
 und f=FCgte hinzu,  "Zuerst einmal h=E4tte er nicht allein hier runter
 gehen d=FCrfen. Dann ist es Pflicht, sich vor Betreten eines K=FChlraumes
 die Wattejacke anzuziehen, auch das hat er nicht getan. Als dann die T=FCr
 hinter ihm zuschlug, war es also kein Wunder, dass niemand bemerkt hat,=
 dass dort jemand drin war."
Sie hatten inzwischen K=FChlraum 3 erreicht. Eine Klinke gab es nicht, nur
 einen B=FCgel mit dessen Hilfe man die T=FCr aufziehen konnte.
"Wie =F6ffnet man denn den Raum?" wollte Mulder wissen.
"Mit einer Codekarte Mr. Mulder."  Der Doktor zog seine hervor und benutzte
 sie. Nach einem leisen Klacken =F6ffnete sich die T=FCr.
"Jeder, der hier Zugang hat, besitzt so ein Ding."
"Hmm"  brummte Mulder, nachdenklich mit dem Zeigefinger =FCber seine Lippen
 fahrend.
"Wenn man den Raum betritt, bleibt die T=FCr dann etwa offen?"
"Nein, nat=FCrlich nicht." antwortete der Doktor,  "Man zieht sie hinter
 sich zu, aber sie verriegelt ja nicht. Das tut sie erst, nachdem man erneut
 die Karte benutzt."
"K=F6nnte das nicht auch jemand von au=DFen gemacht haben?"  Mulder wurde
 skeptisch.
"Ja sicher, das w=E4re aber nicht tragisch, weil Innen auch ein Codeschlitz
 existiert, mit dem man die T=FCr jederzeit wieder =F6ffnen kann."
"Kann man den blockieren?"
"Nur von der Sicherheitszentrale aus, nicht von hier."
"Kann man eigentlich von dort aus feststellen, wer zum fraglichen Zeitpunkt
 seine Karte hier benutzt hat?"  Mulder kam eine Idee.
"Ja, ich denke schon. Jede Karte enth=E4lt ja auch den Personalcode des
 Besitzers. Genau k=F6nnen ihnen das aber nur die Experten beantworten." Der
 Doktor wirkte etwas verwirrt und nachdem Mulder noch einige Fragen an den
 Pfleger gerichtet hatte bat er darum, zur Sicherheitszentrale gebracht zu
 werden. Er lie=DF Scully unterrichten, auch dorthin zu kommen.
"Ja, von hier wird das gesamte Sicherheitssystem elektronisch =FCberwacht."
 h=F6rte Scully den Diensthabenden sagen, als sie den Raum betrat. Sie sah
 Mulder fragend an, doch bevor sie noch etwas sagen konnte meinte Mulder:
"Einen Moment Scully, ich erkl=E4re gleich alles." und wandte sich wieder
 dem Diensthabenden zu. Auf einer Schalttafel vor ihm sah man diverse
 Ziffern und Buchstaben und jeweils darunter gelbe und gr=FCne Lampen
 gelegentlich aufleuchten. Dar=FCber befanden sich zwei Monitore, auf denen
 man die Eingangshalle und die Tiefgarage sehen konnte.
"Sind das die einzigen Bereiche, die video=FCberwacht sind?" wollte Mulder
 wissen.
"Ja Agent Mulder, weil nur dort auch =F6ffentlich Zug=E4nge sind, mal
 abgesehen von den Treppenh=E4usern. Die restlichen Bereiche, die eh nur vom
 Personal betreten werden k=F6nnen, werden mit dieser Konsole hier =FCberwac
ht und das eigentlich auch nur zu deren Sicherheit."   Mulder dachte sich
 seinen Teil und Scully wusste jetzt, worauf er hinaus wollte.
"Sehen sie,"  sagte der Diensthabende,  "betritt jemand mit seiner Karte
 einen Raum, leuchtet die jeweilige Anzeige gr=FCn auf, wird der Raum wieder
 verschlossen, leuchtet sie gelb."
"Wo sind die Anzeigen f=FCr die K=FChlr=E4ume im Keller?" Mulder studierte
 mit wachsendem Interesse die Konsole.
"Hier rechts. K1 bis K3."
"Demnach befindet sich im Moment also niemand dort unten?"
"Nein Sir, niemand."
"Sagen sie, k=F6nnen sie feststellen wer gerade einen Raum =F6ffnet oder
 verschlie=DFt?"
"Ja, neben den Anzeigen hier werden alle Daten auch vom Computer gespeichert
 und da jede Karte eine eigene Kennung hat, kann man sehr wohl feststellen,=
 wer seine wo benutzt hat."
"Dann ist es doch sicher auch m=F6glich festzustellen, wer zum Zeitpunkt des
 Todes des Zivis den K=FChlraum 3 ge=F6ffnet und wieder verschlossen hat."
 hakte Mulder nach.
"Ich denke schon, einen Augenblick."  Damit drehte er sich zu dem Computer
 um und begann die entsprechenden Daten abzurufen.




Kapitel   VIII



2:30  p.m.


Mulder studierte eingehend die Konsole. Die gespannte Stille wurde von
 nichts weiter gest=F6rt, als dem Ger=E4usch der Computertastatur, an der
 der Diensthabende arbeitete,  und dem Surren der Elektronik. Scully hatte
 das Gespr=E4ch bisher aufmerksam verfolgt.
"Was passiert eigentlich, wenn  auf Grund eines elektronischen Defektes eine
 T=FCrverriegelung aktiviert wird?" mischte sie sich nun  ein  und trat
 neben den Diensthabenden.
"Dann gibt es ein akustisches Alarmsignal und eine sofortige Fehlermeldung
 hier vom Computer." antwortete dieser, ohne aufzublicken.
"Was, wenn das nicht bemerkt wird?"
"Das wird bemerkt. Eine elektronische -ffnung oder Schlie=DFung ohne
 Kartenkennung wird automatisch als Fehler registriert. Au=DFerdem vermerken
 wir solche St=F6rungen extra in einem Buch, damit die n=E4chste Schicht
 wei=DF, worauf eventuell besonders zu achten ist." Nun hielt er doch in
 seiner Arbeit inne und griff nach einem Buch auf der Konsole.
"Sehen sie? Nichts. Die letzte St=F6rung hatten wir vor fast drei Wochen."
 er legte das Buch zur=FCck und widmete sich wieder dem Computer. Nach einer
 Weile drehte er sich, sichtlich verlegen, zu Mulder um.
"Ich f=FCrchte, ich kann ihnen doch nicht helfen Agent."
"Und warum nicht?"  fragte Mulder in einem Tonfall an dem Scully sofort
 erkannte, dass er genau damit gerechnet hatte.
"Von gestern Vormittag gibt es keine Aufzeichnungen."
"Sie sind gel=F6scht oder besch=E4digt, oder so was?" Dabei zog Mulder die
 Brauen hoch, eine Best=E4tigung erwartend.
"Nein, es gibt einfach keine. Eigentlich h=E4tte ich gar nicht erst
 nachzusehen brauchen, aber ich hatte ein paar Tage frei und da ist mir das
 glatt entfallen."
"Ja, was war denn nun?" Mulder wurde ungeduldig.
"Gestern Vormittag war das gesamte Sicherheitssystem abgeschaltet. Es fand
 die viertelj=E4hrliche Wartung statt. Das wird immer auf ein Wochenende
 gelegt, da sind die wenigsten Leute im Haus."
Jetzt war Mulder baff. Damit hatte er dann doch nicht gerechnet. Er sah zu
 den Monitoren und man sah, dass er fieberhaft nachdachte. Langsam drehte er
 sich zu Scully um.
"Das ist es Scully."
Sie sah ihn fragend an.
"Was Mulder?"
"Das ist genau das, wonach wir gesucht haben. Das, was nicht ins Schema
 passt."  
Er lie=DF die verwirrte Scully stehen und fragte ohne eine weitere Erkl=E4ru
ng den Diensthabenden:
"Was macht das Personal in so einem Fall?"
"Sie m=FCssen einen -ffnungs-  bzw. Schlie=DFcode per Hand eingeben. Das
 bringt uns manchmal zus=E4tzlichen Stress, da einige diese Codes immer
 wieder vergessen."
"Und sie sagen sie denen dann einfach?"
"Ja klar, was sollen wir denn sonst machen, au=DFerdem wissen wir ja dann,=
 wer jeweils Dienst hat"
Es klopfte und der Doktor trat ein.
"Mr. Mulder, brauchen sie mich noch? Ich habe l=E4ngst Feierabend und w=FCrd
e gern nach Hause gehen."
"Eine Frage noch Doktor. Wissen sie, ob die Polizei Fingerabdr=FCcke vom
 Tatort genommen hat?"
"Wenn ich mich recht erinnere, haben sie nichts Brauchbares gefunden. Die
 meisten, die dort arbeiten, tragen Handschuhe und gerade dort wird aus
 Gr=FCnden der Sterilit=E4t oft geputzt."
"Haben sie irgendeine Person im Personalbereich gesehen, die sie nicht
 kannten?"
"Das hat mich, und alle anderen, bereits Agent Scully gefragt. Nein, ich
 habe niemanden gesehen."
"Danke Doktor. Ich denke, ich brauche sie nicht mehr. Ihre Telefonnummer
 habe ich ja und bitte, wenn ihnen noch etwas einf=E4llt, rufen sie mich
 an."
"Nat=FCrlich,  Auf Wiedersehen. Agent Scully." Er verbeugte sich
 andeutungsweise in ihre Richtung und verlie=DF dann den Raum.
"Sagen sie,"  wandte sich Mulder wieder an den Diensthabenden,  "kann man
 sich an solche Hilferufe erinnern? Ich meine, von Angestellten, die solche
 Codes vergessen?"
"Manchmal schon,  wieso?"
"W=FCrden sie bitte den Diensthabenden von gestern anrufen und ihn danach
 fragen?"
Nach dem Telefonat war Mulder und Scully ziemlich klar, was wirklich
 passiert war und so verlie=DFen sie den Ort des Geschehens. F=FCr die
 n=E4chste Nacht suchten sie sich eine kleine Pension und besprachen beim
 Abendessen noch einmal alle Details.
"Tja, so kann man sich irren Scully."
"Ja, so kann man sich irren." wiederholte sie, aber ohne jede Schadenfreude.=
 Schlie=DFlich hatten sie sich alle geirrt. 
"Das wird f=FCr ganz sch=F6n Verwirrung sorgen."  f=FCgte sie hinzu.
"Und ich war mir schon ziemlich sicher."  Mulder st=FCtzte seinen Kopf auf
 die H=E4nde.
"Vor allem hattest du sogar mich fast =FCberzeugt Mulder. Bisher hat ja auch
 alles auf eine Manipulation per Computer hingedeutet, auch hier."
"Und nun stellen wir fest, dass das hier eine Person aus Fleisch und Blut
 getan hat und wir haben jetzt keine Chance mehr festzustellen, wer es war."
"Mulder, du hattest vorher schon das Gef=FChl, dass hier etwas nicht ins
 Schema passt. Vielleicht hat das hier aber doch mit den anderen F=E4llen zu
 tun."
"Nat=FCrlich hat es das. "  er sah sie an,  "Allerdings fangen wir jetzt
 irgendwie von vorn an. Dieser Zivi, Daniel, geh=F6rte zur Gruppe und irgend
 jemand wollte ihn aus dem Weg schaffen."
Scully f=FChrte seine Gedanken fort:
"Er ging in den Keller, um die Konserven im K=FChlraum  3  zu z=E4hlen. Den
 Eingangscode musste er per Hand eingeben."
"Richtig, und dieser Jemand folgte ihm. Nachdem Daniel dann drin war schloss
 er die T=FCr und verriegelte sie, auch per Hand."
"Nicht ohne sich vorher den Schlie=DFcode zu besorgen." best=E4tigte Scully
 und Mulder erg=E4nzte,  "und wie zum Hohn benutzte er dazu auch noch
 Daniels Namen." 
Er wirkte etwas niedergeschlagen.
F=FCr den Rest der Mahlzeit hingen beide ihren Gedanken nach und als sie in
 die Pension kamen und ihre Zimmer aufschlossen sah Scully zur Seite zu
 Mulder.
"Gute Nacht Mulder. Wir finden einen Hinweis der uns weiterhilft, ganz
 bestimmt." 
Sie hatte irgendwie das Gef=FChl, ihn etwas aufrichten zu m=FCssen. Er
 erwiderte aber l=E4chelnd ihren Blick und wirkte recht zuversichtlich.
"Ja Scully. Bevor ich ins Bett gehe, werde ich aber erst mal in Berlin
 anrufen.  Gute Nacht."
Er blieb noch eine ganze Weile auf, die neue Situation lie=DF ihm keine
 Ruhe.




Kapitel   IX



Dortmund
1. M=E4rz 1999,  4:50 a.m.


Das Ger=E4usch des Weckers nervte, so zeitig aufstehen zu m=FCssen war
 selbst f=FCr ihn ungew=F6hnlich. Er musste sich zwingen gleich aus dem Bett
 zu steigen um nicht Gefahr zu laufen, wieder einzuschlafen. Die Nacht war
 ziemlich kurz gewesen, denn bis weit nach Mitternacht hatte er, zusammen
 mit dem Rest der Gruppe, die neuen Informationen diskutiert. Was Jan aus
 Berlin da mitgeteilt hatte, war erstaunlich genug. Die Neuigkeiten, die die
 beiden Agenten herausgefunden hatten, warfen im Grunde alle bisherigen
 Vermutungen =FCber den Haufen. Wer hatte es auf ihre Gruppe abgesehen? Die
 Tatsache, dass die ersten beiden Opfer im Netz waren als sie starben konnte
 jetzt nur noch einem Zufall zugeschrieben werden und alle hofften nun, dass
 Mulder und Scully eine Spur finden w=FCrden, die zum M=F6rder f=FChrte. In
 der letzten Nacht hatte keines der anwesenden Mitglieder einen Hinweis
 geben k=F6nnen, der mit dem Tod von Daniel in Verbindung gebracht werden
 konnte. An irgendeinem ungew=F6hnlichen, oder gar brisanten Projekt hatte
 er nicht gearbeitet, zumindest war niemandem eines bekannt.
Als Christian aus der Dusche kam, f=FChlte er sich nicht viel munterer und
 auch der starke Kaffee half nicht viel, dabei musste er Heute eigentlich
 besonders fit sein. Zusammen mit seinem Kollegen hatte er ein neues Projekt
 zu pr=E4sentieren, welches von ziemlicher Bedeutung f=FCr ihre weitere
 Arbeit war. Er sah zur Uhr, kurz nach halb Sechs, in einer knappen halben
 Stunde wollte sein Kollege ihn abholen. Sie hatten sich vorgenommen, alles
 noch einmal gr=FCndlich durchzusprechen bevor sie zu der Pr=E4sentation
 fuhren. Es war mit viel Publikum zu rechnen, schlie=DFlich war dieses
 Meeting in der Fachpresse gro=DF angek=FCndigt worden. Er war nerv=F6s und
 als es klingelte, bekam er sogar einen Schreck. Drau=DFen schlug ihm eisige
 K=E4lte entgegen, es war noch stockfinster. So schlug er seinen Kragen hoch
 und obwohl das Auto bereits relativ warm war, =F6ffnete er seinen Mantel
 nicht. Sein Kollege registrierte, dass er noch recht wortkarg war und lie
=DF ihn in Ruhe, vielleicht wollte er sich ja noch etwas konzentrieren vor
 ihrem gro=DFen Auftritt. Die Stra=DFen waren ziemlich leer und so kamen sie
 recht schnell ins B=FCro. Nachdem sie alles noch einmal genau besprochen
 hatten, machten sie sich auf den Weg zum Hauptgeb=E4ude. Das Meeting sollte
 um 10:00 Uhr beginnen und sie mussten noch einige Vorbereitungen treffen.=
 Noch immer war es empfindlich kalt und als Christian an dem gro=DFen Haus
 emporblickte konnte er sich des Eindrucks nicht erwehren, wie h=E4sslich er
 es doch eigentlich fand. Gro=DF, grau, fade, weiter nichts und zu dieser
 Jahres- und Tageszeit wirkte es noch trister als sonst. Er erschrak etwas
 vor seinen eigenen Gedanken, hoffentlich war das kein b=F6ses Omen. Als sie
 das Geb=E4ude betraten, wischte er die Gedanken fort und bem=FChte sich,=
 sich nur noch auf das bevorstehende Treffen zu konzentrieren. Sie fuhren in
 die 18. Etage und begannen in dem gro=DFen Konferenzraum ihre
 Vorbereitungen zu treffen. Es war noch =FCber eine Stunde Zeit, aber
 einiges war ja noch zu tun, die Projektoren mussten eingerichtet, die
 Mikros =FCberpr=FCft werden und ihre Poster fehlten noch. Kurz nach Neun
 betrat ein Techniker den Raum.
"Herr Heuer, die Rezeption rief gerade an, sie m=F6chten bitte mal runter
 kommen."
"Wie bitte? Muss das jetzt sein?"   Christian blickte den Techniker
 entgeistert an.
"Es tut mir leid. Da ist wohl jemand, der zu ihnen m=F6chte."
"Das kann doch nur der Lieferservice mit den Postern sein. K=F6nnen die die
 nicht einfach rauf schicken?"
"Er besteht darauf, dass sie runterkommen."  Damit drehte sich der Techniker
 um und verlie=DF den Raum.
"Herrje, alles muss man selbst machen. Da sind die heutzutage sogar schon zu
 d=E4mlich, die Dinger einfach in den Fahrstuhl zu stellen und auf den Knopf
 zu dr=FCcken."  Er legte seine Unterlagen beiseite und auf diese Weise
 weiterfluchend ging er in Richtung Lift. Sein Kollege grinste hinter ihm
 her, so nerv=F6s hatte er Christian noch nicht erlebt.
Es dauerte etwas bis der Fahrstuhl kam, er trommelte mit den Fingern gegen
 die Wand. Die T=FCren =F6ffneten sich, er betrat die Kabine und dr=FCckte
 den Knopf zum Erdgeschoss. Wieder musste er eine Ewigkeit warten, zumindest
 empfand er es so. An der Rezeption erkundigte er sich, wer denn nun zu ihm
 m=F6chte, er sah niemanden. Auch der Portier sah sich ratlos um.
"Gerade war er noch hier, ein ziemlich junger Mann."
"Hatte er etwas f=FCr mich dabei?"  erkundigte sich Christian.
"Nein, ich habe jedenfalls nichts bemerkt." antwortete der Portier und
 zuckte mit den Schultern, wie zur Entschuldigung.
"Na Klasse! Bitte, wenn die Poster kommen, schicken sie sie einfach hoch
 ja?"
 Als er sein Gegen=FCber nicken sah drehte er sich um und ging zur=FCck zum
 Lift. Er war noch immer da und Christian war froh, nicht wieder warten zu
 m=FCssen. Langsam setzte sich die Kabine in Bewegung, zu langsam nach
 seinem Geschmack. Pl=F6tzlich gab es einen Ruck, der Fahrstuhl blieb abrupt
 stehen und das Licht verlosch.
'Auch das noch!'  dachte Christian,  'Das hat mir jetzt gerade noch
 gefehlt.'
 Er versuchte sich zu orientieren, was nicht leicht war in der Dunkelheit.=
 Irgendwo zwischen dem 15. und 16. Stock musste er stecken und er hoffte
 nur, dass der Stromausfall m=F6glichst kurz sein w=FCrde. Als er ein leises
 Knistern =FCber sich vernahm, beschlich ihn ein flaues Gef=FChl in der
 Magengegend. Seine Gedanken beim Betreten des Hauses kamen ihm in den Sinn,=
 aber energisch sch=FCttelte er den Kopf und dachte nur: 'Quatsch!' Auf
 einmal h=F6rte er weit =FCber sich ein lautes Krachen. Er sp=FCrte, wie
 sich seine F=FC=DFe mit einem Ruck vom Boden abhoben und er gegen die Decke
 geschleudert wurde. Dann wurde alles um ihn herum finster.



Hamm
1. M=E4rz 1999,  10:13  a.m.


Mulder und Scully hatten beschlossen, noch einen Tag vor Ort zu bleiben. Sie
 wollten noch einmal mit dem Krankenhauspersonal reden, dass nicht
 Wochenenddienst gehabt hatte. Vielleicht war ja irgend jemandem im Vorfeld
 etwas aufgefallen, was jetzt von Bedeutung sein k=F6nnte. Sie befragten so
 gut wie jeden, sogar Patienten, aber leider kam nichts Nennenswertes dabei
 heraus. Lediglich ein Hinweis lie=DF Mulder aufhorchen, aber gro=DF
 weiterhelfen konnte er ihm auch nicht. Eine Schwester hatte von einem
 jungen Patienten berichtet, der sich nach Daniels Dienstplan erkundigt
 hatte. Er sollte bald entlassen werden und wollte es nicht vers=E4umen,=
 sich bei seinem Pfleger zu bedanken. In einem Krankenhaus sicher nichts
 Ungew=F6hnliches hatte Scully gemeint und Mulder musste zugeben, dass sie
 Recht hatte. Er lie=DF sich trotzdem die Beschreibung des Patienten geben,=
 aber finden konnte er ihn nicht. Offenbar war er inzwischen doch schon
 entlassen worden und ohne Namen war es unm=F6glich, ihn ausfindig zu
 machen.
Nach einigen Stunden verlie=DFen die Beiden das Hospital und machten sich
 auf den R=FCckweg zu ihrer Pension. Auf halbem Wege klingelte Mulders
 Handy, es war Jan und er schien ziemlich aufgeregt. Zuerst verstand Mulder
 nicht was Jan von ihm wollte, aber ihm war schlagartig klar, dass etwas
 passiert sein musste. Augenscheinlich hatte es mit der letzten
 Nachrichtensendung zu tun, denn Jan forderte sie auf, den Fernseher
 einzuschalten sobald sie k=F6nnten. Nach dem Grad von Jans Erregung zu
 urteilen, musste erneut jemandem etwas passiert sein. Bis zur Pension war
 es nicht mehr weit und Mulder versprach zur=FCckzurufen, sobald sie im
 Bilde waren. In Scullys Zimmer begannen sie sofort durch die Sender zu
 zappen und fanden auch bald einen, auf dem die Nachrichten liefen. Nach
 dem, was Scully verstand, handelte es sich um einen Bericht =FCber einen
 Ungl=FCcksfall in einem B=FCrogeb=E4ude, bei dem eine Person ums Leben
 gekommen war. Die Bilder vom Ungl=FCck sprachen f=FCr sich und Mulder
 begann zu gr=FCbeln. Wieder etwas, was eigentlich von Elektronik =FCberwach
t wurde, da musste die Verbindung zwischen den F=E4llen bestehen. Nur eines
 passte nicht ins Bild, in Daniels Fall war die Anlage absichtlich
 abgeschaltet gewesen und nicht etwa ausgefallen oder etwas =C4hnliches. Es
 gab im Moment wohl nur eins, sie mussten hinfahren und sich auch dort n=E4h
er umsehen.
Mulder sah zu Scully und musste unwillk=FCrlich l=E4cheln, sie hatte bereits
 begonnen zu packen und reichte ihm wortlos den Autoatlas. Er erhob sich, um
 auch seinerseits seine Sachen zu holen und erst als sie zum Auto gingen und
 Mulder m=E4chtig fror bemerkte er, dass er die ganze Zeit seinen Mantel
 anbehalten und dadurch geschwitzt hatte. Hoffentlich hatte das keine
 Folgen, denn eine Erk=E4ltung war das Letzte, was er jetzt gebrauchen
 konnte.









Kapitel   X



Dortmund
1. M=E4rz 1999,  6:10 p.m.


W=E4hrend der Fahrt hatte es begonnen zu schneien, aber der Schnee war so
 feucht, dass er sich sofort in grauen, h=E4sslichen Matsch verwandelte.=
 Nach einigem Suchen kamen sie zu einem B=FCrohochhaus am Rande von
 Dortmund. Auch hier funktionierte wieder die Masche mit dem
 Studienaufenthalt und Mulder und Scully wurden ungehindert zum Tatort
 gelassen und durften sich umsehen. Ihnen bot sich ein grauenhafter Anblick.=
 Die Tr=FCmmer der Fahrstuhlkabine lagen verstreut und waren =FCberall mit
 Blut =FCbers=E4t. Selbst Scully musste schlucken und die war ja eigentlich
 Einiges gew=F6hnt. Mulder wandte sich ab und ging zur Rezeption, er nieste
 heftig und Scully sah ihm besorgt nach. Schon unterwegs schien er sich
 nicht besonders wohl zu f=FChlen, aber Scully musste sich auf die Strecke
 konzentrieren, schlie=DFlich wollte sie sich ja nicht verfahren.
Mulder fr=F6stelte und w=E4hrend er auf den zust=E4ndigen Kommissar wartete
 fiel ihm auf, dass er erneut einen Fehler gemacht hatte. Diesmal hatte er
 seinen Mantel im Auto vergessen, offenbar war dieses Wetter absolut nichts
 f=FCr ihn. Ein hochaufgeschossener, hagerer Mann trat auf ihn zu und sprach
 ihn an.
"Sind sie Agent Mulder vom FBI?"
"Ja, Guten Tag."  Der Mann sprach Englisch und Mulder war dankbar, endlich
 wieder mit jemandem direkt sprechen zu k=F6nnen, ohne auf Scullys
 Collage-Deutschkenntnisse angewiesen zu sein. Sie trafen zwar immer auf
 Leute, die etwas ihre Sprache beherrschten, aber sehr oft musste Scully
 dann doch helfen. Warum hatte er damals nur keine Fremdsprache gelernt ...
 Er nieste erneut und erntete prompt einige medizinische Tips, um der
 Erk=E4ltung wirkungsvoll entgegenzuwirken.
Der Kommissar f=FChrte ihn zu einem zweiten Lift, mit dem sie dann nach oben
 fuhren. Ganz wohl war Mulder nicht dabei nach Allem, was er gerade gesehen
 hatte. Auf dem Weg berichtete der Kommissar, was bisher bekannt war. Es
 hatte eine Stromunterbrechung gegeben, dessen Ursache noch nicht gekl=E4rt
 war und auf Grund dessen war der Fahrstuhl in die Tiefe gest=FCrzt. Warum
 die Notbremsen nicht funktioniert hatten, wurde gerade von Experten
 untersucht. Mulder erfuhr, dass das gesamte Personal angewiesen war, das
 Geb=E4ude nicht zu verlassen, sie befanden sich alle in der Kantine im
 Erdgeschoss und wurden derzeit befragt.
Zuerst sah sich Mulder in dem Konferenzraum um, in dem die Vorf=FChrung des
 toten Ingenieurs h=E4tte stattfinden sollen. Er konnte allerdings nichts
 Ungew=F6hnliches entdecken, blaue St=FChle, in Reihen aufgestellt, eine
 Leinwand an der Stirnseite des gro=DFen Saales, mehrere Mikrofone und ein
 Stapel von Unterlagen auf einem Tisch ganz vorn, neben dem Rednerpult. 
Die Hand unter die Nase haltend und leicht schniefend drehte sich Mulder zu
 dem Kommissar um und fragte:
"War der Ingenieur allein hier?"
"Nein, sein Kollege wurde mit einem Schock ins Krankenhaus gebracht." 
 antwortete dieser und reichte Mulder mit einem mitleidigen Blick eine
 Packung Taschent=FCcher.
'Ich ahne, was er jetzt denkt' ging es Mulder durch den Kopf und tats=E4chli
ch dachte der Kommissar gerade an etwas wie: 'Diese Weicheier aus
 Kalifornien ...'.
Der Ernst der Lage lie=DF allerdings nichts Anderes zu, als sich auf die
 Fakten zu konzentrieren und so folgte er ohne zu z=F6gern Mulders Bitte,=
 ihn in den Raum mit der Fahrstuhltechnik zu bringen. Da Oben herrschte
 gesch=E4ftiges Treiben. Etliche M=E4nner und Frauen waren, mit
 komplizierter Technik bewaffnet dabei, jedes Ger=E4t genauestens unter die
 Lupe zu nehmen.
"Schon etwas Neues?"   erkundigte sich der Kommissar beim Leiter der
 Expertengruppe.
"Bisher nur eins definitiv."  meinte dieser,  "ein Kurzschluss hat die
 Stromunterbrechung ausgel=F6st, und zwar hier, direkt im Motor der
 Seilwinde des abgest=FCrzten Fahrstuhls."
Er f=FChrte sie zu dem betreffenden Teil und da alles mit Scheinwerfern
 ausgeleuchtet war, konnte man gut die verkohlten Dr=E4hte sehen, die sich
 an dem Motor befanden.
"Ein Gewitter hat es doch heute nicht gegeben, oder?"   wollte Mulder
 wissen.
"Nein" kam es von Seiten des Technikers "und nach allem, was ich bisher grob
 untersuchen konnte bezweifle ich, dass dieser Kurzschluss ein Zufall war."=
 Er warf einen vielsagenden Blick zu Mulder und dem Kommissar.
"Ich habe einige besondere Untersuchungen angeordnet und werde ihnen morgen
 die Ergebnisse liefern k=F6nnen."
"Ein Anschlag?" fragte Mulder nur und zum Kommissar gewandt  "ich denke,=
 dann sollten sie mehr =FCber den Ingenieur in Erfahrung bringen, als
 =FCblich."
"Ist schon veranlasst Agent Mulder und, wie sie geh=F6rt haben, wissen wir
 morgen bestimmt mehr."
Sie machten sich auf den Weg in die Kantine, vielleicht war ja bei der
 Befragung bereits etwas Aufschlussreiches herausgekommen. Dort trafen sie
 Scully, die offensichtlich =FCber das bisherige Ergebnis informiert war.
"Es hat niemand irgend einen sachdienlichen Hinweis geben k=F6nnen"
 berichtete sie, "bis auf den Portier."  und damit deutete sie auf einen
 mittelgro=DFen, etwas dicklichen Mann Mitte F=FCnfzig. Er wirkte verst=F6rt
 und Scully erkl=E4rte den Grund.
"Er war der Letzte, der den Ingenieur lebend gesehen hat und macht sich
 Vorw=FCrfe, ihn gebeten zu haben, zur Rezeption runter zu kommen."
"Warum hat er das denn getan?" Mulder blickte Scully fragend an.
"Er sagte, da war ein junger Mann, der den Ingenieur unbedingt sprechen
 wollte und der darauf bestand, dass dieser pers=F6nlich herunter kommt."
"Konnte er eine Beschreibung des Mannes geben?"
"Nur vage Mulder, aber ich glaube, wenn es ihm morgen etwas besser geht,=
 f=E4llt ihm eventuell noch was ein."
"Ja, OK Scully, lassen wir ihn f=FCr heute lieber in Ruhe. Die Ergebnisse
 der restlichen Untersuchungen sind ja auch vor morgen nicht zu erwarten."
Damit ging er wieder in Richtung Eingangshalle und versuchte, alles bisher
 geh=F6rte irgendwie zusammenzuf=FCgen, was ihm aber sehr schwer fiel. Es
 machte ihm M=FChe sich zu konzentrieren, der Sch=E4del brummte und er fror.=
 Scully, die ihm gefolgt war, bemerkte sehr wohl, dass es ihn offenbar doch
 erwischt hatte und fragte den Kommissar nach einer Apotheke. Der gab
 bereitwillig Auskunft und empfahl gleich ein Hotel in der N=E4he, woraufhin
 sich Scully bedankte und zu Mulder zur=FCckging.
"Komm, lass uns gehen. Vor morgen k=F6nnen wir eh nichts weiter tun."
Es kam kein Veto und so machten sie sich auf den Weg ins Hotel, nicht ohne
 vorher Medizin f=FCr Mulder zu besorgen. Scully kannte ihn, aber
 erstaunlicherweise war sein Widerstand gegen die Medikamente nur gering. Er
 schluckte, was sie ihm verordnete und ging dann wortlos zu Bett. Dieses
 Europa schien Wunder zu wirken, aber Mulders leicht glasige Augen deuteten
 auf etwas erh=F6hte Temperatur hin und Scully ahnte, wie mies er sich
 wirklich f=FChlte. Sie lie=DF ihn allein, h=F6rte aber von nebenan noch
 einige Male sein heftiges Niesen.





Kapitel   XI



2. M=E4rz 1999,  8:20  a.m.


Als Mulder zum Fr=FChst=FCck kam, wirkte er frisch und ausgeruht. Es ging
 ihm wesentlich besser und Scully registrierte, dass er sich sehr warm
 angezogen hatte. Er zollte doch diesem elenden Wetter Respekt, hatte sogar
 freiwillig seine Pillen geschluckt und auch sie selbst hatte sich ihren
 w=E4rmsten Pullover herausgesucht.
"Morgen Scully"  er setzte sich zu ihr.
"Morgen, wie ich sehe, geht es dir besser."  sie l=E4chelte.
"Ja, Gott sei Dank. Ich bin gespannt, was die Untersuchungen ergeben haben."=
  lenkte er sofort in eine andere Richtung.
"In einer Stunde haben wir eine Verabredung mit dem Kommissar."
"Hast du mit ihm gesprochen?"
"Ja, allerdings nicht ich mit ihm, sondern er mit mir, er hat mich geweckt."
Mulder zog vielsagend die Augenbrauen hoch und bis in sein Toast.
Eine Stunde sp=E4ter sa=DFen sie dem Kommissar gegen=FCber.
"Ich habe den Bericht der  technischen Untersuchung vorliegen." er deutete
 mit der Hand auf eine Mappe, die vor ihm lag.
"Daraus geht eindeutig hervor, dass hier jemand seine Finger im Spiel hatte.=
 Es sollte zwar so aussehen, als ob es ein Unfall war, daf=FCr hat derjenige
 aber zu viele Fehler gemacht. 
Als der Ingenieur vergebens 'runter zur Rezeption fuhr machte sich der T=E4t
er daran, die Kabel, die sie aus dem Motor h=E4ngen sahen, zu l=F6sen damit
 sie sich, wenn der Fahrstuhl wieder hochf=E4hrt, ber=FChren. Wahrscheinlich
 hatte er alles so gr=FCndlich vorbereitet, dass er daf=FCr nur einen kurzen
 Augenblick ben=F6tigte. Er musste nat=FCrlich einen Moment w=E4hlen, in dem
 der Ingenieur auch wirklich drin ist in der Kabine. Deswegen das Man=F6ver
 mit dem angeblichen Besucher, ich bin =FCberzeugt, das war er selbst. Zeit
 um mit dem zweiten Fahrstuhl wieder zum Technikerraum zu fahren, hatte er
 genug. Ob dieser Anschlag auch wirklich dem Toten galt, wage ich aber fast
 zu bezweifeln. Schlie=DFlich h=E4tte ja inzwischen jeder den Fahrstuhl
 betreten k=F6nnen, um ihn zu benutzen."
"Allerdings war die Wahrscheinlichkeit, dass Herr Heuer ihn benutzen w=FCrde
 am gr=F6=DFten." warf Scully ein.
"Oder aber, der T=E4ter hat einfach nur sicher gehen wollen, dass ihn
 =FCberhaupt jemand in den n=E4chsten Minuten benutzt. Aus dem Bericht geht
 weiter hervor, dass die Notbremse funktionsunt=FCchtig war. Auch die war so
 manipuliert worden, dass sie versagen musste. Nachdem nun der Kurzschluss
 den Strom unterbrochen hatte, wurde die Fahrgastkabine noch einen Moment
 vom Zugseil gehalten, aber das Gewicht war zu gro=DF. Der Bolzen in der
 Winde brach und damit l=F6ste sie sich schlagartig."
F=FCr einen Moment war es still im Raum.
'Welch furchtbare Augenblicke hat dieser arme Kerl vor seinem Tod durchleben
 m=FCssen.' dachte Mulder und ein Schauer lief ihm =FCber den R=FCcken. Wenn
 der T=E4ter allerdings selbst dieser omin=F6se Besucher war, hatten sie
 vielleicht eine Chance, eine genaue Beschreibung von ihm zu bekommen.
"K=F6nnen wir noch mal mit dem Portier reden?"
"Nat=FCrlich, ich werde sie begleiten."
Damit erhoben sie sich und machten sich auf den Weg.
Der Mann lebte in bescheidenen Verh=E4ltnissen. In der Rezeption des
 B=FCrohauses arbeitete er nur deshalb, weil er schon zu alt war, um noch
 etwas anderes zu finden. Mulder und Scully =FCberlie=DFen dem Kommissar das
 Reden und warteten gespannt, ob der Portier eine Beschreibung des T=E4ters
 liefern konnte, oder nicht. Er konnte, allerdings nur eine sehr
 oberfl=E4chliche: ziemlich jung, schlank, dunkelblonde kurze Haare. Jetzt
 stutzte Mulder, genau das hatte er doch schon mal geh=F6rt. 
Pl=F6tzlich hatte er es sehr eilig das Gespr=E4ch zu beenden. Sowohl Scully
 als auch der Kommissar waren h=F6chst verwundert.
"Ich muss mit dem Kollegen des Ingenieurs sprechen."   war seine einzige
 Erkl=E4rung.
Als sie im Auto sa=DFen, konnte sich Scully nicht mehr zur=FCckhalten.
"Was geht dir durch den Kopf Mulder?"
"Kannst du dich an unsere Befragung im Krankenhaus erinnern?" er sah sie an,=
 als ob ihr jetzt schlagartig alles klar werden m=FCsste. Wurde es aber
 nicht, sie wusste nicht, worauf er hinaus wollte und daher fuhr er fort:
"Eine der Krankenschwestern hatte doch erw=E4hnt, dass an dem Tag des Todes
 von Daniel ein Patient nach ihm gefragt hatte, angeblich um sich noch von
 ihm zu verabschieden. Die Beschreibung stimmt genau mit der des Portiers
 =FCberein Scully."
"Verabschieden, mein Gott wie makaber."   f=FCgte Scully leise hinzu und sah
 Mulder an. 
Der nickte traurig.
"Wei=DFt du, wenn ich Recht habe und dieses Verbrechen doch ganz gezielt dem
 Ingenieur galt, schlie=DFlich war er ja auch ein Mitglied von AAGP, dann
 hat sich der M=F6rder vorher versichert, dass er ihn ganz sicher erwischt
 und wer ist daf=FCr besser geeignet, als sein Kollege?"
In der Tat erhielten sie kurze Zeit sp=E4ter die Best=E4tigung f=FCr Mulders
 Theorie. Es hatte einen Tag zuvor einen Anruf gegeben, in dem sich ein
 offenbar j=FCngerer Mann danach erkundigt hatte, ob die Pr=E4sentation auch
 wirklich, wie vorgesehen, stattfinden w=FCrde. Daran fand niemand etwas
 ungew=F6hnlich und daher geriet es auch sofort wieder in Vergessenheit. 
Einer Ahnung folgend nahm Mulder, nachdem er und Scully ins Hotel
 zur=FCckgekehrt waren, das Telefon und rief Jan an. Er bat ihn, als sein
 Verbindungsmann zur Gruppe, mit den aktivsten Mitgliedern Kontakt
 aufzunehmen. Er wollte sie bitten, sich jeweils unauff=E4llig in ihrem
 Umfeld umzuhorchen, ob es irgendein Anzeichen daf=FCr gab, dass sich
 jemand, auf welche Weise auch immer, nach ihrer Anwesenheit zu einem
 bestimmten Zeitpunkt oder an einem bestimmten Ort erkundigt hat. Mulder
 brauchte nicht zu erw=E4hnen, wie wichtig und eilig das war. Bis zum Abend
 versprach er mit Scully in Berlin zur=FCck zu sein.




Kapitel   XII



Berlin
2. M=E4rz 1999   5:45  p.m.


Kirsten wollte sich auf den Weg machen, Mulder und Scully sollten ja bald
 eintreffen, ging aber erst noch einmal zu Andrea. Sie hatte ihr von der
 Mail von Jan erz=E4hlt und beide hatten nun versucht, etwas
 herauszubekommen. Nach Kirsten schien sich niemand erkundigt zu haben und
 Andrea hatte bisher noch nicht alle erwischt. Das war zwar nicht sehr
 beruhigend, aber Andrea war ja dort ziemlich sicher. F=FCr das Treffen
 hatten Jan und die beiden Agents deren Hotel gew=E4hlt und nach einer
 Stunde sa=DFen sie alle beisammen. Mulder und Scully berichteten, was sie
 in Erfahrung gebracht hatten und Jan wiederum erz=E4hlte, was ihm die
 einzelnen Mitglieder geantwortet hatten. Unter denen, die bisher reagiert
 hatten war noch keiner gewesen, der von irgend welchen verd=E4chtigen
 Erkundigungen berichten konnten. Irgendwie hatte Mulder das Gef=FChl, auf
 der Stelle zu treten.
"Eigentlich hat doch alles angefangen, nachdem Andrea an diese Liste
 gekommen war." begann er laut nachzudenken. "Erz=E4hlt hat sie euch aber
 erst davon, nachdem es den zweiten Toten gegeben hatte. Kann es sein, dass
 sie jemandem gegen=FCber vorher schon etwas davon erw=E4hnt hatte, ohne
 sich dar=FCber voll bewusst zu sein? Eine Andeutung, oder irgend etwas in
 der Art reicht ja schon."
"Gesagt hat sie nichts"  f=FChrte Jan den Gedanken fort, " aber manchmal
 gehen schon mehrere von uns gleichzeitig einem Hinweis nach und wer zuerst
 an Informationen kommt, berichtet dann. Man m=FCsste sie mal fragen, auf
 Grund welcher Tatsache sie =FCberhaupt versucht hat, sich in diese
 Organisation einzuhacken."
"Dann h=E4ttet ihr aber im Grunde alle diese Information haben m=FCssen." 
 kam ein Einwand von Scully.
"Hatten wir vielleicht auch,"  best=E4tigte Christian,  "aber der eine hat
 halt eine Ahnung, der er es f=FCr Wert h=E4lt nachzugehen und der andere
 nicht. Jeder von uns ist schon mal einem Tipp nachgegangen, von dem er in
 der Gruppe erst berichtet hat nachdem er sicher war, dass da auch was dran
 ist."
"Wisst ihr was das bedeuten k=F6nnte?"  mischte sich Mulder wieder ein und
 sah an den Gesichtern der um ihn herumsitzenden, dass keiner diesen
 Gedanken auszusprechen wagte.
"Wir m=FCssen auch diese M=F6glichkeit in Betracht ziehen." fuhr er fort,
 "Was ist, wenn der T=E4ter aus euren eigenen Reihen kommt?"
Jetzt herrschte betretenes Schweigen. Niemand konnte sich vorstellen, dass
 jemand unter ihnen zu so etwas Grausamem f=E4hig w=E4re.
"Um das auszuschlie=DFen, k=F6nnen wir wohl nur eins tun." meinte Jan,=
 entschlossen um sich blickend. "Wir m=FCssen uns an den Computer setzen und
 m=F6glichst unauff=E4llig alle =FCberpr=FCfen."
"Wei=DFt du was das bedeutet?" platzte es aus Christian heraus.
"Nat=FCrlich wei=DF ich das."  jetzt erhob sich Jan. "Wir sind aber zu dritt
 und je eher wir anfangen, desto eher haben wir Gewissheit."  Er wandte sich
 zum Gehen und Christian und Kirsten waren bereits im Begriff ihm zu folgen,=
 als sie Mulder noch einmal zur=FCckhielt.
"Eine Frage noch. Wenn ihr euch die T=E4terbeschreibung, die wir bis jetzt
 haben vor Augen f=FChrt, kommt euch da irgend jemand bekannt vor?"
"Das w=E4re h=F6chst unwahrscheinlich." Kirsten sah Mulder an,  "nur wenige
 von uns kennen sich auch pers=F6nlich. Fast alle Kontakte finden im Netz
 statt und es w=FCrde beinahe an ein Wunder grenzen, wenn ausgerechnet der
 T=E4ter, falls er wirklich aus unseren Reihen stammt, einem Mitglied der
 Gruppe pers=F6nlich bekannt w=E4re."   Mulder nickte nachdenklich.
"Das erschwert die Sache nat=FCrlich ungemein, ich hoffe wir irren uns.=
 Jedenfalls werde ich mit Scully noch einmal alle Details der bisherigen
 F=E4lle durchgehen, im Hinblick auf den neuen Aspekt und wir werden sicher
 einige Fragen haben."
"Wir sind bei mir." sagte Jan und =F6ffnete die T=FCr.
"Das wird bestimmt ein ganz sch=F6ner Schock f=FCr sie sein, Mulder."=
 kommentierte Scully, nachdem die Drei gegangen waren.
"Na logisch! Ich w=FCrde mich bestimmt genauso mies f=FChlen." 
Mulder erhob sich und fing an, alle Unterlagen hervorzuholen, die sie bisher
 gesammelt hatten. Die beiden letzten F=E4lle lie=DFen sie erstmal beiseite,=
 sie wollten mit denen beginnen, von denen sie eigentlich am wenigsten
 wussten. Jan hatte sie zwar mit einigen Informationen zu den Opfern und
 deren Umfeld versorgt, aber nun mussten sie versuchen, alles wie
 Puzzleteile zusammenzusetzen.
Nach mehreren Stunden und einigen Telefongespr=E4chen mit Angeh=F6rigen und
 Freunden, von denen sie so erfahren hatten, erh=E4rtete sich der Verdacht,=
 dass man sich wohl doch mehr auf die Gruppe konzentrieren und dort n=E4her
 umsehen musste. Es gefiel Mulder nicht und er wusste, dass das allen
 Beteiligten so gehen w=FCrde. Er f=FChlte Sympathie f=FCr diese jungen
 Leute, im Grunde machten sie ja etwas =C4hnliches wie er selbst. AAGP,=
 Association Against Government Plots, also Aufdecken und Bekannt machen von
 Regierungsverschw=F6rungen. Nat=FCrlich hatte er, Mulder, wesentlich
 bessere M=F6glichkeiten, ihm stand ja schlie=DFlich der gesamte FBI - und
 Polizeiapparat zur Verf=FCgung, aber nach ihren M=F6glichkeiten taten die
 Mitglieder dieser Gruppe, was sie konnten. Immerhin gelang es ihnen
 manchmal, etwas -ffentlich zu machen. Er selbst wurde schon so oft kurz
 vor dem Ziel zu Fall gebracht, da konnte er nur zu gut nachvollziehen wie
 man sich f=FChlte, wenn so etwas, wie jetzt hier, passierte. Wenn er nur
 w=FCsste, wie das Alles zu erkl=E4ren war. Einige Male hatte er bei Jan
 angerufen, um etwas =FCber bestimmte Aktivit=E4ten und beteiligte Personen
 zu erfahren. Nichts hatte ihm allerdings sehr viel weitergeholfen. In
 Verbindung gestanden hatten die Opfer nur =FCber die Gruppe, sie hatten
 auch nicht an der gleichen Thematik gearbeitet.
"Sag mal Mulder,"  riss Scully ihn aus seinen Gedanken,  "wie erkl=E4rst du
 dir, dass die ersten beiden F=E4lle komplett anders abgelaufen sind, als
 die letzten beiden?"
"Im Moment noch gar nicht." Er hielt die H=E4nde vors Gesicht und atmete ein
 paar mal  tief durch, der Sch=E4del brummte ihm wieder. Pl=F6tzlich sah er
 auf und starrte Scully an.
"Das ist es Scully, oder besser, k=F6nnte es sein."
"Was denn?"
"Die Verbindung nach der wir gesucht haben, die Verbindung zwischen der
 unterschiedlichen Art der F=E4lle."  Er wirkte wie elektrisiert.
"Mulder, wovon redest du?"
"Wann hat sich Andrea an die anderen gewandt?"
"Nach dem zweiten Fall, soviel ich wei=DF."
"Genau Scully, nach dem zweiten Fall und danach hat sich die Methode
 ge=E4ndert."
"Du glaubst doch wohl nicht, dass Andrea ..."
"Nein, nat=FCrlich nicht, sie war ja von da an hier. Vielleicht hat sie aber
 erw=E4hnt, warum sie pl=F6tzlich so furchtbar in Panik geraten war. Irgend
 etwas war passiert, es muss einen Ausl=F6ser daf=FCr gegeben haben und der
 ist eventuell der Schl=FCssel."
"Frag doch Kirsten, sie ist ja bei Jan. Wenn Andrea jemandem etwas erz=E4hlt
 hat, dann ihr. Du kannst sie aber auch selbst fragen, sie ist ja in
 Kirstens Wohnung."
"Falls sie ans Telefon geht. Ich rede erst mal mit Kirsten."
Er sprach eine ganze Weile mit ihr und an seiner Reaktion bemerkte Scully,=
 dass auch sie nichts weiter wusste. Sie versprach aber, gleich mit Andrea
 Kontakt aufzunehmen, um sie danach zu fragen. Selbst anzurufen hielt sie
 f=FCr besser, da die beiden ein spezielles Klingelzeichen ausgemacht hatten
 welches Andrea signalisieren w=FCrde, wer gerade anruft. Nach gut zehn
 Minuten klingelte das Telefon bei Mulder. Er ging ran und vernahm am
 anderen Ende die aufgeregte Stimme Kirstens.
"Agent Mulder, sie geht nicht ran, Andrea geht nicht ans Telefon! Wir hatten
 vereinbart, dass sie nach einem bestimmten Zeichen reagiert, falls es mal
 etwas Wichtiges gibt. Sie tut's aber nicht. Ich habe es in kurzen Abst=E4nd
en dreimal probiert, aber keine Reaktion! Gott ...  ich fahre sofort nach
 Hause!"
"Wo ist das? Wir kommen auch."  jetzt war auch Mulder besorgt.
Kirsten beschrieb ihnen den Weg, es war vom Hotel aus nur ein f=FCnf
 min=FCtiger Fu=DFweg. In gut zehn Minuten versprach sie selbst dort zu
 sein.
Das Haus war leicht zu finden, ein Zweifamilienhaus, im oberen Stock brannte
 Licht. Mulder klingelte, keine Reaktion.
"Sie wird bestimmt nicht einfach so =F6ffnen,"  fl=FCsterte Scully,  "wenn
 sie sogar Zeichen verabredet haben, damit sie ans Telefon geht."
Mulder gab ihr Recht, das Warten wurde zur Ewigkeit. Endlich sahen sie
 Kirstens Auto. Sie st=FCrzte zur T=FCr und hatte vor Aufregung Probleme,=
 diese auf Anhieb aufzuschlie=DFen. Die Drei rannten die Treppe hoch und
 nachdem sie in der Wohnung waren, verteilten sie sich, jeder sah in einem
 anderen Raum nach. Als Kirsten und Scully ergebnislos in den Flur
 zur=FCckkamen, sahen sie Mulder im Eingang des dritten Raumes wie
 angewurzelt stehen. Er war blass geworden und die beiden schluckten.=
 Kirsten ging auf den Raum zu, aber nach einem verst=F6rten Blick von Mulder
 versuchte Scully, sie zur=FCckzuhalten.
"Nicht"  sie hielt sie fest, aber Kirsten l=F6ste sich aus dem Griff. Was
 sie dann dort sah, war aber doch zuviel.




Kapitel   XIII



kurz vor Mitternacht


Die Blitze der Blaulichter zuckten durch die Wohnung. Polizei und Kripo
 dr=E4ngten sich in der kleinen Stube. Andreas Leiche war bereits
 weggebracht worden und die Spurensicherung hatte ihre Arbeit fast beendet.=
 Kirsten hatte sich, nachdem ihr der Arzt ein Beruhigungsmittel gegeben
 hatte, nebenan hingelegt. Scully blieb bei ihr und nachdem es etwas ruhiger
 in der Wohnung wurde, setzte sich Mulder zu ihnen. Er hatte alles genau
 beobachtet und versuchte nun zu rekonstruieren, was passiert war.
"Es sieht fast wieder so aus, wie in den ersten beiden F=E4llen." Er sprach
 leise zu Scully, um Kirsten nicht zu wecken.
"Die Polizei  tippt auf Selbstmord, auf ein Fremdeinwirken scheint nichts
 hinzudeuten. Andrea hat auf dem Fu=DFboden gelegen, mit aufgeschnittenen
 Pulsadern und nichts deutet auf ein gewaltsames Eindringen in die Wohnung
 oder =FCberhaupt die Anwesenheit einer zweiten Person hin." 
Nach einem Moment des =DCberlegens fuhr er fort:
"Sie hatte am Computer gesessen, er ist ja noch immer an. Genau wie bei den
 ersten Todesf=E4llen war sie im Netz."
"Das konnte sie gar nicht." kam es leise aus Kirstens Richtung. 
Mulder und Scully sahen sich verwundert an, offenbar hatte sie doch nicht
 geschlafen.
"Es war ein dementsprechendes Programm ge=F6ffnet, au=DFerdem sieht die
 ganze Vorgehensweise wieder nach einer Manipulation, ausgel=F6st von
 irgendwas im Netz aus." erwiderte Mulder vorsichtig. Jetzt setzte sich
 Kirsten auf, sie wirkte etwas gefasster.
"Sie h=E4tte von meinem Computer aus nicht ins Netz gehen k=F6nnen."  Auf
 die fragenden Blicke ihrer Gegen=FCber erkl=E4rte sie: 
"Mein Zugang ist durch einen Code gesichert, eigentlich durch zwei. Einer
 auf meinem Server und noch mal einer direkt auf meinem Computer."
Mulder sch=FCttelte den Kopf.
"F=FCr einen Hacker wie sie, sollte das vielleicht nicht ein Problem gewesen
 sein."
"Vielleicht nicht, nein, aber sie hatte mir versichert, gar nicht ins Netz
 zu wollen. Sie f=FCrchtete sich viel zu sehr, dass dann jemand
 herausbekommen k=F6nnte, wo sie jetzt ist."
"Es k=F6nnte ja etwas vorgefallen sein, was sie ihre Meinung =E4ndern lie=DF
." setzte Scully entgegen.
"Dann h=E4tte sie mit Sicherheit zuerst angerufen." und nach einer kurzen
 Pause f=FCgte Kirsten hinzu: "au=DFerdem war das Modem nicht eingeschaltet,=
 ohne das kommt man nicht rein."
Jetzt herrschte f=FCr einen Moment Stille. Das war tats=E4chlich ein
 Argument, das mit nichts zu entkr=E4ften war. Mulder erhob sich, trat ans
 Fenster und sah in die Nacht hinaus. Er kaute auf seinem Daumen herum, ein
 sicheres Zeichen daf=FCr, dass er angestrengt nachdachte. Nach einigen
 Augenblicken begann er, wie um sich selbst zu stimulieren, laut zu denken.
"Sie sitzt vor dem Computer, macht ... was wei=DF ich was. Dann schneidet
 sie sich, wie aus heiterem Himmel, die Pulsadern auf. Das gibt's doch
 nicht!"
"Vielleicht musste eine zweite Person ja gar nicht einbrechen. Was, wenn sie
 sie herein gelassen hat?" spekulierte Scully vorsichtig.
"Wo sie nicht mal ans Telefon gegangen ist?  Glaub' ich nicht."     Er
 setzte sich wieder.
"Wenn wir dabei von der gleichen Person ausgehen w=FCrden, die in Hamm und
 Dortmund agiert hat, w=E4re das ja zeitlich fast nicht zu schaffen."  
 lenkte er aber dann ein.
"Wieso? Wir sind ja auch hier und vorbereitet kann das der M=F6rder schon
 l=E4ngst haben." konterte Scully. Es war schon komisch, wie sich ihre
 Rollen diesmal vertauschten.
"Wie h=E4tte er denn Andrea so schnell finden k=F6nnen? Eigentlich w=E4re
 sie doch in Wien gewesen."
"Zum Beispiel =FCber die Gruppe." schaltete sich Kirsten ein,  "Wenn das
 wahr ist, dass der T=E4ter einer von uns ist, dann h=E4tte er durchaus
 herausfinden k=F6nnen wo sie ist."
"Und wie?"  Mulder sah sie fragend an.
"Ich wei=DF nicht. Man m=FCsste dahingehend noch einmal alles lesen, was in
 den letzten Tagen geschrieben wurde, eventuell st=F6=DFt man dann auf einen
 Hinweis."
"Wie weit sind eigentlich Jan und Christian mit der =DCberpr=FCfung der
 Mitglieder?" fragte Scully pl=F6tzlich.
"Also vorhin,"  Mulder sah zur Uhr, "vor zwei Stunden, als sie anriefen um
 zu erfahren, ob was passiert ist, habe ich danach nicht gefragt. Sie waren
 sehr ersch=FCttert nachdem ich ihnen gesagt hatte was los ist und m=FCssen
 das erst mal verarbeiten. Ich denke, wir sollten ihnen etwas Zeit lassen
 und warten, bis sie sich melden. Sobald es etwas Neues gibt, werden sie das
sicher tun."
Scully nickte und erhob sich. Zu dritt machten sie sich auf den R=FCckweg
 zum Hotel. Kirsten konnte erst mal nicht in der Wohnung bleiben. Zum Einen
 fehlten noch Untersuchungen der Polizei und zum Anderen konnte sie es
 nicht, nach allem was dort passiert war. Sie ging dann auch gleich zu Bett.=
 Mulder und Scully setzten sich noch einmal zusammen, um spekulativ die
 M=F6glichkeiten durchzugehen, die es hier gab. Es waren nur zwei, die
 Varianten mit und ohne Fremdt=E4ter und zu einem befriedigenden Ergebnis
 kamen sie nicht. Bei der ersten Variante wussten sie einfach nicht, wonach
 sie suchen sollten und bei der zweiten Variante waren sie sich dar=FCber im
 Klaren, dass der T=E4ter bis zum n=E4chsten Morgen l=E4ngst =FCber alle
 Berge sein w=FCrde und ihnen fehlte derzeit jegliche Spur. So beschlossen
 sie, f=FCr den Augenblick erst einmal aufzugeben und hofften nun, am
 n=E4chsten Tag mit Jans und Christians Informationen ein St=FCck weiter zu
 kommen.



3. M=E4rz 1999   8:15  a.m.


In Mulders Zimmer lagen =FCberall Unterlagen verstreut. Auf dem Bett Akten
 und Notizen der bisherigen F=E4lle und auf dem Tisch Computerausdrucke. Jan
 hatte s=E4mtliche Postings der letzten Woche mitgebracht und Mulder, Scully
 und er gingen diese nun St=FCck f=FCr St=FCck durch. Das Hauptthema blieb
 aber trotzdem das Geschehen der letzten Nacht.
"Wer da am Werk war, hat jedenfalls in seiner Eile einen Fehler gemacht. Es
 sollte wieder ein Selbstmord im Zusammenhang mit etwas im Netz vorget=E4usc
ht werden, derjenige hat aber auf die Schnelle nicht an das Modem gedacht."=
 bemerkte Mulder.
"Ist es denn inzwischen sicher, dass da noch jemand war?" Jan sah kurz von
 seiner Lekt=FCre auf und Scully best=E4tigte:
"Laut Polizeibericht wurde von den Nachbarn jemand im Garten gesehen und im
 Autopsiebericht steht, dass in Andreas Blut Spuren eines Bet=E4ubungsmittel
s gefunden wurde. Unklar ist nur, wie der T=E4ter ins Haus gelangt ist."
Pl=F6tzlich richtete sich Jan auf und nahm den Ausdruck, der gerade vor ihm
 lag, in die Hand. Eine bestimmte Passage hatte seine Aufmerksamkeit erregt.=
 Er legte das Blatt beiseite und =FCberflog nach und nach einige der
 anderen.
"Etwas gefunden?" Mulder beugte sich vor, er konnte die Anspannung und
 Erregung fast f=FChlen.
"Ich wei=DF nicht"  konzentriert sah sich Jan Posting f=FCr Posting an, dann
 lehnte er sich zur=FCck, schloss die Augen und sch=FCttelte nur den Kopf.
"Ich irre mich bestimmt," murmelte er leise, "das kann einfach nicht sein.=
 Dazu ist er niemals f=E4hig."   Im Grunde wusste er aber, dass er das bei
 jedem gesagt h=E4tte, auf den er gesto=DFen w=E4re. Langsam hielten es
 Mulder und Scully nicht mehr aus.
"Was ist es?" 
Jan legte einen der Ausdrucke vor sich hin.
"Hier ist eine, wie zuf=E4llig und nebenbei, eingeflochtene Anfrage Andrea
 betreffend, aufgeh=E4ngt an etwas, was schon l=E4nger zur=FCck liegt.=
 Irgendwann ist sie mal einem Hinweis gefolgt, nichts Bewegendes, aber
 dar=FCber will er ausgerechnet jetzt, wo es viel Wichtigeres gibt, mit ihr
 reden."
Scully =FCberflog die n=E4chsten Mitteilungen.
"Und etwas sp=E4ter, auch fast wie nebenbei der Hinweis, mal bei Kirsten
 nachzufragen."
"Na Klasse"  entfuhr es Mulder,  "aber eigentlich hat sich ja niemand etwas
 dabei gedacht."
"Hier ist noch mehr."  Jan deutete mit den Fingern auf den Rest der
 Ausdrucke.
"Bis zum Zeitpunkt des zweiten Anschlags tauchen regelm=E4=DFig
 Meinungs=E4u=DFerungen von ihm auf, er geh=F6rt ja auch zu den relativ
 aktiven Mitgliedern unserer Gruppe. Und dann, fast schlagartig, ist er weg,=
 kein einziges Posting mehr, bis zu dem mit der Anfrage nach Andrea." Jan
 sah die beiden Agenten fassungslos an. Jetzt wurde Mulder aktiv.
"Passt die Beschreibung?"
"Keine Ahnung, ich kenne ihn nicht pers=F6nlich, aber eventuell hat ihn
 Kirsten schon mal pers=F6nlich kennengelernt."
"Die ist bei der Polizei, um Aussagen zu machen und kann uns jetzt nicht
 helfen. Wir m=FCssen m=F6glichst viel =FCber ihn herausfinden. Das Motiv
 ist wichtig, nur damit finden wir einen Hinweis, wer das n=E4chste Opfer
 werden k=F6nnte. Dann m=FCssen wir herausfinden, wie er zu den Tatorten
 gekommen ist und vor allem, wo er jetzt ist. Endlich ein konkreter
 Hinweis."
Sie machten sich an die Arbeit.














Kapitel   XIV



11:21   a.m.


"Zu Hause ist er nicht."   Scully legte den H=F6rer auf.
"Vor gut einer Woche ist er weggefahren, hat sich aber ein paar mal
 gemeldet, wahrscheinlich, um seine Eltern nicht zu beunruhigen."
"Zeitlich passt ja dann alles zusammen."  Auch Mulder legte sein Handy
 beiseite.
"Offenbar hat er =F6ffentliche Verkehrsmittel gemieden um seine Ziele zu
 erreichen, von Hamburg aus ist er jedenfalls erst mal per Mitfahrzentrale
 gefahren."
"Nach Bautzen?"
"Nein Jan, in Richtung Hamm. Die ersten beiden F=E4lle kann ich seinen
 Aktivit=E4ten noch nicht zuordnen, aber seitdem er pers=F6nlich in
 Erscheinung getreten ist, ist sein Weg verfolgbar. Von Hamm nach Dortmund
 muss er wohl getrampt sein, aber von dort ist er wieder =FCber eine
 Mitfahrzentrale nach Berlin gekommen, und zwar gestern."  Er sah erst Jan,=
 dann Scully an, die nachdenklich mit ihrem Stift auf ihre Handfl=E4che
 klopfte.
"Dann war er das letzte Mal im Netz, als er noch zu Hause war und ab dann
 nicht mehr. Er muss also bis dahin anders vorgegangen sein .......   kann
 man eigentlich so ein Sicherheitssystem, wie das in dem Haus in M=FCnchen,=
 per Computer beeinflussen?"
Mulder begriff, worauf sie hinaus wollte.
"Bestimmt, schlie=DFlich laufen ja auch Alarme bei einer Zentrale ein. Wie
 passt dann aber der erste Fall ins Bild und warum hat er seine
 Vorgehensweise ge=E4ndert?"
"M=F6glicherweise hat es ihm nicht mehr gereicht nur von Ferne zu agieren
 und er wollte die Resultate sehen."
"Das ist ja furchtbar!"  entr=FCstete sich Jan, "Sie reden von David, als
 w=E4re er ein Psychopath."
"Er ist einer und wir sollten m=F6glichst schnell herausfinden warum."
 versuchte Mulder ihm zu beruhigen.  "Ich beginne zu bezweifeln, dass
 Andreas Hack in diese Organisation =FCberhaupt etwas mit Allem zu tun hat.=
 Wenn David durchgeknallt ist, kann das mit etwas v=F6llig Anderem zu tun
 haben. Jan, ist euch irgendeine Ver=E4nderung an ihm aufgefallen, sagen wir
 in den letzten drei bis vier Wochen?"
"Nein, nicht bewusst. Ich kann das aber gerne noch mal checken, indem ich
 mir seine Postings aus der Zeit ansehe.  =DCbrigens muss es auch nicht
 zwangsl=E4ufig so sein, dass er, nur weil er nicht zu Hause war, in der
 letzten Woche nicht im Netz war, es gibt ja schlie=DFlich noch
 Internetcafes und so was."
"Richtig, das sollte sich aber herausfinden lassen. Ich schlage vor, wir
 k=FCmmern uns darum und ihr nehmt David noch einmal ganz genau unter die
 Lupe, aus eurer Sicht."
Damit erhob sich Jan und machte sich auf den Weg nach Hause. 
Scully erkundigte sich bei der Auskunft nach Telefonnummern von
 Internetcafes und Mulder begann, diese nacheinander anzurufen und nach
 gut einer Stunde wussten sie mehr. David war, sowohl in Hamm, als auch in
 Dortmund, jeweils zweimal in solchen Cafes gewesen. Einmal direkt nach
 seiner Ankunft und dann noch einmal kurz vor der Weiterreise. Aus irgend
 einem Grund begannen in Mulders Kopf Alarmglocken zu klingeln, aber er
 wusste nicht warum. Verzweifelt versuchte er eine Erkl=E4rung daf=FCr zu
 finden, musste sich aber letzten Endes eingestehen, dass er momentan
 nichts weiter tun konnte, als ganz besonders aufmerksam zu sein. 
In Berlin war die Zahl der Cafes erheblich gr=F6=DFer, aber bei dem
 zw=F6lften stie=DFen sie endlich auf die erhoffte Information. Mehr sogar
 noch! Nicht nur, dass David nach seiner Ankunft in Berlin dort war, er war
 im Moment gerade da. Vorsichtig machte Mulder dem Angestellten klar, David
 von ihrem Anruf nichts zu sagen und noch w=E4hrend des Telefonates st=FCrzt
e er mit Scully zum Auto. Sie ben=F6tigten fast eine halbe Stunde und als
 sie um die Ecke bogen und in die Stra=DFe fuhren, wo sich das Cafe
 befand, sahen sie schon von Weitem Blaulichter von Polizei- und
 Rettungswagen. Mulder stoppte und sch=FCttelte nur den Kopf. Hatte der
 Angestellte etwa die Polizei gerufen? Was konnte ihn beunruhigt haben? Doch
 wohl nicht sein Anruf! All' diese Fragen jagten ihm durch den Kopf, als sie
 aus dem Wagen stiegen und zu dem Cafe eilten. Beim N=E4herkommen
 erkannten sie dann den Grund f=FCr das Polizeiaufgebot. Ein Unfall hatte
 sich ereignet, wie es aussah war ein Bus beteiligt. Besorgt fl=FCsterte
 Mulder zu Scully:
"Wenn das Brimborium hier David mal nicht verscheucht hat."
"Die gleiche Bef=FCrchtung hatte ich auch gerade."  kam es genauso leise
 zur=FCck. Nachdem sie sich durch die Traube der Gaffer gearbeitet hatten
 konnten sie sehen, was genau passiert war. Der Busfahrer wurde =E4rztlich
 versorgt, er stammelte vor sich hin:
"Ich konnte nichts mehr machen, er ist mir direkt in den Bus gelaufen." 
Der Mann stand unter Schock und nach seinem Gestammel sahen sich die beiden
 Agenten nur fassungslos an und hatten es pl=F6tzlich sehr eilig, mit einem
 Mitarbeiter des Internetcafes zu reden. Gl=FCcklicherweise trafen sie
 genau auf den, mit dem sie vor einer halben Stunde gesprochen hatten. Er
 war ebenfalls ziemlich verst=F6rt, konnte sich aber leidlich
 zusammenrei=DFen.
"Genau dort hat er gesessen,"  er deutete auf einen Computer,  "f=FCr eine
 Stunde wollte er ins Netz und dann stand er pl=F6tzlich einfach auf, ging
 raus und lief direkt in den Bus. Es hatte fast den Anschein, als ob er ihn
 nicht sah."   Er sah zu Boden,  "Eben sitzt er noch da und jetzt ist er tot
 ....."
Scully erkundigte sich, ob sie etwas f=FCr ihn tun k=F6nne, aber er
 verneinte.
Mulder war unterdessen zu dem Computer gegangen, an dem David noch vor
 wenigen Minuten gesessen hatte. Er setzte sich davor, sah sich genau um,=
 konnte aber auf den ersten Blick nichts entdecken, was gezielt auf David
 hingedeutet h=E4tte. Neben der Tastatur lagen nur Dinge, die =FCberall an
 den Computern lagen, Kopfh=F6rer und die Benutzerinformationen f=FCr dieses
 Cafe. Wenn Mulder auf mehr gehofft hatte, vielleicht sogar Notizen =F6der
 =C4hnliches, wurde er entt=E4uscht. Als er den Computer aktivierte sah er
 zun=E4chst nur das gewohnte Bild, die =FCbliche Oberfl=E4che. Das
 Internetprogramm, welches er dann =F6ffnete, f=FChrte ihn als Erstes auf
 die Homepage des Cafes, aber bei genauerem Hinsehen fand er als letzte
 angew=E4hlte Adresse die von Hotmail.
"Demnach hat also David zuletzt seine Mailbox gecheckt."  meinte Scully, die
 sich zu Mulder gesetzt hatte und ihm zusah.
"Scheint so,"  Mulder lehnte sich zur=FCck,  "da hat nur jeder ein
 Passwort."
 Er sah zur Uhr und schien einen Moment lang zu =FCberlegen.
"Ich glaube, ich muss jemanden wecken." 
Erst nach einer geraumen Zeit meldete sich eine verschlafene Stimme am
 anderen Ende.
"Hallo?"
"Hi, Mulder hier."
"Gro=DFer Gott!  Sag mal, wei=DFt du wie sp=E4t es ist?"
"Es ist Mittag, wieso?"  Mulder hatte M=FChe, sich das Lachen zu verkneifen.
"Hier Mulder, ich meine HIER!"
"Bestimmt Zeit zum Aufstehen Langly, aber lass mal, ich w=FCrde euren
 Sch=F6nheitsschlaf nicht unterbrechen, wenn es nicht wichtig w=E4re. Wir
 sind hier in einem Internetcafe und ich w=FCrde gern herausfinden,=
 welchen Usernamen und welches Passwort der letzte, der hier am Rechner war,=
 bei Hotmail hat. Ist das machbar?"
"Ich denke schon. Geh' doch mal von diesem Rechner aus auf unsere Page." 
Langly wartete und nachdem Mulder die Anweisung ausgef=FChrt hatte fuhr er
 fort:
"OK, jetzt lass die Verbindung so stehen. Reicht es dir zur Not auch, wenn
 ich dir die Mails liefere, die gelesen wurden?"
"Ja klar Langly."
"OK, ich melde mich wieder."  Damit h=E4ngte er auf.
Jetzt hie=DF es nur warten und als Mulders Handy klingelte waren sie froh,=
 dass ihre Geduld auf keine zu harte Probe gestellt wurde. Entt=E4uschten
 Gesichtes musste Mulder aber feststellen, dass es nicht Langly war, sondern
 Jan und dessen Nachricht war auch alles andere als erfreulich. In Bezug auf
 David war nichts Ungew=F6hnliches zu finden gewesen, aber eigentlich
hatte Mulder auch gar nicht damit gerechnet. Ihm war nicht wohl bei dem
 Gedanken, Jan nun die neue Hiobsbotschaft mitteilen zu m=FCssen,=
 schlie=DFlich war David der sechste aus ihrer Gruppe, der innerhalb so
 kurzer Zeit ums Leben gekommen war. Von der Mailbox und Langly erz=E4hlte
 er erstmal nichts, er wusste ja nicht, ob dabei etwas herauskommen w=FCrde
 und au=DFerdem war ja daf=FCr sp=E4ter noch Zeit. Zuerst mussten Jan und
 die Anderen den Schock =FCberwinden. Trotz der entsetzlichen Mitteilung
 versuchte er das Gespr=E4ch kurz zu machen, Langlys wegen, aber auch nach
 einer Stunde meldete sich dieser nicht. Mulder hatte begonnen nerv=F6s auf-=
 und abzugehen und Scully versuchte ihn zu beruhigen.
"Augenscheinlich ist es doch nicht so einfach ... "
" ...  oder er ist wieder eingepennt."  fiel er ihr ins Wort.
"Unsinn Mulder, er wei=DF schon wie wichtig das ist und gibt sich bestimmt
 alle M=FChe."
Mulder nickte einlenkend, setzte sich an einen der Computer und begann zu
 spielen, um sich abzulenken. Als dann nach einer Weile sein Handy
 klingelte, schrak er zusammen.
"Mulder"
"Tja Mulder, wie du bemerkt haben wirst, hat es etwas l=E4nger gedauert.=
 Nicht, dass ich nicht bald die Mailbox ausfindig gemacht h=E4tte, nein, ich
 bin dabei auf etwas viel Brisanteres gesto=DFen und dem musste ich dann
 doch zuerst nachgehen. Mulder, du solltest dich setzen, falls du gerade
 stehst."
Er stand nicht, aber bei den n=E4chsten Worten Langlys klappte seine
 Kinnlade herunter und Scully hatte den Eindruck, dass er leicht blass
 wurde.




Kapitel   XV



1:45 p.m.


Mulder lehnte sich zur=FCck, h=F6rte Langly aufmerksam zu und nickte von
 Zeit zu Zeit.
"Ich wusste, dass mir irgend etwas bekannt vorkam, ich hatte nur die ganze
 Zeit keine Ahnung was, jetzt ist es mir klar. Kannst du versuchen, den Weg
 zur=FCckzuverfolgen?  .....  Schon in Arbeit, na da bin ich ja mal gespannt
 auf das Ergebnis. Danke Langly."  Er h=E4ngte auf und bemerkte, dass Scully
 ihn erwartungsvoll ansah.
"Die Mailbox war gel=F6scht,"  begann er,  "allerdings passierte das erst
 vor kurzem und so konnten sie auf dem Server noch finden, was da gel=F6scht
 wurde. Es war ein Soundfile den David geh=F6rt hat, allerdings nicht irgend
 ein simpler, sondern einer mit einem unterschwelligen Signal was darauf
 hindeutet, dass David auf eine bestimmte Art und Weise manipuliert wurde.=
 So was wie Hirnw=E4sche und das w=FCrde dann auch Davids Reaktion erkl=E4re
n. Er lief in den Bus, als ob er ihn gar nicht sehen w=FCrde."
"Mein Gott Mulder, das bedeutet ja, dass David als lebendes Werkzeug benutzt
 wurde und dass eventuell auch der erste Mord auf diese Weise begangen
 wurde."
"Ja, nur von wem und warum? Langly versucht gerade den Absender der Files zu
 ermitteln, mit ein bisschen Gl=FCck kennen wir dann den wahren T=E4ter."
"Und wenn er nichts findet?"
"Dann stehen wir wieder ganz am Anfang Scully."  Er erhob sich.
"Ich denke, wir sollten wieder zur=FCckfahren und noch einmal alles, was
 Andrea bei sich hatte, unter die Lupe nehmen. Vielleicht f=FChrt die Spur
 ja doch zu ihr zur=FCck."

Sie hatten gerade begonnen die Unterlagen zu sortieren, als Mulders Handy
 erneut klingelte. Hastig zerrte er es hervor und meldete sich.
"Hi Mulder, ich habe den Ursprung gefunden, nur noch keine konkrete Person
 dazu."
"Langly, was meinst du?"  Mulder war etwas verwirrt.
"Ich habe den Absender der Soundfiles lokalisiert und zwar auf einem Server
 in Bonn. Dieser Absender ist allerdings keine Person, sondern ein Programm.=
 Mulder, nach dem, was ich bisher gesehen habe, k=F6nnte es sich um ein
 Virusprogramm handeln, welches sich augenscheinlich selbst
 weiterentwickelt."
"Ein Virus?" er verstand kein Wort mehr.
"Ja und es arbeitet selbst=E4ndig, so etwas habe ich noch nie gesehen. Es
 gibt eine Grundprogrammierung, die den Auftrag enth=E4lt und den Rest, also
 die eigentliche Ausf=FChrung, entwickelt das Virus selbst."
"Dann gehen also s=E4mtliche Todesf=E4lle auf dieses eine Virus zur=FCck?"
"Es sieht so aus, allerdings kann ich dir das erst genau best=E4tigen, wenn
 ich diese Grundprogrammierung gefunden habe und damit hoffentlich auch
 einen Hinweis auf den Programmierer selbst. Wir arbeiten daran Mulder und
 melden uns, sobald wir mehr wissen."
"Danke und viel Gl=FCck."
Scully, die das Gespr=E4ch zwar verfolgt, aber nicht viel verstanden hatte,=
 lie=DF sich von Mulder erkl=E4ren, was das f=FCr ein Virus war.
"Ist es dann =FCberhaupt zu stoppen Mulder?"
"Momentan ja, aber ohne den Ursprung zu kennen, kann niemand mit
 Bestimmtheit sagen, ob es nicht noch ..."  er hielt einen Moment inne,
 "... na, sagen wir mal, Ableger davon gibt."
"Du meinst, so was wie Selbstschutz?"
"Etwas in der Art, ja. Wenn das Virus so intelligent ist, wie Langly sagt,=
 k=F6nnte ich mir schon vorstellen, dass es auch einen Weg gefunden hat zu
 verhindern, dass der Auftrag nicht bis zu Ende ausgef=FChrt werden kann."
Es klopfte an der T=FCr und als Mulder nachsah, stand Jan davor.
"Komm rein, du kommst genau im richtigen Moment."
Jan glaubte seinen Ohren nicht zu trauen, als er =FCber die letzten
 Geschehnisse informiert wurde und zu dritt machten sie sich nun an die
 Sichtung s=E4mtlicher Unterlagen von Andrea.
Es d=E4mmerte bereits, als sie resigniert aufgaben. Nichts war zu finden,=
 nicht der leiseste Hinweis. Sie lehnten sich ersch=F6pft zur=FCck und
 Scully machte die Lampe an, sie rieb sich die Augen.
"Soll ich uns Kaffee bestellen?"  Die Anderen nickten und so griff sie zum
 H=F6rer. Mulder sa=DF bequem zur=FCckgelehnt in seinem Sessel und
 beobachtete sie. Sein Blick ging zu den Papieren auf dem Tisch und wieder
 zur=FCck zu ihr. Pl=F6tzlich stutzte er, beugte sich vor, lie=DF sich
 wieder zur=FCckfallen und sank noch tiefer in seinen Sessel. Scully sah ihm
 verwundert zu bemerkte aber, dass sein Blick st=E4ndig auf ein bestimmtes
 Blatt Papier fixiert war. Erneut setzte er sich auf, nahm dieses Blatt zur
 Hand und hielt es so vor die Lampe, dass er fast waagerecht darauf schauen
 konnte.
"Hat jemand einen Bleistift?"  fragte er, ohne von dem Papier aufzusehen.
Scully =FCberlegte einen Moment und erinnerte sich dann, einen neben dem
 Hotelblock gesehen zu haben. Sie holte ihn und Mulder legte vorsichtig das
 Blatt auf den Tisch zur=FCck und begann, eine bestimmte Stelle einzuf=E4rbe
n. Dabei lag sein Kopf fast auf der Tischplatte und nach kurzer Zeit wurden
 leicht eingedr=FCckte Schriftzeichen sichtbar. Sie betrachteten die
 Zeichen, konnten aber zun=E4chst keinen Sinn darin entdecken.
"Ein Code?"  Mulder kaute gr=FCbelnd auf dem Bleistift herum.
"Eine Internetadresse vielleicht?  Am Ende scheint ein Punkt zu stehen, nur
 das was danach steht kann man nicht erkennen und die Zeichen darunter sind
 m=F6glicherweise das dazugeh=F6rige Passwort."  Jan sah kurz auf,  "Hat man
 hier die M=F6glichkeit einen Computer zu benutzen?"
"Nat=FCrlich,"  Scully griff neben sich,  "mein Laptop."  Sie stellte ihn
 vor Jan auf den Tisch und der versuchte, nachdem die Verbindung hergestellt
 war, die Adresse einzugeben. Er brauchte zwei, drei Versuche, da er ja die
 korrekte Extension nicht wusste, hatte dann aber Erfolg und so kamen sie
 auf eine Seite, auf der tats=E4chlich nach einem Passwort gefragt wurde.=
 Nachdem sie es eingegeben hatten, =F6ffnete sich eine Datenbank und sie
 sahen eine Art Inhaltsverzeichnis von Dateien.
"Die Liste"  fl=FCsterte Scully,  "von hier hat Andrea die Liste."  Sie
 waren beide dicht hinter Jan getreten, um den Monitor sehen zu k=F6nnen.
"Genau Scully," auch Mulder sprach sehr leise,  "und hier finden wir
 bestimmt auch die anderen Dokumente, von denen Andrea gesprochen hatte,=
 Projekte, Orte  usw. Jan, hast du eine Ahnung, auf welchem Computer wir uns
 da gerade befinden?"
"Noch nicht, aber vielleicht finde ich ja einen Hinweis, wenn ich die
 einzelnen Dokumente mal ansehe."  Er =F6ffnete wahllos eins nach dem
 anderen und tats=E4chlich fanden sie nach einer Weile in einem davon eine
 Telefonnummer, die Mulder kannte.
"Mein Gott Scully!" er hielt sich die Hand vor den Mund und sein Herz schlug
 ihm bis zum Hals.
"Schnell Jan, schlie=DF die Verbindung."  Der tat sofort, wie ihm gehei=DFen
 und sah Mulder, der sich auf eine Sessellehne gesetzt hatte, an, dass sie
 etwas sehr Bedeutendes und zugleich Furchtbares entdeckt haben mussten.
"Gro=DFer Gott, Scully,"  wiederholte er, "wir haben uns auf einem Rechner
 des CIAs eingehackt!"
"Wie bitte?"  jetzt war Scully genauso entsetzt.
"Ich kenne die Nummer  .....  Wenn Andrea denen auf die F=FC=DFe getreten
 ist, dann l=E4sst sich alles, was hier passiert ist erkl=E4ren, du wei=DFt
 zu was die f=E4hig sind."
"Ja, das wei=DF ich  .....  und sie arbeiten nie direkt, immer =FCber
 Handlanger."
"In diesem Fall ein Computerprogramm, ich fasse es nicht!"
Da Jan nicht mehr so recht folgen konnte fragte er vorsichtig, was es denn
 damit auf sich hatte und Mulder und Scully kl=E4rten ihn, soweit das in der
 K=FCrze der Zeit m=F6glich war, =FCber CIA-Methoden auf. Sie erz=E4hlten,=
 wie oft sie selbst ihren Kopf aus der Schlinge ziehen mussten, um =FCberhau
pt mit ihrer Arbeit fortfahren zu k=F6nnen.
"Jan, wir m=FCssen die Gruppe dar=FCber informieren. Sie m=FCssen wissen,=
 mit wem wir es hier zu tun haben und womit wir eventuell noch rechnen
 m=FCssen. Au=DFerdem m=FCssen wir die Lone Gunmen warnen, ich habe das
 dumpfe Gef=FChl, dass es noch nicht vorbei ist."
Mulder rieb sich die Stirn doch er ahnte nicht, dass sie diese, soeben
 getroffene Fehleinsch=E4tzung noch bitter bereuen w=FCrden.





Kapitel   XVI



Washington, D.C.
3. M=E4rz 1999,  1:50 p.m.


Er sa=DF vor dem Computer und rieb sich die Augen. Die neue Aufgabe, die er
 durch seinen Vater bekommen hatte, war nicht einfach und er hatte einige
 Zeit gebraucht, um da reinzukommen. F=FCr die Sicherheit verantwortlich zu
 sein, verlangte seine volle Aufmerksamkeit, nichts durfte ihm entgehen. Er
 war gerade dabei einige Sicherheitscodes zu =FCberpr=FCfen, als das Telefon
 klingelte.
"Spender"  meldete er sich.
"Sir, wir haben ein Problem, sie sollten sich das einmal ansehen."  Es war
 ein Mitarbeiter der Computersicherheit und es klang, als ob es eilig w=E4re
.
Spender verlie=DF mit einem unguten Gef=FChl sein B=FCro und als ihn der
 Mitarbeiter empfing, konnte er an dessen Gesichtsausdruck erkennen, dass
 sein Gef=FChl best=E4tigt werden sollte.
"Jemand, der nicht autorisiert ist, hat sich in unser System eingeloggt und
 Dateien abgerufen."
"Wer und was f=FCr Dateien."
"Wer wissen wir noch nicht und bei den Dateien handelt es sich um
 Grob=FCbersichten einiger Projekte, die mit der Sicherung unserer Arbeit zu
 tun haben. Dabei handelt es sich unter Anderem um Ma=DFnahmepl=E4ne zur
 =DCberwachung bestimmter Einrichtungen und Gruppierungen. Die waren lange
 genug drin, um Spuren zu hinterlassen und ich denke, ihr Weg l=E4sst sich
 zur=FCckverfolgen."
"Dann tun sie das! Verdammt und ich dachte, so was kann bei unseren st=E4ndi
g wechselnden Codes nicht passieren. Ich w=FCnsche st=E4ndige und
 unverz=FCgliche Berichte =FCber das, was sie finden."
"Ja Sir" Damit machte sich der Mitarbeiter an die Arbeit und Spender ging
 zur=FCck in sein B=FCro. W=FCtend lie=DF er sich auf seinen Stuhl fallen
 und gr=FCbelte, ob er sofort Meldung machen sollte, oder nicht. F=FCrs
 Erste entschloss er sich dann aber, die Ergebnisse der Nachforschungen
 abzuwarten. Das Telefon riss ihn aus seinen Gr=FCbeleien, er meldete sich
 und war aufs =C4u=DFerste gespannt.
"Also, wer immer hier drin war, hat das sehr ungeschickt angestellt. Bisher
 konnte ich feststellen, dass eine Datenleitung aus Deutschland benutzt
 wurde."
"Aus Deutschland?"  Spender war =FCberrascht.
"Ja Sir, das ist aber noch nicht alles.  Nachdem ich nun etwas intensiver
 nachgesehen habe konnte ich feststellen, dass diese Dateien nicht zum
 ersten Mal angezapft wurden, allerdings war derjenige wesentlich cleverer
 so dass ich nicht feststellen kann, wo es herkam. Jedenfalls wurden vor
 l=E4ngerer Zeit Dateien kopiert und es war jemand am Werk, der sein
 Handwerk gut verstand. Das Einzige was ich dar=FCber finden kann ist, dass
 da von einer Datenleitung aus -sterreich zugegriffen wurde."
"Also mindestens zweimal in k=FCrzester Zeit und in beiden F=E4llen von
 Europa aus." stellte Spender fest,  "Warum, verdammt noch mal, ist davon
 bisher nichts bemerkt worden?"  schnauzte er den Mitarbeiter an.
"Das wei=DF ich nicht Sir,"  gab der kleinlaut zu,  "eventuell, weil diese
 Daten nicht die h=F6chste Sicherheitspriorit=E4t haben."     Spender
 schnaufte.
"Sie =FCberpr=FCfen auf der Stelle alle Zug=E4nge, welcher Priorit=E4t auch
 immer, ist das klar?"
"Jawohl Sir." 
Spender knallte den H=F6rer auf und lehnte sich zur=FCck. Wenn da mehr nach
 Au=DFen gedrungen war, konnte er sich frisch machen. Nerv=F6s trommelte er
 mit den Fingern auf die Tischplatte, hielt es aber nach einiger Zeit nicht
 mehr aus und ging in den Rechnerraum, in dem der Mitarbeiter die
 =DCberpr=FCfung durchf=FChrte.
"Schon was gefunden?"  Er setzte sich neben ihn.
"Noch nicht, aber das Programm ist gleich fertig."



Berlin
3. M=E4rz 1999,  8:40  p.m.


Mulder telefonierte erneut mit Langly und hatte wieder das Telefon laut
 gestellt, damit Scully und Jan alles verstehen konnten. Vor knapp einer
 Stunde hatte er seine Freunde von der neuesten Entdeckung informiert und
 sie gewarnt, aber sie meinten nur, er solle sich um sie mal keine Sorgen
 machen und baten um die Adresse, die sie bei Andrea gefunden hatten.
"Also Mulder, eins steht fest, der Benutzername desjenigen auf dem Server
 ist ein Synonym und zwar EV130. Wer immer sich dahinter verbirgt, hat
 jedenfalls dar=FCber E-Mails verschickt und empfangen und das Virus dort
 stationiert. Dieser Datentransfer m=FCsste sich eigentlich zur=FCckverfolge
n lassen, aber damit wir erstmal einen Anhaltspunkt bekommen, brauchen wir
eine Liste der Mitglieder der Gruppe und deren e-mail Adressen."
"Die kann ich euch mailen."  meinte Jan und bat um Mulders Handy.
"Wie lange dauert das etwa?"
"Zwei Minuten vielleicht, ich rufe Christian an, der bei mir zu Hause ist,=
 um eventuelle Neuigkeiten sofort durchzustellen, und bitte ihn, die Mail
 sofort abzuschicken."
"Gut, EV wohnt in jedem Fall nicht in Bonn. Wir haben vor, die Liste mit den
 Namen von Empf=E4ngern von Mails zu vergleichen, damit sich die Zahl der
 M=F6glichkeiten hoffentlich etwas verringert."
"Du meinst, wir finden dort die Namen der Opfer?"    Mulder zog die Brauen
 hoch.
"Zumindest die der ersten beiden und den von David und da der Account erst
 vor kurzer Zeit eingerichtet wurde, finden wir mit etwas Gl=FCck nicht sehr
 viele mehr und bekommen eventuell einen Hinweis darauf, wer als n=E4chstes
 vorgesehen ist."
"Mann Langly, ich hoffe nur, deine Rechnung geht auf."
"Tja Mulder, das hoffe ich auch, aber soviel Traffic hat von EV aus nicht
 stattgefunden und einige Adressen wiederholen sich."  Eine kurze Pause
 entstand und sie h=F6rten am anderen Ende nur Ger=E4usche.
"Ist irgendwas?"  Mulder wurde unruhig.
"Die Mail ist eingetroffen, mehr nicht. Ich kopiere jetzt die Liste in mein
 Programm ......... warte.......so........und jetzt starte ich es
 ................ aha, fast alles =DCbereinstimmungen Mulder. Von EV aus
 gingen Kontakte ausschlie=DFlich an Mitglieder der Gruppe, bis auf einen,=
 der ging ............ ich sehe gerade mal nach  ................ ach ja, an
 einen Sicherheitsdienst in M=FCnchen."
"Das zweite Opfer"   kommentierte Scully.
"Wahrscheinlich, die anderen Kontakte waren mit der Mailbox von David,=
 siebenmal insgesamt, mit dem ersten Opfer und  ........ Moment mal
 .........."
"Langly?"   Mulder trat dichter ans Telefon heran.
"Warte doch mal  ......... das ist doch ......... da laust mich doch der
 ......"
Mulder sah so aus, als ob er kurz vor dem Explodieren war.
"Langly!"
"Ich habe einen vierten Empf=E4nger, auch aus der Gruppe und dachte fast,=
 wir h=E4tten das n=E4chste Opfer, aber er ist kein Opfer. Mulder, von
 dieser Adresse aus ist als einziges auch gesendet worden   ..... seid ihr
 noch da?"
"Ja klar, und?"
"Es gibt nur Einen der auch gesendet hat an EV! Das bedeutet, dass derjenige
 auch das Virus dorthin gepackt hat!"
"Wer?"  fragte Jan ganz leise und schluckte.
Der Name war noch gar nicht ganz ausgesprochen, da st=FCrzten Mulder und
 Scully bereits los.
"Ich rufe zur=FCck, danke Langly."



Washington, D.C.
2:55 p.m.


"Wie lange dauert das denn noch?"
"Einen Moment, das Programm ist durch und jeden Augenblick muss das Ergebnis
 auf dem Monitor erscheinen, da ist es. Seit Anfang des Jahres haben sich
 viermal unbemerkt Hacker in unser System geschlichen."
"Viermal? Und wir haben nichts bemerkt? Ich fasse es nicht!"  Spender war
 au=DFer sich.
"Sir, jedes Mal kamen die Hacker aus Europa. Zweimal aus -sterreich auf
 die Datenbank, auf der vorhin der Alarm war und zweimal aus Deutschland.=
 Jedes Mal war es ein und dieselbe Person, ich meine, ein -sterreicher und
 ein Deutscher, die sich jeweils zweimal hier eingeloggt haben."
"Wohin hat sich der Zweite gehackt?" Spenders Stimme klang inzwischen
 bedrohlich und man sah, dass der Mitarbeiter Angst hatte, ihm eine Antwort
 zu geben.
"Wohin?!"
"Auf den Programmrechner Sir, das Virus ist kopiert worden."
"Agghhh"  Die Wut brach aus Spender heraus und er schlug hart mit beiden
 F=E4usten auf den Tisch. Wie ein gefangenes Tier im K=E4fig begann er
 gehetzt hin und her zu gehen und nachdem er sich etwas beruhigt hatte,=
 drehte er sich zu dem Mitarbeiter  um und sagte ganz leise, aber mit einem
 Funkeln in den Augen, dass den armen Kerl den Kopf einziehen lie=DF:
"Finden sie heraus von wem und finden sie es schnell heraus." Sein Gegen=FCb
er nickte hastig und Spender wandte sich zum Gehen. Noch in der T=FCr drehte
 er sich um:
"Und zu niemandem ein Wort!"
Er war sich dar=FCber im Klaren, dass er das nicht weitermelden konnte,=
 damit w=E4re er erledigt. Eine solche Schlappe wurde hier nicht geduldet
 und er war verantwortlich. Was er jetzt brauchte, war ein Schluck zur
 Beruhigung, dann setzte er sich hin und wartete. Es dauerte geraume Zeit
 bis das Telefon klingelte.
"Was hat denn da so lange gedauert?"  fauchte er gleich los,  "ich hoffe f
=FCr sie, dass sie Erfolg hatten."
"Ja Sir, ich habe das Virus gefunden, allerdings hat es jemand benutzt. Es
 hat mehrere mysteri=F6se Todesf=E4lle gegeben und zwar innerhalb einer
 Gruppe, die auch auf unserer =DCberwachungsliste steht."
"Wer hat uns das Virus geklaut?"
"Sie werden es kaum glauben, aber es ist jemand aus dieser Gruppe selbst."
Spender notierte den Namen und h=E4ngte auf, nicht ohne vorher noch einmal
 auf absolute Verschwiegenheit hinzuweisen. Erneut griff er zum Telefon und
 w=E4hlte eine Nummer, diesmal allerdings mit seinem Handy. Es war eine
 Nummer in Berlin und nach einem kurzen Wortwechsel beendete er das
 Gespr=E4ch:
"Sie nehmen Morgen den ersten Flug nach Bonn, sie wissen Bescheid!"



Kapitel   XVII



Bonn
4. M=E4rz 1999   5:10 a.m.


Mulder schlich leise aus dem Auto, um Scully, die auf dem R=FCcksitz lag,=
 nicht zu wecken und ging in die Rastst=E4tte. Der kleine Waschraum erf=FCll
te seinen Zweck und nachdem er eine Karte der Region gekauft hatte, betrat
 er das Schnellrestaurant. Zwar hatten ihm die knapp anderthalb Stunden
 Schlaf f=FCrs Erste gereicht, aber Fr=FChst=FCck und vor allen Dingen
 Kaffee w=FCrden ihm jetzt gut tun. Auf der Fahrt hatten sich beide mit dem
 Fahren abgewechselt, kurz vor Bonn waren sie sich aber einig gewesen, dass
 eine l=E4ngere Pause nicht schaden w=FCrde, zumal sie mitten in der Nacht
 eh nichts ausrichten konnten. Mulder hatte die dritte Tasse Kaffee vor sich
 und studierte die Karte, als Scully das Restaurant betrat. Auch sie hatte
 sich etwas frisch gemacht, holte sich Fr=FChst=FCck und setzte sich zu ihm.
"Na, schon eine Idee wie weit es noch ist?"
"Nicht mehr sehr weit. Wir m=FCssen zu einem Ort bei Bonn und sollten es in
 einer Stunde bis dahin schaffen."
"Denkst du, dass er die Wahrheit sagen wird, wenn wir ihn zur Rede stellen?"
"Ich hoffe, denn die Indizien sind ja erdr=FCckend und sich da rauszureden
 d=FCrfte ihm schwer fallen."
"Dann sollten wir nicht mehr viel Zeit verlieren."
Sie beendeten das kurze Fr=FChst=FCck, fuhren los und waren tats=E4chlich
 nach gut einer Stunde in Meckenheim. Die Adresse war nicht schwer zu
 finden, so gro=DF war der Ort nicht und ohne lange zu z=F6gern, klingelten
 sie. Nachdem sich nichts r=FChrte, auch nach mehrmaliger Wiederholung
 nicht, mussten sie f=FCrs Erste entt=E4uscht feststellen, dass niemand zu
 Hause war. So konnten sie nichts weiter tun, als warten, was sie nicht
 gerade erfreute, da es noch immer bitterkalt war und so die vorhandene
 W=E4rme im Auto nicht lange anhalten w=FCrde. Bis zum sp=E4ten Vormittag
 tat sich nichts und sie begannen zu zweifeln, ob die Idee hier zu warten
 die richtige gewesen war. Zwei Stunden zuvor hatte Langly angerufen um
 ihnen mitzuteilen, dass der Server, auf dem sich EV130 befand, ausgefallen
 war und die Vermutung lag nahe, dass das mit diesem Fall zu tun hatte. Es
 gab keinen besseren Weg alle Spuren zu vernichten, als ein Festplattencrash
 und was diesen ausgel=F6st hatte, w=E4re auch nicht mehr nachzuvollziehen.=
 Im Grunde warteten sie nun hier, ohne noch einen Beweis in den H=E4nden zu
 haben. Nat=FCrlich konnten sie bluffen, mehr aber nicht und wenn es hart
 auf hart kommen w=FCrde, w=E4re der Misserfolg fast garantiert. Die K=E4lte
 hatte begonnen an ihnen empor zu kriechen und drang ihnen bis in die
 Knochen, als sie das Geheul einiger Feuerwehr- und Rettungswagensirenen
 aufhorchen lie=DF. Sie beschlossen, aus einem Instinkt heraus, dem
 nachzugehen und fanden bald den Weg, der sie zu einer Br=FCcke f=FChrte,=
 die eine Bahnlinie =FCberquert. Hastig sahen sie Feuerwehrleute, =C4rzte
 und Polizeibeamte durch die Gegend laufen, augenscheinlich in dem Bem=FChen
 einer oder mehrerer Personen unterhalb der Br=FCcke zu helfen. Als sie
 n=E4her traten konnten sie verstehen, dass offenbar jede Hilfe zu sp=E4t
 kam. Ein Selbstm=F6rder hatte ganze Arbeit geleistet und sich nicht nur von
 der Br=FCcke gest=FCrzt, sondern damit gewartet, bis er direkt in einen
 fahrenden Zug springen konnte. Es musste ein grauenhafter Anblick sein, der
 sich den Helfern bot, denn einige gingen leichenblass zu ihren Fahrzeugen
 zur=FCck. Vorsichtig versuchte sich Scully zu erkundigen, um wen es sich
 handelte und nach einer Weile kam sie zu Mulder zur=FCck und nickte nur.
"Es war Nicolas."  Mulder r=FChrte sich nicht.
"Und wir haben vor seinem Haus gesessen, anstatt ihn zu suchen."
"Wo h=E4tten wir denn suchen sollen, Mulder? An jeder Haust=FCr klingeln:
 entschuldigen sie, ist Nicolas zuf=E4llig hier?"  Sie lehnte sich neben
 Mulder ans Auto.
"Gott Mulder, w=E4re er doch nur zu Hause gewesen."
"Ja"  mehr konnte er nicht sagen, er f=FChlte sich genau so mies wie sie.=
 Langsam massierte er mit den Fingern seiner rechten Hand Schl=E4fe und
 Stirn und als er Scully ansah murmelte er:
"Wahrscheinlich werden wir nicht einmal mehr erfahren warum. Kein einziger
 Beweis ist uns geblieben, nur ein Haufen Vermutungen und die Tatsache, dass
 er noch einige aus seiner Gruppe mitgenommen hat in den Tod."
"Vielleicht war er ja auch nur ein Opfer,  das n=E4chste."
"Scully, das Virus kam von ihm selbst ..."
Sie nickte und sah Mulder resignierend an.
"Komm, las uns fahren."



11:10 a.m.


Der Wagen rollte zur=FCck in Richtung Bonn. Der Mann hinter dem Steuer griff
 nach seinem Handy und w=E4hlte die Nummer.
"Smith hier..." er h=F6rte einen Moment zu, "  ... ja Sir, alles erledigt
 ......... genau wie sie es gew=FCnscht haben, ja.. Er hat noch gesungen wie
 ein V=F6gelchen, zwar erst nach einem Spezialmittel, aber die Motive, die
 ihn dazu getrieben haben, sind jetzt klar .........  Das Virus ist
 vernichtet?  Gro=DFartig, dann brauchen wir uns ja keine Sorgen mehr zu
 machen  ..........  Nein Sir, keine Sorge, an dem, was von ihm noch =FCbrig
 ist, wird man keine Spuren mehr finden. ........... Nach Washington?  Ich
 dachte, ich fliege nach Berlin zur=FCck ...........   pers=F6nlich
 berichten  ..........  jawohl Sir, bis Morgen." 
Damit h=E4ngte er auf und man sah ihm an, dass er nicht sonderlich davon
 begeistert war, dass er, anstatt nach Berlin zur=FCck zu fliegen, in
 Washington zu erscheinen hatte.



Berlin
4. M=E4rz 1999   8:20 p.m.


Sie waren ziemlich ersch=F6pft, als sie im Hotel ankamen. Eigentlich wollten
 sie nur noch in Ruhe etwas essen und dann ins Bett gehen. Von unterwegs
 hatten sie Jan angerufen und ihm alles berichtet und von der Tatsache, dass
 das Warum nun f=FCr immer im Verborgenen bleiben sollte, war niemand
 begeistert. Zwar w=FCrden sie versuchen, noch irgendwie etwas =FCber die
 Hintergr=FCnde herauszubekommen, ob ihnen das aber gelingen w=FCrde war
 fraglich. Sie waren die einzigen G=E4ste im Restaurant und konnten so
 ungest=F6rt =FCber alles reden.
"Wei=DFt du Mulder, irgendwie ist es schon makaber, dass er sein Virus
 ausgerechnet EV genannt hat und dem Usernamen noch die 130 angeh=E4ngt
 hat."
"Makaber schon, aber doch irgendwie logisch."  Er drehte sein Glas zwischen
 den Fingern und sah nicht auf.  "Eliminate Virus und alle 130 Mitglieder
 der Gruppe sollten wahrscheinlich sterben, einschlie=DFlich ihm selbst. Der
 Gedanke ist erschreckend und fast kann man da froh sein, dass wir ihn
 stoppen konnten und ... nur ... 7 Opfer zu beklagen sind." Mulder stellte
 sein Glas ab und sah Scully an. 
"Ich h=E4tte nur zu gern gewusst, was ihn dazu getrieben hat, schlie=DFlich
 geh=F6rte er doch auch zu ihnen."
"Vielleicht erfahren wir das ja, wenn wir den Bericht bekommen, in dem
 sicher auch etwas mehr zu seinem pers=F6nlichen Umfeld stehen wird."
"Du glaubst also, dass es etwas pers=F6nliches ist?  Warum hat er dann aber
 nur Mitglieder von AAGP umgebracht?"
"Keine Ahnung Mulder und ich denke, das werden wir, wenn =FCberhaupt, erst
 erfahren, wenn wir wieder zu Hause sind. Erst mal sollten wir jedenfalls
 froh sein, dass alles vorbei ist."
"F=FCr uns Scully, die Anderen werden daran sicher noch lange zu knabbern
 haben."



New York
5. M=E4rz 1999    2:00 p.m.


Spender hatte feuchte H=E4nde, ihm war nicht sonderlich wohl. Vor die K=F6pf
e des Ganzen zitiert zu werden, war kein gutes Zeichen und er ahnte, dass
 doch irgend jemand gequatscht haben musste. Neider gab es genug und gewiss
 hatten es einige auf seinen Posten abgesehen, die auf Grund der Tatsache,=
 dass er durch seinen Vater dort war, wo er jetzt war, =FCbergangen wurden.=
 Er w=FCrde es nicht leicht haben sich herauszureden, aber zum Gl=FCck
 konnte er die Sache ja noch bereinigen. Das Zimmer, in das er gerufen
 wurde, war voll von Rauchschwaden, fast jeder der Anwesenden hatte eine
 Zigarre oder Zigarette in der Hand. Da er bis zu seiner Anh=F6rung eine
 ganze Zeit gewartet hatte stand zu vermuten, dass =FCber die Vorf=E4lle
 bereits ausf=FChrlich gesprochen worden war. Jetzt, da er dort mitten im
 Raum stand, kam er sich vor wie ein Kaninchen auf der Schlachtbank.
"Mr. Spender, wir m=F6chten gerne wissen, wie es dazu kommen konnte, ohne
 dass sie davon etwas mitbekommen haben. Wir hatten eigentlich erwartet,=
 dass unser Sicherheitskonzept so etwas nicht zul=E4sst."
Spender begann zu stottern, er wusste, dass Rechtfertigungen mit Argumenten
 seine kurze Zeit auf diesem Posten betreffend, hier keinen Sinn hatten. Er
 war verantwortlich und musste nun zusehen, wie er seinen Kopf am besten aus
 der Schlinge zog. Dass die Gefahr gebannt und die Situation bereinigt war,=
 schien die Herren in dem Raum nicht sehr zu beeindrucken.
"Wir kennen das Ergebnis bereits. Haben sie eigentlich gewusst, dass Agent
 Mulder in Deutschland war, w=E4hrend unser System von dort aus angezapft
 wurde?"
Jetzt schluckte Spender, er glaubte seinen Ohren nicht zu trauen.
"Nein Sir, das wusste ich nicht."
"Dann k=F6nnen sie sicher auch nicht beantworten, ob er damit etwas zu tun
 hatte."
Spender sch=FCttelte hilflos den Kopf und hatte das Gef=FChl, als ob ihm
 jemand den Teppich unter den F=FC=DFen wegzog. Er wusste, dass er damit
 erledigt und dem Tod geweiht  war.
"Sie k=F6nnen gehen."



Berlin
6. M=E4rz 1999   10:35 a.m.


Mulder und Scully hatten gepackt und warteten nun auf Kirsten, die sie zum
 Flughafen bringen wollte. Es war aber noch genug Zeit, erst in etwa drei
 Stunden sollte die Maschine fliegen. Sie hatten gut gefr=FChst=FCckt und
 standen an der Rezeption, um sich abzumelden, als Kirsten herein kam und
 mit ihr Jan und Christian. Gl=FCcklich wirkte keiner von ihnen, aber man
 sah, dass sie froh waren, dass es endlich vor=FCber war. Nerven gelassen
 hatten sie alle zur Gen=FCge und nun hie=DF es f=FCr jeden individuell die
 Geschehnisse zu verarbeiten.
Sie wandten sich den Dreien zu und Mulder zog andeutungsweise, wie
 entschuldigend, die Schultern hoch.
"Wir m=FCssen nun zur=FCck, aber ich denke, wir bleiben in Kontakt."    Jan
 nickte.
"Das w=FCrde uns freuen. Wir wollten uns f=FCr die Hilfe bedanken, ohne die
 das Virus noch immer unter uns w=FCten w=FCrde."  Er reichte Scully und
 Mulder die Hand und Scully erwiderte:
"Schade nur, dass trotz allem noch so viel offen bleibt. Sobald wir den
 Bericht haben und dieser noch irgendwie Aufschluss =FCber die Hintergr=FCnd
e geben sollte, melden wir uns."
"Vielen Dank"  verabschiedete sich auch Christian und w=FCnschte ihnen einen
 guten Flug. Sie wechselten noch ein paar Worte, w=E4hrend sie das Gep=E4ck
 im Auto verstauten, dann brachen sie auf.




Kapitel   XVIII



Der Weg zum Flughafen war weit und durch Staus und Baustellen ben=F6tigten
 sie anderthalb Stunden. Nat=FCrlich wurde =FCber nichts weiter gesprochen,=
 als die Vorf=E4lle der letzten zehn Tage und nachdem sie am Airport einen
 Parkplatz gefunden und das Gep=E4ck entladen hatten war es Zeit, sich auch
 vor Kirsten zu verabschieden. Sie wollte gleich zur=FCckfahren, da das Auto
 an einer nicht so g=FCnstigen Stelle stand.
"Nochmals vielen Dank f=FCr alles, allein h=E4tten wir es bestimmt nicht
 geschafft."
"Wir sind froh, dass wir helfen konnten."     Scully l=E4chelte und Mulder
 erg=E4nzte:
"Eine Truppe wie euch gibt es selten, ich  ...... "  Weiter kam er nicht, da
 in dem Moment sein Handy klingelte. Er meldete sich, sprach aber dann
 vorerst kein weiteres Wort. Es schien fast, als ob er Probleme h=E4tte zu
 verstehen, aber nicht etwa wegen einer schlechten Verbindung, sondern viel
 mehr wegen des Inhalts der Nachricht. =DCber eine Minute hielt er nur das
 Telefon an sein Ohr und lauschte mit geschlossenen Augen und leicht
 ge=F6ffnetem Mund.
"Wo?"  war seine einzige Frage und nachdem er die Antwort geh=F6rt hatte
 nickte er kurz und beendete das Gespr=E4ch mit den Worten:
"Ich rufe zur=FCck, das muss ich erst einmal verdauen."  Das Handy in der
 Hand behaltend, bedeckte er mit der anderen seinen Mund und blieb
 regungslos stehen. Nicht nur Scully wusste in diesem Moment, was das zu
 bedeuten hatte.



F=FCrth
6. M=E4rz 1999     12:30  p.m.


"Samstags zu arbeiten, so ein Bl=F6dsinn. Damit hat er uns das Wochenende
 gleich mit versaut."  meinte der Techniker der Spurensicherung.
"Das ist ja schon gestern Abend passiert. Wahrscheinlich wollte der arme
 Teufel auch sein Wochenende genie=DFen und daher noch seine Arbeit
 beenden."   erwiderte sein Kollege. Sie sahen auf, als ein Kriminalbeamter
 den Raum betrat.
"K=F6nnen sie sich schon ein Bild von dem machen, was hier passiert ist?" 
Der Techniker erhob sich und nickte.
"Eine Verkettung ungl=FCcklicher Umst=E4nde war offensichtlich die Ursache.=
 Das Ger=E4t, an dem hier gearbeitet wurde, wird mit fl=FCssigem Stickstoff
 gek=FChlt und diese K=FChlung l=E4uft vollautomatisch. Ein Fehler im System
 hat ein Austrittsventil ge=F6ffnet und so konnte der Stickstoff in den Raum
 str=F6men. Der Tote hat wahrscheinlich gar nicht mitbekommen, was mit ihm
 geschah. Er ist m=FCde geworden, eingeschlafen und erstickt. Warum
 allerdings der Stickstoffalarm nicht angesprungen ist, kann ich noch nicht
 sagen."
"Danke"  Der Kriminalbeamte sah sich in dem Raum um, als ein Kollege nach
 ihm rief, um ihn ans Telefon zu bitten. Es war Scully am anderen Ende, die
 sich, wieder unter dem Deckmantel des Studienaufenthaltes, nach
 Einzelheiten erkundigte. Es hatte sie ganz sch=F6n viel M=FChe gekostet,=
 bis zu ihm vorzudringen.
"Es handelt sich um einen tragischen Ungl=FCcksfall Agent Scully.  Herr
 Bogner, also der Tote, hatte gestern Abend hier in einem Labor gearbeitet
 und ist, verursacht durch technisches Versagen, an einer
 Stickstoffvergiftung, oder genauer gesagt, an Sauerstoffmangel gestorben.=
 Seine Leiche wurde heute Morgen beim Rundgang des Sicherheitsdienstes
 entdeckt."
Viel mehr konnte er ihr noch nicht berichten und vertr=F6stete sie auf den
 Beginn der n=E4chsten Woche. Er hatte selbst keine Lust, eines Unfalls
 wegen das ganze Wochenende zu arbeiten, aber das behielt er f=FCr sich und
 so gab er ihr Name und Adresse der Firma und widmete sich wieder seiner
 Arbeit, schlie=DFlich wollte er ja schnell fertig werden mit den
 Formalit=E4ten.



Berlin
6. M=E4rz 1999    1:10 p.m.


Sie waren auf dem Weg zur=FCck zu Jan, um dort zu =FCberlegen, was sie
 machen wollten. Nachdem Mulder den Anruf bekommen und die Anderen von
 dessen Inhalt informiert hatte, waren sich er und Scully einig, noch nicht
 abzufliegen. Scully hatte sich, noch w=E4hrend der R=FCckfahrt, bei den
 zust=E4ndigen Beamten informiert was vorgefallen war.
"Ich kann mir nicht vorstellen, dass es jetzt weitergeht, Mulder. Das Virus
 und dessen Erfinder gibt es nicht mehr und schlie=DFlich passieren ja
 wirklich manchmal Unf=E4lle."
"Und wenn es doch eine Kopie von sich selbst irgendwo hingetan hat und diese
 nun die Arbeit fortsetzt?"
"Dann h=E4tte das Langly festgestellt, er hat s=E4mtliche Kontakte die EV130
 hatte gecheckt und ein Transfer von Daten w=E4re ihm mit Sicherheit
 aufgefallen."
"Er hat aber auch zugegeben, dass das Ding eine gewisse Intelligenz besitzt.=
 Glaubst du nicht, dass es so schlau w=E4re und daf=FCr sorgen w=FCrde,=
 dass, gerade bei dem eigenen Schutz, niemand etwas bemerkt?"
"Das wei=DF ich nicht und Langly wird es nun auch nicht mehr nachvollziehen
 k=F6nnen, aber du solltest trotzdem auch die M=F6glichkeit eines Unfalls
 nicht au=DFer Acht lassen."
"Ich glaube, ob Unfall oder nicht k=F6nnte Langly feststellen, indem er das
 Netz der Firma =FCberpr=FCft. Da sehen wir dann, ob sich wieder jemand bzw.=
 etwas in deren Netz eingeloggt hat."
Sobald sie bei Jan waren kontaktierten sie die Lone Gunmen und rissen die
 Drei damit erneut aus dem Schlaf. Nachdem Mulder erkl=E4rt hatte worum es
 ging, machte sich Langly auch diesesmal sofort an die Arbeit. Am Nachmittag
 rief er zur=FCck um zu berichten, was er herausgefunden hatte.
"Schlechte Nachrichten Mulder. Einen Unfall solltest du ausschlie=DFen, es
 hat tats=E4chlich eine Manipulation des Sicherheitssystems von au=DFen
 gegeben. Noch konnte ich nicht feststellen von wo, weil hier sehr gut
 gesichert vorgegangen wurde."
"K=F6nnte es sein, dass eine Kopie des Virus aktiv geworden ist und
 inzwischen aus den Fehlern gelernt hat?"    unterbrach ihn Mulder.
"Na ja, m=F6glich w=E4r's schon, aber aus Deutschland kam dieser Kontakt
 hier nicht, soviel konnte ich herausfinden. Wer immer das war hat sich
 jedenfalls erst versichert, ob das Opfer auch anwesend war, die haben dort
 elektronische Anwesenheitskontrolle, dann wurde der Stickstoffalarm
 abgestellt und das Ventil ge=F6ffnet. Der Anschlag war absolut gezielt
 gegen den Toten gerichtet und eiskalt ausgef=FChrt."
"Wenn ich jetzt einfach mal davon ausgehe, dass das Virus noch aktiv ist,=
 k=F6nntest du doch seine Schritte zur=FCckverfolgen, oder?"
"Ich denke schon, aber das wird sicher etwas dauern, weil ich die
 Sicherheitssperren erst knacken muss."
"Langly, wir haben nicht viel Zeit, wer wei=DF wann das Ding wieder
 zuschl=E4gt."
"Ich mach' so schnell ich kann."
"Danke"  Mulder kam sich in diesem Moment ziemlich hilflos vor, aber damit
 war er nicht allein. Der Urheber dieser ganzen Trag=F6die war nicht mehr am
 Leben und alle konnten nur hoffen, dass die Lawine, die er losgetreten
 hatte, zu stoppen war. Von Langlys Erfolg hing jetzt alles ab, denn tun
 konnten sie im Moment absolut nichts.
"Vielleicht sollte man die Gruppe warnen." meinte Jan nach einigen Minuten.=
 Scully sah ihn an:
"Was willst du ihnen denn sagen? Dass das Virus wieder da ist, flei=DFig
 weiter mordet und wir absolut nichts dagegen tun k=F6nnen?"
Jan zuckte resignierend mit den Schultern.
"Wir sollten jetzt keine Panik machen und darauf hoffen, dass sich
 feststellen l=E4sst, von wo im Augenblick agiert wird."
Die tatenlose Warterei zerrte an den Nerven und jeder versuchte, sich mit
 irgend etwas zu besch=E4ftigen. Nach einigen Stunden, es war bereits
 dunkel, bestellten sie sich Pizza. Aus dem Haus zu gehen wagten sie nicht,=
 vielleicht musste man ja, wenn sich Langly meldet, an den Computer.
W=E4hrend des Essens spekulierten sie =FCber die verschiedensten
 M=F6glichkeiten, was alles passieren k=F6nnte, wenn auch nur, um sich
 abzulenken. Zeit totschlagen zu m=FCssen, obwohl man bis zum Zerrei=DFen
 gespannt war, grenzte fast an Psychoterror. Einige Male schauten sie nach,=
 ob es in der Gruppe etwas Neues gab, immer darauf gefasst, eine neue
 Hiobsbotschaft zu lesen, aber zum Gl=FCck tat sich dort nichts Aufregendes.=
 Die Langeweile begann sie m=FCrbe zu machen und so schalteten sie aus
 Verzweiflung den Fernseher ein, auch wenn Mulder und Scully nicht viel
 verstanden. Mulder war kurz vor dem Einnicken, als endlich sein Handy
 klingelte.
"Mulder"  er war aufgestanden.
"Ich habe was gut bei dir,"  begann Langly und Mulder grinste,  "wollen wir
 mal hoffen, dass es von dem Virus nur eine Kopie gibt. Die, mit der wir es
 hier zu tun haben, kommt diesmal von hier, aus den Staaten."
"Bist du sicher?" fragte Mulder ungl=E4ubig.
"Also Mulder!"
"Schon gut, schon gut, entschuldige." beschwichtigte er sofort.
"Es ist nicht einfach es genauer zu lokalisieren, weil die Sicherheitscodes
 st=E4ndig wechseln und es nicht leicht ist, die neuen jeweils zu knacken.=
 Jetzt, da ich das System erkannt habe, geht es zwar schneller, aber die
 Zeit, in der ich dann dort im Netz bin, ist dadurch ziemlich kurz. Das
 Programm konnte ich jedenfalls finden und feststellen, dass es mit neuen
 Instruktionen versehen wurde."
"So was wie Plan B, oder so?"
"M=F6glicherweise, aber ich glaube, dass ist jetzt gar nicht das Wichtigste.=
 Da ich selbst auch h=F6chst vorsichtig sein muss, gelingt es mir immer nur
 st=FCckweise und sehr m=FChsam, Details ausfindig zu machen. Dabei bin ich
 auf eine Instruktion gesto=DFen, eine Schleife im Programm, die daf=FCr
 sorgt, dass es sich nach Beendigung eines Auftrages irgendwo einloggt, um
 den n=E4chsten abzurufen. Das muss eine Art Priorit=E4tenliste sein, die
 das Virus nach und nach abarbeitet. Den, ich sage mal, zu bearbeitenden
 Namen holt es sich dann in sein Programm und beginnt mit seinen
 Vorbereitungen. Da ich noch die Mitgliederliste von Jan hier habe, konnte
 ich den Namen, der momentan dort steht, vergleichen und Mulder, es ist
 tats=E4chlich jemand aus der Gruppe."
"Das habe ich bef=FCrchtet. Kannst du das Virus stoppen Langly?"
"Ich tue was ich kann, aber ich denke, ihr solltet euch beeilen, da ich
 nicht wei=DF, wie lange ich brauchen werde. Hier ist erst mal der Name,=
 seht zu, dass ihr soviel wie m=F6glich vor Ort verhindern k=F6nnt."
Mulder notierte ihn und nun begann ein Wettlauf mit der Zeit.




Kapitel   XIX



8:40  p.m.


Diesmal waren sie alle gemeinsam aufgebrochen, da sie sich nicht sicher
 waren, ob sie sich nicht w=FCrden trennen m=FCssen. Nachdem sie eine halbe
 Stunde unterwegs waren meldete sich Langly erneut, um sie vom neuesten
 Stand zu unterrichten. Das Programm arbeitete offenbar eine Liste ab, die
 die Namen der Mitglieder der Gruppe enthielt. Nach Erledigung eines
 Auftrages loggte es sich selbst=E4ndig auf einem anderen Computer ein und
 lud den n=E4chsten Namen herunter. Wo sich dieser Computer befand wusste er
 noch nicht, aber es war klar, dass er ohne diesen zu lokalisieren keine
 Chance haben w=FCrde, das Virus zu stoppen. Da noch immer der selbe Name im
 Programm stand hofften alle, dass sie rechtzeitig eintreffen konnten, um
 die gef=E4hrdete Person zu retten, sie hatten aber noch gut eine Stunde
 Fahrt vor sich.



Cottbus
6. M=E4rz 1999,   9:10 p.m.


Wie fast jeden Abend war der Rechner eingeschaltet und er war im Netz, um
 all die Neuigkeiten des Tages zu lesen. In der Gruppe war noch immer eine
 lebhafte Diskussion =FCber die letzten Ereignisse im Gange und nat=FCrlich
 wurde =FCber die Beweggr=FCnde diskutiert, die Nicolas zu seiner Tat
 getrieben haben konnten. Da niemand auch nur die leiseste Vorstellung
 hatte, war den wildesten Spekulationen T=FCr und Tor ge=F6ffnet und einige
 Theorien erinnerten verd=E4chtig an Kriminal-, Agenten- oder sogar
 Horrorgeschichten. Man musste halt auf die offiziellen Berichte =FCber die
 pers=F6nlichen Hintergr=FCnde von Nicolas warten, auch wenn das noch einige
 Zeit dauern konnte. 
Das Telefon klingelte und unwillig nahm er das Gespr=E4ch entgegen. Ein
 Handy hatte zwar seine Vorteile, er konnte telefonieren, auch wenn sein
 Modem die Leitung blockierte, im Augenblick w=FCnschte er sich aber, er
 h=E4tte nicht vergessen es abzuschalten.
"Ja bitte"
"Hi Cornell, ich bin es, Sandra. Wir feiern gerade eine Party. Hast Du nicht
 Lust vorbei zu kommen?"
Mit einem Seitenblick auf den Monitor antwortete er:
"Heute nicht mehr, hab' keine Lust."
"Wohl wieder im Internet was?" kam es ironisch zur=FCck.
"Na ja, ist halt manchmal interessanter als Smalltalk." er grinste.
"Du und Smalltalk," Sandra lachte,  "aber irgendwann m=FCssen sich ja selbst
 deine Stimmb=E4nder mal ausruhen."
"Na warte!" jetzt lachte auch er lauthals.
"Also dann, bis Montag."
"Ja, bis dann."   Er schaltete ab, noch immer lachend, aber einen Augenblick
 sp=E4ter nahm ihn wieder die Diskussion gefangen.
Nach etwa einer Dreiviertelstunde meldete sein Mailprogramm, dass er Post
 hatte, woraufhin er nachsah, von wem die Mail war. Den Absender kannte er
 nicht, da aber im Subjekt "important for the group"  stand z=F6gerte er
 nicht lange und =F6ffnete die Mail. Eine Nachricht enthielt sie nicht, nur
 den Hinweis auf ein Attachment. Jetzt z=F6gerte er doch einen Moment und
 gr=FCbelte, ob ihm die Adresse des Absenders nicht doch bekannt vorkam. Es
 war nicht an dem, aber das "important" des Subjekts stach ihm in die Augen.=
 Die Neugierde siegte letztendlich, au=DFerdem war ja das Virus und dessen
 Urheber nicht mehr da, was sollte also passieren. Er klickte das Attachment
 an und war erstaunt, als sich ein Videoprogramm =F6ffnete. So ein Videofile
 runterzuladen dauerte schon einige Zeit und er hatte gar nichts bemerkt.=
 Dann fiel ihm aber ein, dass er schon l=E4nger im Netz  war und das Laden
 im Hintergrund abgelaufen sein konnte. Gespannt wartete er, zuerst tat sich
 nichts, nur ein statisches Rauschen und ein ganz hohes Pfeifen, welches
 aber nach einigen Sekunden verschwand. Das Bild blieb noch immer schwarz,=
 er wunderte sich und pl=F6tzlich sp=FCrte er einen leichten Druck in den
 Ohren. Da er aber neugierig auf das kleine Videofenster starrte, schenkte
 er dem keine Beachtung. Kurz danach erschien ein Gewirr aus bunten Farben,=
 von denen er sich zuerst geblendet f=FChlte, aber bald schien er davon so
 beeindruckt zu sein, dass es den Anschein hatte, als w=FCrde er um sich
 herum nichts mehr wahrnehmen. Nach einer Weile stand er pl=F6tzlich
 unvermittelt auf und ging, fast wie in Trance ins Badezimmer und begann,=
 sich ein Bad einzulassen.



10:00  p.m.


"Sehr weit kann es ja nun eigentlich nicht mehr sein." bemerkte Mulder
 ungeduldig und sah zur Uhr. Der einsetzende Regen hatte etwas die
 Orientierung erschwert, wodurch sie etwas Zeit verloren hatten. Langly
 hatte beim Checken der Aktivit=E4ten des Virus festgestellt, dass es an
 Cornell eine l=E4ngere Mail geschickt hatte und nun waren alle aufs H=F6chs
te besorgt. Scully versuchte mehrfach ihn telefonisch zu erreichen, jedoch
 immer vergebens. Erneut w=E4hlte sie nun seine Nummer.
"Immer noch besetzt."  stellte sie resignierend fest.
"Das kann nur bedeuten, dass er ein l=E4ngeres Telefongespr=E4ch f=FChrt,=
 oder per Modem im Netz ist." kommentierte Jan.
"Letzteres w=FCrde ich f=FCr wahrscheinlich halten." Mulder sah kurz in den
 R=FCckspiegel. "Hoffentlich ist er zu besch=E4ftigt, um die Mail gleich zu
 =F6ffnen. Mir ist gar nicht wohl bei der Sache, ich mache mir die gr=F6=DFt
en Sorgen." Am liebsten wollte er noch schneller fahren, aber die schlechten
 Sichtverh=E4ltnisse lie=DFen das nicht zu.
"Das geht uns allen so Mulder."   Scully versuchte, nachdem sie die Stadt
 erreicht hatten, die Stra=DFennamen zu entziffern, um sich wenigstens etwas
 zu orientieren. Es half nicht viel, da sie ja ohnehin nicht wussten, in
 welche Richtung sie fahren mussten, um Cornells Stra=DFe zu finden. Ohne
 Hilfe w=FCrden sie nicht weiterkommen und so hielten sie kurz entschlossen
 an der n=E4chsten Tankstelle. Der Kassierer dort hatte einen Stadtplan und
 nachdem sie die richtige Stra=DFe gefunden hatten, versuchte er umst=E4ndli
ch zu erkl=E4ren, wie sie am g=FCnstigsten fahren sollten. Ganz einfach war
 das nicht und wie es aussah, war es von ihrem jetzigen Standort ziemlich
 weit entfernt. Scully wurde nerv=F6s, versuchte aber, sich die g=FCnstigste
 Route einzupr=E4gen. Voll waren die Stra=DFen nicht mehr und so lotste sie
 Mulder, so gut sie eben konnte, durch die Stadt. Viele Minuten vergingen
 und man merkte, wie jeder, um so n=E4her sie kamen, immer aufgeregter
 wurde.



10:10 p.m.


Das Wasser dampfte in der Wanne und langsam, fast wie in Zeitlupe, begann
 Cornell, sich zu entkleiden. Noch einmal setzte er sich vor den Computer,=
 um die Videosequenz, die immer und immer wieder lief, anzusehen.  Auf
 nichts reagierte er mehr, nicht einmal auf das Rufzeichen seines Handys.=
 Die Welt um ihn herum existierte nicht mehr.
Als letztes, bevor er ins Wasser stieg, legte er den F=F6n neben sich auf
 den Badewannenrand und steckte den Stecker in die Steckdose.



10:15   p.m.


Sie hatten die Stra=DFe endlich gefunden und Mulder preschte sie, ohne auf
 irgend welche Tempolimits zu achten, entlang. Weit war es nicht mehr, die
 Hausnummern n=E4herten sich der gesuchten und endlich hielt der Wagen mit
 quietschenden Bremsen vor dem Eingang. Im selben Augenblick wurde das
 gesamte Haus finster, s=E4mtliche Lichter verloschen. Sie hielten den Atem
 an und waren f=FCr Sekunden vor Schreck wie gel=E4hmt. 
Pl=F6tzlich schlug Mulder mit beiden H=E4nden aufs Lenkrad, er war au=DFer
 sich vor Wut und Entt=E4uschung.
"Verdammt!  Verdammt, verdammt."    Er legte den Kopf auf die Arme und war
 nicht mehr f=E4hig sich zu r=FChren. Nicht nur er, auch alle anderen rangen
 mit sich, um nicht die Fassung zu verlieren.
Sie waren zu sp=E4t gekommen ...











Kapitel   XX



Cottbus
7. M=E4rz 1999,  1:05  a.m.


Sie waren alle fix und fertig. Die untersuchenden Beamten hatten jeden lange
 befragt, man war zun=E4chst stutzig geworden, weil sie genau zum Zeitpunkt
 des Todes vor Ort gewesen waren. Den Verdacht gegen sie konnten sie zwar
 zerstreuen, mussten sich aber den Vorwurf gefallen lassen, dass sie die
 Vermutung einer Gefahr f=FCr Cornell nicht den Beh=F6rden mitgeteilt
 hatten. Es wusste zwar jeder, dass auf Grund von Vermutungen nicht viel
 unternommen wird, aber die Ermittler mussten halt ihrer Pflicht nachkommen.=
 Seit fast zwei Stunden sa=DFen sie nun in dem, inzwischen wieder
 beleuchteten, Treppenflur, froren, sehr zum Leidwesen von Mulder, und
 warteten darauf, endlich entlassen zu werden. Nach weiteren gut 20 Minuten
 Warterei durften sie dann endlich gehen. Zun=E4chst war es notwendig, f=FCr
 diese Nacht eine Bleibe zu finden, was ihnen in der N=E4he des Bahnhofes
 auch gelang und ohne viele Worte zogen sie sich in die Zimmer zur=FCck.=
 Mulder warf seinen Mantel =FCber einen Stuhl und lie=DF sich, so wie er
 war, aufs Bett fallen und war einen Augenblick sp=E4ter eingeschlafen.
Nach knapp drei Stunden wurde er j=E4h aus dem tiefsten Schlaf gerissen. Er
 begriff nicht sofort, was es gewesen war und wo er =FCberhaupt war.=
 Verwirrt sah er sich um, bis ihm klar wurde, was ihn eigentlich geweckt
 hatte, sein Handy. M=FCde meldete er sich, aber seine Sinne waren in dem
 Moment hellwach, in dem er den Anrufer erkannte. Es war Langly, der
 ziemlich aufgeregt klang und seine Nachricht bestand auch lediglich aus
 drei S=E4tzen, woraufhin Mulder kurz die Augen schloss und dann antwortete:
"Langly, ich rufe dich in etwa zwei Stunden zur=FCck. Wei=DFt du dann schon
 mehr?"
"Das hoffe ich, bis dann."
Nun blieb ihm nichts weiter =FCbrig, als auch die Anderen zu wecken, sie
 mussten los. Das Virus war sehr aktiv geworden, ein neuer Name stand im
 Programm!
Kurz nach f=FCnf waren sie wieder unterwegs und alle hatten nur einen
 Wunsch, diesmal nicht zu sp=E4t zu kommen.



7:40  a.m.


Bisher verlief die Fahrt ziemlich ruhig, ein Gespr=E4ch wollte nicht so
 recht in Gang kommen. Schlafen konnte zwar niemand, dazu sa=DFen sie zu
 eng, aber jeder zog es doch vor, seinen eigenen Gedanken nachzuh=E4ngen. Da
 Kirsten jetzt fuhr nutzte Mulder die Zeit, um noch einmal alle seine
 bisherigen Notizen durchzusehen. Eigentlich hatte er es nicht n=F6tig, er
 hatte sie im Kopf, aber diese Methode hatte ihm schon oft geholfen, neue
 Denkanst=F6=DFe zu finden. Jan hatte in der Zwischenzeit herausgefunden, wo
 sich das Gruppenmitglied, das jetzt in Gefahr war, derzeit aufhielt. Die
 Eltern hatten ihm mitgeteilt, dass es im Krankenhaus lag und zwar schon ein
 paar Tage. Mit dem geplanten Anschlag hatte das also offenbar noch nichts
 zu tun und in einem Krankenhaus, in dem ja die Patienten st=E4ndig unter
 Beobachtung stehen, glaubten sie, sei die Sicherheit bis zu ihrem
 Eintreffen durchaus gew=E4hrleistet. Eine akute Sorge waren sie also erst
 einmal los. Scully hatte ihren Laptop auf dem Scho=DF und rief die neuesten
 Mails ab.
"Der Abschlu=DFbericht von der Kriminalpolizeidienststelle, die den Tod von
 Nicolas untersucht hat, ist eingetroffen."  stellte sie fest.
"Und?"  Mulder sah neugierig von seinen Notizen auf.
"Viel ist dabei nicht herausgekommen. Er war schon immer ein Sonderling
 gewesen, schon als Kind. Nach den Einsch=E4tzungen der Psychologen hatte er
 einen =FCbersteigerten Gerechtigkeitssinn, was ihm h=E4ufig =C4rger mit
 Lehrern und Erziehern einbrachte."
"Mit Erziehern?"  unterbrach sie Mulder.
"Ja, er hat sehr fr=FCh seine Mutter verloren und wuchs beim Vater auf und
 immer, wenn der mal dienstlich wegfahren musste, wurde er in einem
 Kinderheim untergebracht."
"Kam das h=E4ufiger vor?"
"Wahrscheinlich, sein Vater ist leitender Wissenschaftler in einem
 Forschungsinstitut und in solchen Positionen sind Dienstreisen zu Tagungen
 und Kongressen keine Seltenheit. Hier steht weiter, dass die Reaktionen von
 Nicolas heftiger wurden, um so =E4lter er wurde und dass er deshalb auch
 beim Bund ein paarmal kurz im Bau gesessen hatte. Das war aber wohl alles
 nie so ernst, dass jemand auf die Idee gekommen w=E4re, dass er
 psychologische Hilfe ben=F6tigte."
"Wie immer"  murmelte Mulder.
"Ausl=F6ser f=FCr seine Verzweiflungstat war augenscheinlich die Tatsache,=
 dass sich sein Vater gerade vor einem Untersuchungsausschuss, wegen
 irgendwelcher dienstlicher Dinge, verantworten muss"  Scully sah auf.
"Steht da auch, worum es da geht?" wollte Mulder wissen.
"Nein, der Bericht hier betrifft ja Nicolas und nicht seinen Vater. Ich
 werde aber mal nachhaken."
"Das w=E4re gut und ich rufe inzwischen Langly an, die zwei Stunden sind ja
 l=E4ngst um."
"Hi Mulder"  begann der gleich loszusprudeln,  "ich habe einige dolle
 Neuigkeiten. Du kannst dich doch noch erinnern, von wo ihr diese hei=DFen
 Daten runtergeladen hattet, nicht?"
"Ja, von einem CIA-Rechner, warum?"
"Weil das ein Irrtum war. Du hattest eine Telefonnummer erkannt, die
 tats=E4chlich eine CIA-Nummer war. Allerdings sollten die, genau wie AAGP,=
 Objekte eines Projektes werden, oder sind es bereits, zumindest vermute ich
 das."
"Wie meinst du das, du vermutest?"
"Ich habe den Computer lokalisiert, von dem aus das Virus arbeitet."
..................
"Mulder, bist du noch da?"
"Ehm, ja, nat=FCrlich. Das ist .... ich meine, kannst du es jetzt stoppen?"
"Leider noch nicht, ich bin zu schnell wieder rausgeflogen, aber ich wei=DF
 jetzt, wer dahintersteckt und, Mulder, es =FCbertrifft deine schlimmsten
 Erwartungen!"
"Langly, bitte, treib mich nicht in den Wahnsinn!"
"Das Konsortium steckt hinter dem ganzen Spuk."
"Das Konsortium?  Gro=DFer Gott,  wenn ich das geahnt h=E4tte!"
"Mach dir jetzt blo=DF keine Vorw=FCrfe Mulder. Ich habe auch erst, nachdem
 ich das herausgefunden hatte, genauer die Umst=E4nde von Nicolas Tod
 durchleuchtet. Er ist angerufen worden, an dem Morgen, als er starb."
"Angerufen worden?  Von wem?"
"Von einem Mister Smith."  Mulder glaubte fast zu h=F6ren, wie Langly jetzt
 am anderen Ende grinste und er wusste, was er nun als Antwort erwartete. 
Er tat ihm den Gefallen:
"Mister Smith, toll, seltener Name."
"Ja, sehr einfallsreich was? Jedenfalls habe ich, nachdem ich festgestellt
 hatte, dass der Anruf vom Flughafen Bonn kam,  die Passagierliste gecheckt
 und festgestellt, dass er mit dem ersten Flug aus Berlin gekommen war. Auf
 diese Weise habe ich den Namen erfahren, ich wusste ja jetzt, wonach ich zu
 suchen hatte. Der Rest war nicht sehr schwer. Mister Smith ist Mitarbeiter
 einer amerikanischen Handelsfirma und wurde einen Abend zuvor aus New York
 angerufen."
"Vom Konsortium."
"Das nehme ich an und sicher ist er nicht einfach nur Mitarbeiter einer
 Handelsfirma. Er wurde noch am selben Tag in die USA zur=FCckgerufen."
"Dann war Nicolas Tod kein Selbstmord, sondern Mord!"
"Vermutlich"
"Und vermutlich haben sie sich auch, bevor sie ihn umgebracht haben, genau
 versichert, wie viel er wusste, bzw. weitergegeben hatte."
"Bestimmt, Zeit genug h=E4tte Smith gehabt. Zwischen dem Anruf und dem Mord
 lagen ein paar Stunden."
"Meinst du, du kannst Zugang zum Virus finden und es aufhalten?"
"Irgendwann, aber verlasst euch bitte nicht darauf Mulder. Wie lange braucht
 ihr denn noch?"
"Wir brauchen noch etwa ...."  Mulder sah sich fragend um.
"4 Stunden"  kam es von Kirsten.
"...... etwa 4 Stunden."
"Nun, in der Zeit schaffe ich es wahrscheinlich nicht, aber vielleicht kann
 ich einen Kontakt vom Virus zu dem Mitglied =FCberpr=FCfen."
"Da musst du dich in einen Krankenhauscomputer einloggen."
"OK, sag' mir welches und ich versuch's."
Mulder gab ihm die Informationen und hoffte, dass Langly bald Erfolg haben
 w=FCrde, vielleicht verschaffte ihnen das ja noch etwas Zeit.
"Ach Mulder, noch etwas, dass dich interessieren k=F6nnte."  erw=E4hnte
 Langly, bevor sie das Gespr=E4ch beendeten.
"Was denn?"
"Agent Spender wird vermisst."
"Wie bitte?"  Mulder war baff.
"Er ist nicht aufzufinden, einfach verschwunden."
"Seit wann ?"
"Seit gestern, ich dachte, es interessiert dich."
"Selbstverst=E4ndlich! Danke Langly und bitte, beeil' dich."
"Klar, bye Mulder."
Mulder schaltete sein Handy ab und sah auf.
"Scully, Spender ist spurlos verschwunden."  Sie sahen sich an.
"Das w=FCrde ja, nachdem, was ich aus deinem Gespr=E4ch mitbekommen habe,=
 ins Bild passen. Sein Vater hat ihm einen Posten zugeschoben und nicht
 erwartet, dass er sich damit =FCbernimmt. Aber Mulder, wenn das Konsortium
 hinter den letzten Ereignissen steckt, m=FCssen wir uns noch auf einiges
 gefasst machen."
"Das glaube ich auch, doch jetzt gilt nur eins, m=F6glichst rechtzeitig im
 Ruhrgebiet sein."
"Ich fahre ja schon mit Bleifu=DF, Hauptsache, sie bezahlen die
 Strafzettel."  Kirsten sah erst zu Scully und dann in den R=FCckspiegel zu
 Mulder, der nickte.
"Was ist eigentlich das Konsortium?"    wollte Christian wissen.
"Das ist eine lange Geschichte, "  antwortete Scully nachdenklich,  "aber
 wir haben ja etwas Zeit."
Sie begannen die Hintergr=FCnde um das Konsortium zu erl=E4utern und
 berichteten auch =FCber ihre bitteren Erfahrungen. 
Unterdessen verging die Zeit, sie n=E4herten sich unaufhaltsam ihrem Ziel,=
 aber Langly meldete sich nicht. Konnte es f=FCr ihn so schwierig sein,=
 einen Krankenhauscomputer anzuzapfen?


Kapitel   XXI



1:50  p.m.


"Die haben ja wirklich nichts unversucht gelassen." bemerkte Jan entsetzt.
"Tja, und bis jetzt hatten wir oft einfach nur Gl=FCck." erwiderte Scully
 und Mulder erg=E4nzte:
"Was die sich in den Kopf gesetzt haben, versuchen sie mit allen Mitteln zu
 erreichen. Daher glaube ich, dass wir auch diesmal Gl=FCck brauchen werden.=
  Was mag nur mit Langly los sein?"
"Bekommst du noch immer keine Verbindung?"
"Nein, die Leitung scheint tot zu sein. Verdammt, wir m=FCssen einen Weg
 finden, an das Konsortium ranzukommen. F=FCr die wisst ihr zuviel, die
 werden tats=E4chlich einen nach dem anderen umbringen. Bei wem die geheimen
 Daten sind ist ihnen ja nicht bekannt, aber selbst wenn, w=FCrde die das
 auch nicht hindern."
"Mulder, ich habe eine Idee. Es hat schon einmal funktioniert, warum nicht
 nochmal?"  
Sie drehte sich zu ihm um und sah ihn an. Er nickte langsam und begriff
 sofort, worauf Scully hinaus wollte.
"Ich glaube, wir m=FCssen uns trennen."    Er sprach aus, was beide dachten.
"Das wird das Beste sein. Ich fliege nach Washington zur=FCck und nehme mit
 Skinner Kontakt auf."
"Scully, soll ich nicht lieber ...?  Ich meine .... du kannst besser
 Deutsch."
Ihr war klar, warum er unbedingt zur=FCck wollte. Er wollte die Genugtuung
 genie=DFen und es sich nicht entgehen lassen, wenn Cancerman und damit dem
 Konsortium die Fl=FCgel gestutzt wurden. So sehr sie es ihm auch geg=F6nnt
 h=E4tte, mussten in ihrer jetzigen Situation aber rationelle =DCberlegungen
 die Oberhand behalten. Wer wusste schlie=DFlich, ob sie Erfolg haben w=FCrd
e.
"Tut mir leid Mulder, aber ich denke, dein Kontakt mit Langly ist hier vor
 Ort wesentlich wertvoller, als mein Deutsch und du hast ja daf=FCr
 kompetente Mitstreiter an deiner Seite. Au=DFerdem werde ich es in
 Washington Skinner =FCberlassen, mit Cancerman zu verhandeln. Der wei=DF
 ganz genau, wie man den nehmen mu=DF."
Mulder sah ein, da=DF sie Recht hatte, war aber trotzdem etwas entt=E4uscht.
Die Vororte von Duisburg hatten sie inzwischen erreicht. So sehr es Scully
 auch interessierte, ob sie es schaffen w=FCrden, hielt sie es doch f=FCr
 besser, bei der n=E4chsten M=F6glichkeit, einem Bahnhof z.B., die Anderen
 zu verlassen, um so schnell wie m=F6glich nach Frankfurt zu kommen und
 damit in einen Flieger nach Washington. Sie erkundigte sich telefonisch
 nach Zug- und Flugverbindungen und, wenn alles gut ging, konnte sie schon
 am n=E4chsten Morgen in Washington sein. Am gr=F6=DFten Bahnhof der Stadt
 sprang sie schnell raus, um keine Verz=F6gerung zu verursachen. Gep=E4ck
 hatte sie kaum, es war ja noch in Berlin und nat=FCrlich bat sie Mulder,=
 sich bei ihr zu melden, sobald sie im Krankenhaus angekommen waren. 
Es war nicht mehr sehr weit und als das Auto auf dem gro=DFen Parkplatz
 hielt, war allen etwas flau zumute. Ohne Zeit zu verlieren gingen sie zur
 Information um zu erfragen, in welchem Zimmer er lag. Mit dem Fahrstuhl
 fuhren sie in den 4. Stock und fanden dort das Personal in heller
 Aufregung. Schwestern und =C4rzte rannten =FCber den Flur, ein Zimmer stand
 sperrweit offen und man h=F6rte einen Arzt rufen:
"Den Defibrillator, schnell! Verdammt, er bleibt uns weg."
Jetzt wurde es hektisch, zwei Schwestern rannten, einen Wagen vor sich her
 schiebend, an ihnen vorbei und sie dr=FCckten sich sofort dicht an die
 Wand, um niemandem im Weg zu sein. Mulder sah in Richtung der offen
 stehenden T=FCr und dann zu Boden.
"La=DF es nicht wahr sein. Bitte, la=DF es nicht wahr sein."  murmelte er
 vor sich hin.  Dann schlo=DF ein Pfleger die T=FCr zu dem Zimmer und es war
 still auf dem Flur. Sie wagten nicht sich zu r=FChren und f=FCr Minuten tat
 sich nichts. Als sie von einer Schwester angesprochen wurden, erschraken
 sie f=F6rmlich.
"Kann ich ihnen helfen? Zu wem m=F6chten sie denn?"
Ohne zu wissen, ob seine Vermutung richtig war, deutete er mit der Hand in
 Richtung des Zimmers, in dem gerade um ein Leben gerungen wurde.
"Gro=DFer Gott, zu Herrn Freund?"
Mulder nickte,  'also doch!'
"Es tut mir leid, da=DF sie das mit ansehen mu=DFten. Kommen sie doch bitte
 mit, ich bringe sie in einen Raum, indem sie warten k=F6nnen."
Er sch=FCttelte den Kopf, noch immer zu dem Zimmer blickend, eine Flut von
 Erinnerungen schossen ihm pl=F6tzlich durch den Kopf,  Krankenhausflure,=
 Scully, Skinner, seine Mutter, er selbst ...  Erst als ihn die Schwester am
 Arm ber=FChrte, wurde er in die Wirklichkeit zur=FCck gerissen.
"Bitte, kommen sie."
Wortlos folgte er ihr nun und bemerkte erst jetzt, da=DF auch die Anderen
 leichenbla=DF waren. In dem Raum, in den sie gebracht wurden, stand eine
 Couch und ein paar Sessel und z=F6gernd lie=DFen sie sich nieder. Die
 Schwester versprach, da=DF der Arzt, sobald er konnte, zu ihnen kommen
 w=FCrde und erneut wurde ihre Geduld auf eine harte Probe gestellt. Mulder
 sa=DF in einem Sessel, vorn =FCbergebeugt, den Kopf in die H=E4nde gest=FCt
zt und starrte zu Boden. Leise, fast wie zu sich selbst, begann er zu reden:
"Es ist immer das Gleiche, wie oft habe ich das nun schon erleben m=FCssen
 und wie oft wollte ich, genau deshalb, aufgeben. Als mein Vater in meinen
 Armen starb, als meine Informanten und Scullys Schwester wegen mir ermordet
 wurden, war ich nur zornig und w=FCtend. Als meine Mutter im Koma lag,=
 f=FChlte ich mich hilflos, so machtlos und unendlich allein. Da war dann
 aber Scully, die mir half und ein paar Mal h=E4tte ich auch sie beinahe
 verloren. Da wollte ich dann aufgeben, aber sie hat's verhindert. Ich wei
=DF nicht, was ich machen w=FCrde, wenn sie nicht mehr da w=E4re, ich w=FCrd
e es wahrscheinlich nicht ertragen."  
F=FCr einen Moment hielt er inne und atmete tief durch.
"Freundschaft oder Kameradschaft ist etwas, was man pflegen mu=DF, um es zu
 bewahren. Ihr habt bewiesen, da=DF ihr f=FCreinander da seid, aber ihr
 solltet euch immer dar=FCber im Klaren sein, wie schnell eine Gemeinschaft,=
 wie die eure, zerst=F6rt werden kann. Versucht, einander immer mit Respekt
 und vor allem Achtung zu begegnen."
Er sah die Drei nacheinander an und dann wieder, in Gedanken versunken, zu
 Boden. Die Stille wurde erst durch das Ger=E4usch der T=FCr unterbrochen,=
 als der Arzt den Raum betrat. Sie erhoben sich gleichzeitig und sahen ihm
 mit gemischten Gef=FChlen entgegen.
"Er hat es =FCberlebt, wir haben ihn reanimieren k=F6nnen."  Seufzer der
 Erleichterung waren zu h=F6ren. Mulder trat einen Schritt vor.
"Was war denn mit ihm? Ich dachte, er war nicht schwer erkrankt."
"Das war er auch nicht. Man hatte ihm den Blinddarm entfernen m=FCssen und
 =FCbermorgen sollte er schon wieder entlassen werden. Wir konnten noch
 nicht kl=E4ren, was genau passiert ist. Fest steht nur, da=DF ihm offenbar
 falsche Medikamente verabreicht wurden, die er nicht vertragen hat und die
 zu einem Zusammenbruch seines Kreislaufes gef=FChrt haben. Er ist jetzt auf
 der Intensivstation und die Apparaturen halten ihn erstmal stabil. =DCber
 den Berg ist er noch nicht und ob er =FCberleben wird, h=E4ngt von den
 n=E4chsten 24 Stunden ab."  
Der Arzt sah Mulder, in der Erwartung weiterer Fragen, an. Der aber runzelte
 nachdenklich die Stirn und nickte nur und der Doktor konnte sich des
 Eindruckes nicht erwehren, da=DF sein Gegen=FCber mehr =FCber seinen
 Patienten zu wissen schien, als er selbst. Sein Piepser verhinderte, da=DF
 er danach fragte und so bemerkte er lediglich noch:
"Gehen sie nach Hause, sie k=F6nnen heute nicht mehr zu ihm."   Damit
 verlie=DF er den Raum und als auch die Vier auf den Flur hinaus traten, sah
 Mulder die Schwester, die sie in den Raum gebracht hatte, vorbei gehen.
"Entschuldigen sie."  sprach er sie an, woraufhin sie stehen blieb.
"W=E4re es m=F6glich mich anzurufen, wenn sich der Zustand von Herrn Freund
 stark verschlechtert?"
"Sind sie mit ihm verwandt?"
"Das nicht, nein."
"Tut mir leid, dann darf ich das nicht."
"Sagen sie, wie wird bei ihnen eigentlich die Medikation der Patienten
 vermerkt?"
"Ich bin nicht befugt, dar=FCber Auskunft zu erteilen ......"
"....... per Computer?"  Jetzt sah sie Mulder sehr erstaunt an und obwohl
 sie nicht antwortete, war ihr Gesichtsausdruck Best=E4tigung genug. Er
 bedankte sich und beim Verlassen des Krankenhauses zog Mulder sein Handy
 hervor und schaltete es ein. Zwei Personen hatten in der Zwischenzeit
 versucht ihn zu erreichen, Scully und Langly. Ohne gro=DF zu =FCberlegen
 w=E4hlte er zuerst Scully an, f=FCr sie mu=DFte ja die Ungewi=DFheit
 inzwischen unertr=E4glich sein.
"Mulder! Herrgott, was hat denn da so lange gedauert? Ist Stephan OK?"  sie
 war sehr aufgeregt.
"Er ist OK  Scully, allerdings war es sehr knapp und au=DFer Lebensgefahr
 ist er noch nicht."  Nun berichtete er, was passiert war und das sie
 hofften, ihn am n=E4chsten Tag besuchen zu d=FCrfen. Er versprach, sie in
 Washington anzurufen und w=FCnschte ihr Gl=FCck bei ihrer Mission.
"Oh Scully, wenn wir damit Erfolg haben sollten, w=E4re ich so gern an
 deiner Stelle, um Cancerman ins Gesicht zu sehen, wenn er sich windet."  
 er seufzte.
"Ich wei=DF Mulder, ich wei=DF, aber vielleicht will mich ja Skinner auch
 nicht dabei haben, wenn er mit ihm spricht."
"Das w=E4re zu schade, dann k=F6nntest du mir ja nichtmal berichten."
"Soll ich ihn umgarnen, damit er mich mitnimmt?"  sie grinste.
"Hmmm ......"  Mulder =FCberlegte und Scully begann herzhaft zu lachen, sie
 wu=DFte genau, was f=FCr ein Gesicht er jetzt machte. Sie wechselten noch
 ein paar belanglose Worte, als Scully noch etwas einfiel.
"Ach Mulder, bevor ich's vergesse. Kannst du mir zwei oder drei kurze
 Ausz=FCge aus den geheimen Dateien zukommen lassen? Dann habe ich etwas in
 H=E4nden, als Beweis sozusagen. Vielleicht wirkt das ja zus=E4tzlich als
 Druckmittel."
"Warum nicht, ich k=F6nnte es dir per Fax nach Hause schicken, aber erst,=
 wenn du da bist."
"Alles klar, bis Morgen dann."
"Bis Morgen,  Guten Flug."
Als n=E4chstes rief er Langly zur=FCck und fragte als Erstes, ob alles in
 Ordnung sei. Es war alles in Ordnung, nur war er in den letzten paar
 Stunden Opfer eines Stromausfalls geworden und konnte so nicht mit dem
 Computer arbeiten. Mulder berichtete auch ihm was passiert war und
=E4u=DFerte seine Vermutung, welche Langly best=E4tigte.
"Jetzt kann ich ja wieder arbeiten und werde mal feststellen, wann die
 =C4nderung in der Medikamentenliste durch das Virus vorgenommen wurde.=
 Wei=DFt du, gar nicht auszudenken, wenn das schiefgegangen w=E4re .... und
 ich h=E4tte es vielleicht verhindern k=F6nnen!"
"Es ist ja, Gott sei Dank, gut gegangen und f=FCr einen Stromausfall kannst
 du ja nun wirklich nichts."
"Aber vielleicht jemand anders!"
"Meinst du, sie haben dich inzwischen lokalisiert?"
"M=F6glich w=E4r's schon, allerdings bezweifle ich, da=DF sie dann mit einem
 simplen Stromausfall aufwarten w=FCrden."
"Sei vorsichtig Langly und wenn du kannst, behalte ein Auge auf dem Virus,=
 schlie=DFlich werden die Apparate in der Intensivstation auch per Computer
 =FCberwacht."
"Ich tue was ich kann Mulder."
Die Nachricht, da=DF Scully bereits auf dem R=FCckflug war, =FCberraschte
 Langly nicht sonderlich. Auch ohne da=DF ihm Mulder den Grund erl=E4uterte,=
 was am Telefon ohnehin nicht so g=FCnstig gewesen w=E4re, ahnte er, da=DF
 was dahinter steckte. Sie verabredeten, sich gegenseitig auf dem Laufenden
 zu halten. W=E4hrend der beiden Gespr=E4che von Mulder, hatten die Anderen
 eine Pension in der N=E4he des Krankenhauses ausfindig gemacht und holten
 ihn, da er beim Auto geblieben war, von dort ab. Weil sie alle in der
 letzten Nacht nur 3 Stunden geschlafen hatten, waren sie hundem=FCde. Dazu
 kamen noch die Aufregungen dieses Tages und keiner von ihnen beneidete in
 diesem Moment Scully, die erneut eine Nacht ohne viel Schlaf durchstehen
 mu=DFte, im Flugzeug war das immer ein Problem, zumindest f=FCr sie. Ein
 gemeinsames Abendessen g=F6nnten sie sich noch, doch die gef=E4hrlich
 tickende Zeitbombe Virus, lie=DF sie ihre Sorge um Stephan nicht vergessen.



Duisburg
8. M=E4rz 1999,  9:20  a.m.


Gleich nach dem Fr=FChst=FCck waren sie ins Krankenhaus gefahren und hatten
 mit Erleichterung festgestellt, da=DF es Stephan besser ging. Offenbar
 hatte das Virus nichts unternommen. Beruhigen konnte sie das nicht, denn
 noch war Langly nicht weitergekommen und Scully war gerade erst auf dem Weg
 zu Skinner. Es hatte sie schon einige =DCberredungsk=FCnste gekostet, denn
 es war ja in Washington mitten in der Nacht und am Telefon wollte sie nicht
 sagen, worum es ging. So hie=DF es wieder warten und da sie auch noch nicht
 zu Stephan konnten beschlossen sie, im Krankenhaus zu bleiben und zu
 warten, bis sie ihn sehen durften. Mulder hatte bereits den dritten Kaffee
 vor sich stehen, als eine Schwester den Raum betrat, um ihn ans Telefon zu
 bitten. Verwundert hob der die Brauen, dann fiel ihm aber ein, da=DF ja
 sein Handy abgeschaltet war und Langly daher nur =FCber das Telefon der
 Information mit ihm Kontakt aufnehmen konnte.



Washington, D.C.
8. M=E4rz 1999,  3:55  a.m.


Scully rieb sich ihre, vor M=FCdigkeit, brennenden Augen. Haarklein hatte
 sie Skinner alles berichtet und ihm dann ihre Idee unterbreitet. Zuerst war
 er skeptisch, da er sich nicht sicher war ob es klappen w=FCrde, wenn sie
 das Konsortium ein zweites Mal erpressen. Als er dann aber die Ausz=FCge
 aus den geheimen Dateien las, wurde er etwas zuversichtlicher. Wenn davon
 etwas an die -ffentlichkeit geraten w=FCrde, k=F6nnte das Konsortium
 tats=E4chlich Probleme bekommen. Er versprach, mit Cancerman Kontakt
 aufzunehmen und empfahl Scully, sich etwas auszuruhen.  Pl=F6tzlich
 klingelte ihr Handy.
"Scully"  meldete sie sich.
"Hi Agent Scully. Ich mu=DF Mulder dringend sprechen, kann ihn aber nicht
 erreichen."  
Es war Langly, der sehr aufgeregt klang.
"Er ist noch in Duisburg und bestimmt in der Klinik. Dort mu=DF er doch sein
 Handy abschalten."
"Ich wei=DF, aber auch =FCber das lokale Telefon dort ist es nicht m=F6glich
. Agent Scully, wir m=FCssen ihn um jeden Preis erreichen und warnen!"
"Langly, was ist passiert?"  eine furchtbare Ahnung stieg in ihr auf.
"Sie gehen aufs Ganze. Der Name im Virusprogramm ist erneuert worden, dort
 steht jetzt Mulders ..."    
Zuerst wu=DFte sie nicht, was sie denken sollte, aber ihre Sorge um Mulder
 lie=DF sie schnell wieder die Panik, die sie f=FCr einen Augenblick
 =FCbermannt hatte, =FCberwinden.
"Ich werde versuchen ihn zu finden, danke Langly."  Sie unterbrach die
 Verbindung und suchte nerv=F6s in ihrer Tasche nach dem Zettel mit der
 Telefonnummer des Krankenhauses. Nat=FCrlich bemerkte Skinner ihre Unruhe.
"Was ist mit Mulder?"
"Sie haben es jetzt auf ihn abgesehen."  mehr war sie nicht f=E4hig zu
 antworten und noch bevor sie den gesuchten Zettel fand, klingelte ihr Handy
 erneut, es war Jan.
"Agent Mulder ist weg!"  war das Einzige, was er hervorbrachte und es klang,=
 als st=E4nde er unter Schock.
"Was hei=DFt weg?"
"Es hat ihn geholt ......" 
Blankes Entsetzen lag jetzt in Scullys Blick, als sie sich Skinner zuwandte:
"Sie m=FCssen sich beeilen ...."




Kapitel    XXII



Duisburg
8. M=E4rz 1999,   10:05  a.m.


Mulders Kaffee war inzwischen kalt geworden. Sie wunderten sich, da=DF er
 nicht zur=FCckkam und als erneut eine Krankenschwester den Raum betrat, um
 ihn ans Telefon zu bitten, wurden sie stutzig.
"Er mu=DF noch drau=DFen sein und telefonieren."
"Nein, tut mir leid, hier auf dem Flur ist er nicht."  erwiderte die
 Schwester.
"Wenn er weggegangen w=E4re, h=E4tte er uns bestimmt etwas gesagt."  Jan
 wu=DFte nicht so recht, was er davon halten sollte, erhob sich und trat auf
 den Flur. Die Anderen folgten ihm und suchend sahen sie sich um, aber von
 Mulder war weit und breit nichts zu sehen. Sie verteilten sich, um ihn zu
 suchen, aber nach einigen Minuten kamen alle erfolglos zur Information
 zur=FCck. Jan wandte sich der Schwester zu, die die Telefongespr=E4che
 entgegen nahm.
"Sagen sie bitte, vor ein paar Minuten hat hier Mister Mulder ein Gespr=E4ch
 gef=FChrt. Wissen sie wann er es beendet hat?"     Sie =FCberlegte einen
 Moment.
"Er hat nicht lange gesprochen, h=F6chstens ein oder zwei Minuten, wobei es
 schon merkw=FCrdig war, denn gesprochen hat er im Grunde gar nicht, nur
 zugeh=F6rt."
"Nur zugeh=F6rt ...."  murmelte Jan ,  "wissen sie wer ihn angerufen hat?"
"Nein, aber die Stimme war schon komisch, klang fast wie so eine
 Maschinenstimme."
"Hat er gesagt, wo er hin will, nachdem er aufgelegt hatte?"
"Das hat er nicht. Er hat aufgelegt, sich umgedreht und ist zum Lift
 gegangen. Allerdings wirkte er irgendwie abwesend, so wie ... ich wei=DF
 nicht recht ... wie in Hypnose."  Jan nickte und wandte sich entsetzt den
 anderen zu:
"Ich denke ihr wi=DFt, was das bedeutet."  auch sie nickten.
"Ich mu=DF Scully anrufen."  Er lie=DF sich das Telefon geben und w=E4hlte
 ihre Nummer und das Einzige, was er hervorbrachte war:
"Agent Mulder ist weg."
"Was hei=DFt weg?"
"Es hat ihn geholt ..."  Scully antwortete nicht sofort, Jan h=F6rte sie nur
 etwas murmeln, vielleicht mu=DFte ja auch sie sich von dem Schreck dieser
 Nachricht erst erholen, bevor sie antwortete.
"H=F6r zu Jan, ihr m=FC=DFt unbedingt herausfinden, wo er hingegangen ist.=
 Befragt, wenn es sein mu=DF, jeden in dem Krankenhaus, irgend jemand mu=DF
 ihn gesehen haben."
"Wenn er das Haus verlassen hat, kann ihn sonst wer gesehen haben."  Er war
 pessimistisch und seine Sorge um Mulder wuchs.
"Dann findet diesen sonst wer. Mulders Leben liegt in euren H=E4nden, mir
 bleibt nur der Versuch, das Virus zu stoppen, wenn es ihn aber bereits
 beeinflu=DFt hat, wird ihm das nicht mehr helfen."
Jan versprach, nichts unversucht zu lassen und damit verteilten sie sich und
 begannen, alle zu befragen. In regelm=E4=DFigen Abst=E4nden trafen sie sich
 an einem vorher vereinbarten Punkt, um sich auszutauschen. Mulder war
 tats=E4chlich mehrmals aufgefallen, aber einen konkreten Hinweis =FCber
 seinen Verbleib konnten sie bisher nicht finden und so suchten sie
 unerm=FCdlich weiter. Vor dem Krankenhaus gab es einen Taxistand, wo immer
 einige Taxen auf Fahrg=E4ste warteten. Kirsten ging zum ersten Wagen und
 der Fahrer freute sich schon, eine Tour zu bekommen. Als er dann mitbekam,=
 was sie eigentlich wollte, war er zun=E4chst entt=E4uscht und wollte sie
 m=F6glichst schnell abwimmeln, aber an ihrem Verhalten und der Art in der
 sie um Hilfe bat lie=DF ihn erkennen, da=DF hier wirklich jemand in ernster
 Gefahr war. Sofort nahm er sein Funkger=E4t und startete einen Rundruf an
 all' seine Kollegen, es konnte ja sein, da=DF einer von ihnen den
 Amerikaner gefahren hatte. Auf Reaktionen brauchten sie nicht lange zu
 warten, allerdings war niemand dabei, der Mulder bef=F6rdert hatte, sie
 versprachen nur alle, die
Augen offen zu halten. In einer solchen Situation hielten die Fahrer immer
 zusammen. Dann kam endlich eine Antwort, die sie aufhorchen lie=DF. Ein
 Kollege best=E4tigte, vor kurzem einen Ausl=E4nder gefahren zu haben, war
 sich aber nicht sicher, ob es sich um den Gesuchten handelte.
"Er k=F6nnte schon Amerikaner gewesen sein, s=FCdl=E4ndisch sah er
 jedenfalls nicht aus."
"Hat er Englisch gesprochen?"  wollte Kirsten wissen.
"Au=DFer dem Fahrziel hat er gar nichts gesagt."
"War sein Verhalten irgendwie auff=E4llig? Ich meine, wirkte er irgendwie
 abwesend?"
"Das in jedem Fall, er hat krampfhaft sein Handy festgehalten und immer
 darauf gestarrt."
"Geklingelt hat es nicht?"
"Nein, aber es war an."  Jetzt war sich Kirsten sicher, da=DF es sich um
 Mulder handelte und der Taxifahrer versprach, gleich, nachdem er seine
 jetzige Tour beendet hatte, zum Krankenhaus zu kommen, um sie zu dem Ort zu
 bringen, zu dem er auch Mulder gebracht hatte. Eilig trommelte Kirsten die
 anderen zusammen und gemeinsam warteten sie auf das Taxi. Ihre Nervosit=E4t
 stieg von Minute zu Minute. Wenn Mulders Handy eingeschaltet war,=
 kommunizierte das Virus wahrscheinlich mit ihm und das konnte jeden Moment
 seinen Tod bedeuten. 








Washington, D.C.
8. M=E4rz 1999,  4:15  a.m.


Nachdem Scully das Gespr=E4ch mit Jan beendet hatte, schlo=DF sie die Augen
 und atmete ein paarmal tief durch. Skinner war nach nebenan, in sein
 Vorzimmer, gegangen, um zu telefonieren und Scully dabei nicht zu st=F6ren
 und nun h=F6rte sie ihn in scharfem Ton sagen:
"Sie sollten sich nicht zu viel Zeit lassen."  Er h=E4ngte auf und kam
 zur=FCck in sein B=FCro. Scully sa=DF noch immer mit geschlossenen Augen
 da, ihre Ersch=F6pfung war ihr deutlich anzusehen, und Skinner wartete
 einen Augenblick, bevor er sie ansprach.
"Aufgeschreckt sind sie jetzt erstmal."  Er setzte sich zu ihr und nun sah
 Scully auf.
"Was hat er gesagt?"
"Er ist auf dem Weg hierher und schien erstaunt zu sein, von mir in dieser
 Angelegenheit zu h=F6ren. Ich hatte den Eindruck, da=DF er von allem
 bereits wu=DFte."
"Ganz bestimmt sogar, schlie=DFlich war sein Sohn darin verwickelt."
"Und nun hat er nur eins im Sinn, Rache."  Scully nickte und erg=E4nzte:
"Da=DF der letzte Auftrag des Virus nicht beendet und daf=FCr jetzt Mulder
 als Opfer eingesetzt wurde, geht bestimmt auf ihn zur=FCck und er will nur
 noch eins, ihn tot sehen."
"Ganz im Gegensatz zu seiner bisherigen Meinung, da=DF Mulder ihm lebend
 mehr n=FCtzen kann, als tot."    Erneut nickte Scully.
"Seine Rache ist wahrscheinlich von blinder Wut gepr=E4gt. Er h=E4lt Mulder
 f=FCr den Hauptverantwortlichen und denkt, da=DF er nun zu weit gegangen
 ist."
"Ich denke, Mulder und sie hatten mit der ganzen Sache zuerst gar nichts zu
 tun?"  fragte Skinner erstaunt.
"Das ist wahr, aber da=DF Spenders Fehler dem Konsortium bekannt wurde, geht
 schon auf uns zur=FCck und so gravierende Fehler werden da nun einmal nicht
 geduldet, egal wer sie begeht."
Skinner hinterfragte noch andere Details, schlie=DFlich hatte ihm Scully
 bisher nur grob berichten k=F6nnen, als pl=F6tzlich die T=FCr ge=F6ffnet
 wurde. Eine Rauchwolke drang in den Raum und mit ruhiger Stimme, in der
 aber etwas h=F6chst Bedrohliches lag, meinte der Raucher:
"Ich lasse mich nicht ein zweites Mal von ihnen bluffen Mister Skinner."
Damit trat er ein, schlo=DF die T=FCr und blieb, wie ein zum Sprung bereites
 Raubtier, vor Skinner stehen, der sich sofort bei seinem Eintritt erhoben
 hatte.
"Ich habe das letzte Mal nicht geblufft und bluffe auch jetzt nicht." 
 erwiderte er in dem gleichen Ton. Scully sa=DF da und wagte sich kaum zu
 bewegen. Sie war zum Zerrei=DFen gespannt und mu=DFte unwillk=FCrlich an
 Mulder denken, der hier jetzt so gern dabei gewesen w=E4re. Was wohl mit
 ihm sein mochte? Ob sie ihn schon gefunden hatten und ob er noch lebte?=
 Dieser furchtbare Gedanke lie=DF sie erschauern und sie bem=FChte sich,=
 solche =DCberlegungen beiseite zu schieben, um nicht die Fassung zu
 verlieren. Am liebsten w=FCrde sie Cancerman an die Kehle springen und ihn
 mit der Waffe zwingen, das Virus sofort zu stoppen. Mit ineinander
 verkrampften H=E4nden verfolgte sie das weitere Geschehen.











Duisburg
10:45  a.m.


Als das Taxi eintraf vergewisserten sie sich zuerst, da=DF sie auch wirklich
 =FCber die richtige Person sprachen und nachdem ihn der Fahrer beschrieben
 hatte, waren sie absolut sicher. Sie stiegen ein und =FCber eine viertel
 Stunde ging es quer durch die Stadt. Dann wurde die Gegend ungem=FCtlicher
 und sie sahen nur noch riesige Industrieanlagen. Etliche waren stillgelegt
 und sahen furchteinfl=F6=DFend aus. In eines solcher Gel=E4nde bog der
 Wagen ein und hielt vor riesigen Hallen.
"Hier wollte er aussteigen."  fast entschuldigend sah er die Drei an.
"Wie sollen wir ihn denn hier finden?"  zweifelte Christian.
"Er ist hier irgendwo und wir werden ihn finden."  Obwohl Jan selbst nicht
 sonderlich optimistisch war versuchte er, den anderen Mut zu machen.
"Kommt, wir d=FCrfen keine Zeit verlieren."  Sie bezahlten die Fahrt,=
 stiegen aus und nachdem das Taxi weg war, waren nur noch die Ger=E4usche
 von aneinander schlagendem Metall und dem =C4chzen der riesigen
 Stahlkonstruktionen, die sie umgaben, zu h=F6ren. Die Entscheidung, wo sie
 mit der Suche beginnen sollten, fiel nicht leicht. Das kurze Knarren einer
 durch Wind bewegten Metallt=FCr lie=DF sie aufhorchen und sie folgten dem
 Ger=E4usch. Als sie um eine der etwas kleineren Hallen gingen, sahen sie
 tats=E4chlich eine der T=FCren leicht offen stehen. Ganz sicher waren sie
 sich nicht ob es richtig war, sich von diesem Zeichen verleiten zu lassen,=
 aber
es bestand ja durchaus die M=F6glichkeit, da=DF Mulder selbst die T=FCr
 offen gelassen hatte. Sie traten ein und standen in einer gro=DFen Halle,=
 in der sich, bis auf etwas Schrott, nichts befand. Durch die, im oberen
 Teil befindlichen, Fenster drang nicht viel Licht und sie mu=DFten sich
 erstmal an das diffuse Halbdunkel gew=F6hnen. Langsam gingen sie durch die
 Halle und sahen sich st=E4ndig suchend um, es war unheimlich und zum Reden
 war niemandem zumute. Hin und wieder traten sie in Pf=FCtzen und erschraken
 bei diesem selbst verursachten Ger=E4usch. Von Mulder, oder einem Hinweis
 auf seine Anwesenheit, war nichts zu sehen. Als Jans Blick auf die Wand am
 Ende der Halle fiel, blieb er stehen und die Anderen sahen ihn verwundert
 an. Er sagte nichts, deutete nur mit der Hand auf eine T=FCr, die offenbar
 in einen angrenzenden Raum f=FChrte. Gezielt gingen sie darauf zu.



selber Ort
30 Minuten zuvor


"Hier wollen sie wirklich aussteigen?"  ungl=E4ubig sah der Fahrer seinen
 Fahrgast an. Mulder nickte, gab einen Geldschein nach vorn und stieg aus,=
 ohne ein einziges Wort zu sagen.
"Halt, sie bekommen noch etwas zur=FCck."  rief ihm der Taxifahrer nach,=
 aber da das Mulder nicht zu beachten schien, zuckte er mit den Schultern
 und fuhr davon. Scheinbar ziellos ging Mulder zwischen den Montagehallen
 entlang und bog bei einer etwas kleineren um die Ecke. An der Seitenwand
 dieser Halle befand sich eine T=FCr, die sich m=FChelos =F6ffnen lie=DF und
 er trat ein, verharrte einen Moment und ging dann langsam zum
 entgegengesetzten Ende. An der R=FCckwand sah er eine weitere T=FCr, die zu
 einem angrenzenden Raum f=FChrte, in dem es keine Fenster gab. Durch den
 matten Lichtschein, der aus der Halle in den Raum fiel, erkannte er in der
 linken Ecke eine Stahlt=FCr. In der Mitte dieser T=FCr gab es, in
 Augenh=F6he, ein kleines, l=E4ngliches Fenster, dessen Glas aber im Laufe
 der Zeit fast blind geworden war. Vorsichtig =F6ffnete er die T=FCr und im
 selben Augenblick flackerte im Innern eine kleine Lampe auf. Er trat ein
 und befand sich in einer leeren Kammer, deren W=E4nde aus Stahl waren. In
 der Mitte der Kammer blieb er stehen, r=FChrte sich nicht, sondern hob nur
 sein Handy hoch und las, was auf dem Display stand. Da=DF sich langsam die
 schwere Stahlt=FCr hinter ihm schlo=DF bemerkte er nicht und auch als ein
 lautes Summen und Brummen einsetzte, reagierte er nicht. Es h=F6rte sich
 an, als ob eine Maschine anlief und bald hatte es ein bestimmtes Level
 erreicht. Minutenlang tat sich nichts, Mulder stand da und starrte zur Wand
 und erst als er merkte, da=DF ihm das Atmen schwerzufallen begann, sah er
 sich um. Wie aus einem Traum erwachend, versuchte er sich zu orientieren.=
 Er hatte keine Ahnung wo er war und wie er dort hingekommen war und
 versuchte, sich zu erinnern. Das Letzte, was ihm bewu=DFte in Erinnerung
 geblieben war, war die Aufforderung einer Krankenschwester, ans Telefon zu
 kommen. Pl=F6tzlich wurde ihm eiskalt bewu=DFt, wodurch er hier war und
 warum. Er st=FCrzte zur T=FCr und versuchte verzweifelt sie zu =F6ffnen,=
 aber vergeblich.
"Hilfe!"  schrie er aus Leibeskr=E4ften, "Hilfe!"  Mit aller Kraft trommelte
 er gegen das Metall und schrie, so laut er nur konnte, aber niemand schien
 ihn zu h=F6ren. Kopfschmerzen begannen ihn zu plagen, er pre=DFte st=F6hnen
d beide H=E4nde gegen die Schl=E4fen und so stand er, vorn=FCbergebeugt und
 keuchend da. Die Schmerzen wurden st=E4rker und er bekam kaum noch Luft.=
 Scully!, scho=DF es ihm in den Sinn und er sah sich suchend nach seinem
 Handy um, da=DF ihm aus der Hand gefallen war. Es lag nicht weit entfernt
 und er kniete nieder und versuchte zu w=E4hlen, es kam aber keine
 Verbindung zustande. Erneut ging eine Welle entsetzlicher Schmerzen durch
 seinen K=F6rper, er kr=FCmmte sich zusammen und schrie auf. Sein Vorhaben,=
 noch einmal zu versuchen die T=FCr zu =F6ffnen scheiterte, weil er nicht
 mehr die Kraft hatte sich zu erheben. Er brach zusammen und fiel zu Boden,=
 wo er zusammengekr=FCmmt und vor Schmerzen st=F6hnend immer mehr nach Luft
 rang. Warme Fl=FCssigkeit begann aus seiner Nase zu rinnen und ein lautes
 Pochen drang an sein Ohr. Schreien konnte er l=E4ngst nicht mehr und er
 wunderte sich, was f=FCr Halluzinationen doch so furchtbare Schmerzen
 hervorrufen konnten und wie lange es doch dauert, bis der K=F6rper
 endg=FCltig aufgibt. Er hatte Scullys Bild vor Augen, die sich mit Tr=E4nen
 f=FCllten und nach einer Weile erschlaffte sein K=F6rper und ihr Bild
 verschwand im Nichts. 




Kapitel   XXIII



Die T=FCr war nur angelehnt. Vorsichtig stie=DFen sie sie auf und sp=E4hten
 in den dunklen, fensterlosen Raum. Ein gleichm=E4=DFiges Brummen drang an
 ihr Ohr, so, als ob eine Maschine lief. In der linken Ecke sahen sie einen
 leichten Lichtschimmer durch ein kleines Fenster fallen und beim genaueren
 Hinsehen erkannten sie, da=DF dieses Fenster zu einer Stahlt=FCr geh=F6rte.=
 Da von dort auch das Ger=E4usch kam, eilten sie darauf zu und Jan
 versuchte, durch die fast blinde Scheibe etwas zu erkennen. Es gelang
 nicht, daher wischte er mehrmals mit seinem =C4rmel dar=FCber, allerdings
 nur mit m=E4=DFigem Erfolg. Ausreichend war es nun aber, um eine Gestalt zu
 erkennen, die zusammengekr=FCmmt und am ganzen Leibe zitternd auf dem Boden
 in der Mitte der Kammer lag.
"Es ist Mulder! Schnell, wir m=FCssen ihn da rausholen."
Verzweifelt r=FCttelten und zerrten sie an der T=FCr, aber sie war fest
 verschlossen. Jan schlug mit den F=E4usten dagegen und schrie:
"Mulder! Mulder!"  Er hoffte auf eine Reaktion, aber sie kam nicht. Im
 Gegenteil, einen Moment sp=E4ter sah er eine Blutlache, die sich unter
 Mulders Kopf bildete. Wie in Panik sah er sich um und entdeckte, nicht weit
 von der T=FCr entfernt, eine Anzeige. Da es fast dunkel war erkannte er nur
 schwer, worum es sich handelte.
"Eine Druckanzeige, gro=DFer Gott! Das ist eine Druckkammer und der Druck
 steigt stetig. Nicht mehr lange und die Anzeige kommt in den roten Bereich.=
 Verdammt!" 
Sie st=FCrzten in die gr=F6=DFere Halle, um in dem Schrott nach Gegenst=E4nd
en zu suchen, mit denen sie die T=FCr =F6ffnen konnten. Schwere Eisenstangen
 schienen genau richtig und wie von Sinnen bearbeiteten sie die T=FCr. Jan
 sah immer wieder durch das Fenster und bemerkte, da=DF Mulders K=F6rper
 erschlafft war.
"Er ist bewu=DFtlos geworden."  Jetzt warf Kirsten ihre Stange beiseite.
"Ich versuche Hilfe zu holen, die Stra=DFe ist nicht weit weg."  Damit
 rannte sie, so schnell sie konnte, los. W=E4hrend Christian weiter die
 Griffe der T=FCr bearbeitete, versuchte Jan die Scheibe einzuschlagen. F=FC
r eine Druckkammer wurde aber kein normales Glas verwendet und daher war
 auch dieser Versuch zwecklos. Als ihm die Sinnlosigkeit seines Tuns bewu=DF
t wurde hielt er inne und sah Christian keuchend an, auch der war v=F6llig
 au=DFer Atem. Jan sah zur Uhr, kurz vor elf, dann zu der Druckanzeige. Sie
 stand nahe dem roten Bereich, wenn also nicht bald Hilfe eintraf, war es um
 Mulder geschehen.



Washington, D.C.
4:35  a.m.


Der Raucher tat einen tiefen Zug von seiner Zigarette und seine Augen
 verengten sich zu schmalen Schlitzen. Er hatte Scully noch nicht bemerkt,=
 seine ganze Aufmerksamkeit galt Skinner.
"Was k=F6nnen sie schon haben, das f=FCr uns von Interesse w=E4re."
"Daten =FCber Spionage- und =DCberwachungsprojekte gegen =F6ffentliche und
 private Einrichtungen zum Beispiel."
"Solche Daten existieren nicht und wenn, glauben sie nicht, da=DF die dann
 so sicher aufbewahrt w=E4ren, da=DF sie da nicht rank=E4men?"
"Jemand kam ...."
"Sie wollen mir doch wohl nicht wieder mit der Masche kommen, da=DF ich,=
 ohne die Deutschen auszurotten, nicht sicher sein kann, da=DF niemand etwas
 erf=E4hrt?"  Offenbar wu=DFte er genau wovon Skinner sprach.
"So in der Art und dabei k=F6nnen die Medien sehr hilfreich sein." 
Es war bisher ein Abklopfen des Rauchers, er wollte sich vergewissern, wie
 weit Skinner informiert war. Da dieser aber wu=DFte, da=DF f=FCr Mulder die
 Zeit knapp werden konnte, entschied er sich nach zehn Minuten verbaler
 Pl=E4nkeleien, zum Angriff =FCberzugehen.
"Jetzt h=F6ren sie mir genau zu. Wenn sie das Virus nicht auf der Stelle
 stoppen, werden diese interessanten Fakten noch heute in den gro=DFen
 Deutschen Abendzeitungen ver=F6ffentlicht und morgen hier bei uns."
"Sie haben nichts, was ver=F6ffentlicht werden kann."  Es war der letzte
 Versuch des Rauchers und Skinner griff daraufhin hinter sich, nahm die
 Ausdrucke mit den Ausz=FCgen, die Scully mitgebracht hatte und reichte sie
 wortlos seinem Gegen=FCber. Der =FCberflog sie nur kurz und mu=DFte
 feststellen, da=DF es tats=E4chlich w=F6rtliche Ausz=FCge aus den Dateien
 waren, die ihnen von Hackern gestohlen worden waren. Wie, um alles in der
 Welt, konnten die nur zu Skinner geraten sein, Mulder und Scully waren ja
 in Deutschland und momentan bestimmt sehr besch=E4ftigt. Bei diesem
 Gedanken huschte der Anflug eines L=E4chelns =FCber sein Gesicht, der aber
 sofort erstarb, als er Scully erblickte, die sich nun erhob. Ihm stockte
 der Atem, augenscheinlich hatte er doch die Beziehung der beiden Agenten
 =FCbersch=E4tzt und Wut begann in ihm aufzusteigen.
"Agent Scully ... "   weiter kam er nicht.
"Wenn Agent Mulder etwas passiert, wird jeder, Wort f=FCr Wort, den Inhalt
 dieser Dateien lesen, das schw=F6re ich ihnen."  Scully schlug das Herz bis
 zum Hals bei diesen Worten und Skinner griff zum Telefonh=F6rer und hielt
 ihn dem Raucher entgegen.
"Wir warten."  zischte er ihn an. Cancerman sah von Einem zum Anderen und
 z=F6gerte.
"Jetzt, sofort!"  Skinners Stimme wurde sch=E4rfer und seine Augen
 funkelten.  Der Raucher ergriff den H=F6rer und w=E4hlte eine Nummer, er
 begriff, da=DF seine pers=F6nliche Rache doch noch etwas warten mu=DFte, zu
 viel stand hier auf dem Spiel. Insgeheim hoffte er aber, da=DF das Virus
 bereits Erfolg gehabt hat.
"Stoppen sie das Ganze, sofort!"  Am anderen Ende schien jemand nicht ganz
 zu verstehen.
"Haben sie nicht geh=F6rt? Schalten sie ab!"  rief er aufgebracht und gleich
 darauf nickte er und h=E4ngte auf.
"Es ist abgeschaltet."  pre=DFte er zwischen den Lippen hervor, noch immer
 auf das Telefon starrend. Dann z=FCndete er sich eine neue Zigarette an und
 blickte zu Skinner.
"Wer garantiert mir, da=DF die Daten hinter Verschlu=DF bleiben?"
"Niemand, darauf m=FCssen sie schon vertrauen, auch wenn es ihnen
 schwerf=E4llt. Au=DFerdem gedenke ich es genau so zu halten, wie beim
 letztenmal. Passiert jemandem von AAGP oder uns etwas, haben gen=FCgend
 Leute entsprechende Instruktionen. Und wenn wir gerade dabei sind, verlange
 ich, da=DF sie mir alle Informationen, die ihnen Nicolas gegeben hat
 zustellen und zwar in sp=E4testens einer Stunde. Vielleicht sollten sie in
 Zukunft daf=FCr Sorge tragen, da=DF niemand mehr so leicht in ihr System
 kommt und mit Fragen der Sicherheit wirklich kompetente Leute beauftragen."
Dieser Seitenhieb gegen Spender war dem Raucher dann doch zuviel und er
 konnte die Wut, die in ihm kochte, nicht mehr zur=FCckhalten. Er stie=DF
 seine Zigarette in Skinners Aschenbecher, ergriff die Ausdrucke, ri=DF sie
 mit einem Ruck an sich und st=FCrmte aus dem Zimmer, nicht ohne die T=FCr
 mit einem lauten Knall hinter sich zuzuwerfen.  Scully sah erst Skinner an,=
 der l=E4chelte, und dann zur Uhr, kurz vor f=FCnf.  In Deutschland war es
 dann fast elf und noch keiner hatte versucht, mit ihr Kontakt aufzunehmen,=
 sie war verzweifelt.



Duisburg
kurz vor elf


Jan und Christian standen keuchend da, sie wu=DFten nicht mehr, was sie noch
 tun sollten. Kirsten kam nicht zur=FCck und von Rettungsmannschaften war
 nichts zu sehen. Die Druckanzeige hatte den roten Bereich fast erreicht,=
 als pl=F6tzlich das brummende Ger=E4usch erstarb. Es herrschte Totenstille
 und verwundert sahen sie sich um. Ein leises Zischen setzte ein, das immer
 lauter wurde und bei einem Blick auf die Anzeige wurde Jan klar, was das
 bedeutete.
"Der Druck entweicht!"  Als er im selben Moment Sirenengeheul vernahm begann
 er zu jubeln und Christian stimmte ein. Der Jubel erstarb allerdings bei
 dem Blick durch das Fenster, die Blutlache unter Mulders Kopf war gr=F6=DFe
r geworden. Rettungs=E4rzte kamen in den Raum gest=FCrzt, allen voran
 Kirsten. Noch lie=DF sich die T=FCr nicht =F6ffnen, offenbar verhinderten
das Magnetverriegelungen, die die T=FCr erst ab einem bestimmten Druck
 freigaben. Sie wurden ungeduldig und als endlich ein lautes Klicken
 verriet, da=DF die T=FCr offen war, st=FCrmten die Sanit=E4ter hinein. Auch
 eine Feuerwehr war anger=FCckt und bei all' dem Gewusel wurden die Drei in
 die Halle geschoben.
"Was ist mit ihm?"  rief Jan verzweifelt in die uniformierte Menge.
"Er lebt, aber er braucht spezielle medizinische Versorgung."  kam von
 irgendwo die Antwort.  Sie atmeten auf, sahen sich an und die R=FChrung,=
 die sie alle empfanden, wollte keiner zeigen. Aus dem Innern der Kammer
 drangen Wortfetzen an ihr Ohr, aber au=DFer Druckkammer und Dekompression
 verstanden sie nicht viel. Die Menge begann sich zu bewegen und Mulder
 wurde auf einer Trage ins Freie geschoben. Sein Gesicht war
 blutverschmiert, nur der Bereich um Mund und Nase war notd=FCrftig, f=FCr
 die Sauerstoffmaske, ges=E4ubert worden. Auf dem Vorplatz stellten sie ihn
 ab und zwei Sanit=E4ter hielten Infusionsschl=E4uche in die H=F6he.=
 Unaufgefordert teilte einer der Beiden, dem besorgt auf Mulder blickenden
 Jan mit:
"Wenn er sofort gezielte Behandlung bekommt, und das wird er ja nun wohl,=
 wird er es =FCberstehen."
"Wo bringen sie ihn hin?"  fragte Jan.
"Er wird in eine Milit=E4rklinik geflogen, der Hubschrauber m=FC=DFte gleich
 hier sein."
"Wo ist die denn?" hakte er nach.
"Knapp 100 km s=FCdlich von Duisburg, aber ich denke mal, da=DF sie euch da
 sowieso nicht rein lassen."
"Na, das werden wir doch mal sehen!"  jetzt war Jan entr=FCstet.
Als der Hubschrauber kam und Mulder eingeladen wurde erhielten sie aber doch
 die Auskunft dar=FCber, wo sie hin mu=DFten, um ihn zu besuchen. Die
 Rettungswagen nahmen sie, als man mit Mulder abgeflogen war, mit zur=FCck
 zum Krankenhaus und dort versicherte man ihnen, da=DF Mulder bestimmt nicht
 vor dem n=E4chsten Tag besucht werden konnte. Der Arzt, der Stephan
 behandelt hatte versprach, sich nach Mulders Befinden zu erkundigen und
 empfahl ihnen, mit einem Zwinkern, in der Zwischenzeit ihren Freund zu
 besuchen. Beinahe h=E4tten sie, vor lauter Aufregung, den Grund vergessen,=
 aus dem sie eigentlich hier hergekommen waren. Es war inzwischen schon halb
 zw=F6lf und Jan stellte sich vor, wie entnervt Scully jetzt sein mu=DFte.=
 Er blieb also noch etwas zur=FCck, um zuerst mit ihr zu telefonieren.
"Scully"   Ihre Stimme klang rauh, was darauf hindeutete, da=DF sie aus dem
 Schlaf hochgeschreckt war.
"Er hat es =FCberlebt."  verk=FCndete Jan strahlend.
"Gott sei Dank!"  Scully fiel ein Stein vom Herzen, es war, als ob eine
 tonnenschwere Last von ihr genommen wurde. Sie wollte nat=FCrlich genau
 wissen, was vorgefallen war und durch Jans Bericht wurde ihr klar, wie
 knapp es wirklich gewesen war.
"Ich komme Morgen nach Deutschland zur=FCck, werde aber vor Abend bestimmt
 nicht dort sein.." 
 Jan beschrieb ihr genau, wo sich Mulder befand und sie verabredeten, sich
 dann dort zu treffen.



Milit=E4rklinik
9. M=E4rz 1999,  7:20  p.m.


Sie waren offenbar angek=FCndigt worden als sie am Nachmittag eintrafen,=
 denn man lie=DF sie ungehindert auf das Gel=E4nde und in das Krankenhaus.=
 Zu Mulder durften sie noch nicht, aber gegen sieben erhielten sie dann die
 Erlaubnis, ihn zu sehen. Er wurde noch mit Sauerstoff versorgt, aber
 ansonsten ging es ihm schon wieder erstaunlich gut.
"Ich darf mich nur nicht gro=DF bewegen, oder gar lachen." meinte er
 grinsend.  Dann wollte er genau wissen, was mit ihm passiert war und als
 sie ihm detailliert alles erz=E4hlt hatten, war er erstmal still. Er konnte
 es kaum fassen, da=DF erneut ein Schutzengel an seiner Seite gewesen sein
 mu=DFte. Eine halbe Stunde sp=E4ter traf auch Scully ein und sie begr=FC=DF
te Mulder =FCberaus herzlich.
"Da=DF du noch lebst hast du eigentlich Cancerman zu verdanken." bemerkte
 sie dann etwas sarkastisch und Mulder erwiderte:
"Wie tr=F6stlich, w=E4re ich doch nur dabei gewesen. Ohne die Drei hier,=
 h=E4tte ich es aber auch nicht geschafft und h=E4tte nicht sofort die
 Behandlung bekommen, die mich gerettet hat." Er sah sie dankbar an.
"Wir sind froh, da=DF wir sie =FCberhaupt gefunden haben."  meinte Jan.
Mulder war h=F6chst neugierig zu erfahren, wie die Sache in Washington
 abgelaufen war und Scully schilderte, was sich dort abgespielt hatte.
"Cancerman w=FCtend, gro=DFartig!"  freute sich Mulder und Jan erg=E4nzte:
"Und wir finden es gro=DFartig, da=DF nun endlich das ganze Drama ein Ende
 hat."
"Das ist wahr."    Scully nickte und griff nach ihrer Tasche. 
"Ich wei=DF jetzt auch, was wirklich hinter dem Ganzen gesteckt hat. Das
 Konsortium hat den Bericht rausger=FCckt, in dem alles steht, was sie aus
 Nicolas, vor dessen Tod, herausgequetscht hatten."
Jetzt sahen sie alle sehr neugierig an.

"Begonnen hat eigentlich alles, als er noch sehr klein war, als seine Mutter
 ums Leben kam. Sein Vater war von da an der Einzige, den er noch hatte. Da
 der aber oft nicht da war, als der Junge ihn brauchte, verarbeitete er den
 Tod der Mutter nie ganz, wodurch ein Kindheitstrauma entstand, das ihn sein
 Leben lang begleitete. Inzwischen erwachsen, hat er irgendwann mitbekommen,=
 was sein Vater tat, und das im Grunde durch euch, oder besser, durch seine
 Zugeh=F6rigkeit zu der Gruppe. Ihr seid mal bei Nachforschungen, die
 bestimmt ein ganz anderes Projekt betrafen, auf Rechnungen und
 Lieferscheine gesto=DFen, durch die ihr stutzig wurdet. Da wurden Dinge an
 einen bestimmten Ort geliefert, die man zur Herstellung von Giftgasen und
 chemischen Waffen ben=F6tigt. Bei genaueren Untersuchungen seid ihr dann
 auf eine Scheinfirma gesto=DFen, die mit einem bestimmten Projekt im
 Zusammenhang stand, da=DF im Auftrag der Regierung durchgef=FChrt wurde.=
 Diese Rechnungen usw. trugen teilweise die Unterschrift von Nicolas Vater.=
 Ohne zu wissen wen ihr da =FCberpr=FCft fandet ihr heraus, da=DF sein Vater
 ein f=FChrender Wissenschaftler einer Einrichtung war, die an geheimen
 Regierungsprojekten arbeitete, die mit der Entwicklung  biologischer Waffen
 besch=E4ftigt war und da das seit Langem verboten war, habt ihr eure
 Unterlagen der Staatsanwaltschaft zugespielt, woraufhin diese Einrichtung
 aufflog und weitere Untersuchungen angeordnet wurden."
"Daran kann ich mich erinnern."  best=E4tigte Jan und auch die anderen
 nickten.
"Es kamen etliche Dinge ans Tageslicht, unter anderem auch ein Vorfall, der
 =FCber 20 Jahre zur=FCcklag. Damals arbeitete Nicolas Vater ebenfalls an
 einem solchen geheimen Projekt mit, bei dem es zu einem schweren St=F6rfall
 kam, durch den viele Menschen starben, auch Nicolas Mutter. Ich wei=DF
 nicht ob ihr euch vorstellen k=F6nnt, was in Nicolas vorgegangen sein mu=DF
 als er erfuhr, da=DF eigentlich sein Vater am Tod der Mutter schuld war, er
 war damals verantwortlich f=FCr Alles und trug damit die Schuld an dem
 Vorfall. Der Vater stieg dann sp=E4ter in die Zentrale dieser Einrichtung
 auf und das machte ihm der Sohn zum Vorwurf. Anstatt nach dem Tod der
 Mutter aufzuh=F6ren, machte er immer weiter. In Nicolas entwickelte sich
 Ha=DF gegen den Vater, der eigentlich zu einer Ha=DFliebe wurde, weil ja
 der Vater seine letzte Bezugsperson war. Der wurde dann verhaftet und damit
 hattet ihr ihm diese letzte Bezugsperson nun auch noch genommen und er war
 pl=F6tzlich allein. Sein Ha=DF richtete sich jetzt gegen euch. Irgendwie
 war ihm aber gleichzeitig klar, da=DF ihr eigentlich die Tat gegen seine
 Mutter endlich bestraft hattet. Durch diesen inneren Zwiespalt drehte er
 dann vollst=E4ndig durch und er fokussierte seinen ganzen Ha=DF auf euch,=
 da ja nur ihr f=FCr ihn noch greifbar wart. Als dann Andrea eine
 verd=E4chtige Datei auf dem Komputer des Konsortiums fand und sie das als
 Anregung zu Nachforschungen in die Gruppe trug, hackte sich auch Nicolas
 erfolgreich dort ein, stie=DF auf das Virus und hatte nun das Instrument
 seiner Rache gefunden. Wie es weiter ging wi=DFt ihr und durch uns wurde
 dann erst das Konsortium auf den
Diebstahl des Virus aufmerksam, oder genauer, Spender. Als dem die Tragweite
 dessen bewu=DFt wurde und auch, da=DF das, falls sein Unverm=F6gen ans
 Tageslicht kam, sein Ende bedeuten w=FCrde, beseitigte er Nicolas, f=FChrte
 aber dessen Vorhaben fort, da er ja nun wu=DFte, da=DF die geheimen Dateien
 ja auch noch in eurem Besitz waren. Bei wem sie waren wu=DFte er nicht und
 so sollten halt alle Mitwisser dran glauben. Durch uns beide flog dann auch
 er auf, was genau die von Spender bef=FCrchteten Konsequenzen zur Folge
 hatte.  Das Konsortium wollte aber auch keine Mitwisser und lie=DF Spenders
 Projekt einfach weiterlaufen."

"Wenn ich das so h=F6re k=F6nnte ich mir vorstellen, da=DF sich Nicolas am
 Schlu=DF auch selbst umbringen wollte."  bemerkte Mulder.
"Ja, das wollte er, sogar ziemlich spektakul=E4r, aber wie genau ist uns
 nicht bekannt."
"Wie konnte eigentlich das Virus eine Druckkammer in einem Industriekomplex
 aktivieren, der stillgelegt war?" wollte Jan wissen.
"Per Computer, du wirst es nicht glauben. Das Ding hat offenbar immer recht
 gut recherchiert, bevor es zugeschlagen hat. Denkt doch nur mal daran, auf
 welch teuflische Weise eure Freunde umgekommen sind. Dieser
 Industriekomplex war gerade erst aufgegeben worden und alle
 computergesteuerten Installationen sollten erst ganz zum Schlu=DF abgebaut
 werden. Die =DCberwachung ist solange notwendig, bis alles restlos
 ausgeschlachtet ist. Es kann ja immer zu Zwischenf=E4llen kommen, die ein
 sofortiges Eingreifen erforderlich machen. Sie waren ja noch nicht ganz
 fertig und daher war auch diese Druckkammer noch angeschlossen."
"Mal abgesehen davon, da=DF ich selbst um ein Haar umgekommen w=E4re,=
 verdankt ja eigentlich auch Stephan, auf Grund von Rachegel=FCsten,=
 Cancerman sein Leben."  warf Mulder ein.
"Etwas makaber, aber es stimmt."  best=E4tigte Scully.
F=FCr einen Augenblick war es still im Raum, jeder dachte =FCber das gerade
 Geh=F6rte nach, bis ein Pfleger die Stille unterbrach:
"Sie m=FCssen jetzt gehen, Mister Mulder braucht etwas Ruhe."
Einige Minuten gew=E4hrte er ihnen aber noch und lie=DF sie wieder allein.
Mulder sah die drei AAGP-Mitglieder nacheinander an und wurde sehr ernst.
"Ich denke, ihr seid euch dar=FCber im Klaren, was diese Dateien jetzt
 bedeuten. Sie sind eure Lebensversicherung!  Gebt sie an m=F6glichst viele,=
 wirklich zuverl=E4ssige Personen, mit konkreten Instruktionen weiter. Ihr
 haltet damit das Leben all' eurer Mitglieder in H=E4nden ..... ......  und
 auch unseres."
Dann sah er zu Scully, die seinen Blick mit einem L=E4cheln erwiderte.





THE END




